Die dunkle Jahreszeit

Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. Johannes 1,5

Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein. Jochen Klepper

Liebe Gemeindeglieder! Nun neigen sich Kirchenjahr und Kalenderjahr also wieder dem Ende zu.

In der ‚dunklen’ Jahreszeit gedenken wir unserer Verstorbenen, schmücken die Gräber, entzünden Lichter gegen die Dunkelheit – auch die Dunkelheit in unseren Herzen.

Zerbrechlichkeit

Gerne würden wir auf die schmerzhaften Erfahrungen in unserem Leben verzichten. Sie machen uns Angst und stimmen uns traurig.

Als Christen wissen wir uns gerufen Menschen zu begleiten, die krank sind, die von einem Schicksalsschlag getroffen wurden, die in ihrer Einsamkeit nach menschlicher Zuwendung suchen. Das ist nicht immer leicht und führt uns die Zerbrechlichkeit unseres menschlichen Lebens vor Augen. Wie schön wäre es, all dies mit einem Schlag aus der Welt schaffen zu können.

Dabei macht gerade diese Ge-brochenheit unseres Lebens unser Menschsein aus: Wir sind nicht vollkommen, mächtig und stark. Tränen und Leid, Einsamkeit und Trauer gehören zu unserem menschlichen Dasein und wollen bewältigt werden.

Gottes Nähe

Gott hat uns nie versprochen, uns die dunklen Seiten und Zeiten unseres Lebens ganz wegzunehmen.

Aber in der Advents- und Weihnachtszeit erinnern wir uns daran, dass er als Licht in diese Dunkelheit kommt. Dankbar feiern wir Gottes Nähe in dem Kind in der Krippe. Er hat sich klein gemacht, um mit uns zu weinen und uns dabei die Tränen abzuwischen. Er ist gekommen, um wie wir die Angst und den Tod zu erleben, dabei aber gegen ihn anzukämpfen und ihn zu besiegen.

Jesus hat immer wieder deutlich gemacht, dass das Schwere und Dunkle in unserem Leben keine Strafe Gottes ist, kein Zeichen dafür, dass er uns nicht lieben würde.

Im Gegenteil: Wir sind seinem Herzen so nahe, dass er zu uns kommt – mitten hinein in unsere Dunkelheiten an den Gräbern unserer Lieben, an den Krankenbetten und in den durchweinten Nächten.

Durch seine Nähe will er diese Dunkelheiten erhellen.

In diesem Sinne wünsche ich uns einen lichten November und eine gesegnete Advent- und Weihnachtszeit!

Ihr Pfarrer Christian Brost

 

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