Gottesdienst im Grünen am Heiligen Stein bei Mitterretzbach

Wenn ich diese Zeilen schreibe, ist dieser besondere Gottesdienst schon ein Weilchen her. Und wenn Sie diesen Artikel lesen, dann ist der Sommer vorüber und Sie werden vielleicht sagen, ach ja, da waren wir doch in Mitterretzbach, beim Heiligen Stein – das ist aber schon lange her. Jedes Jahr feiern wir einen Gottesdienst im Freien – irgendwo auf unserem Gemeindegebiet. Da dieses sehr groß ist, finden sich leicht auch unbekannte Plätze. So wie dieser besondere Ort an der Grenze zu Tschechien. Aus der ganzen Diaspora kamen bei strahlendem Wetter fast 100 Menschen zusammen – auch um Bernhard Petri-Hasenöhrl zu verabschieden. Er war die letzten 2 ½ Jahre bei uns als Vikar und nun ist er als Pfarramtskanditat in Wien Floridsdorf.

 

Abschied nehmen

Auch wenn das komisch klingt: der Abschied war schön. Nicht dass ich froh wäre, dass Bernhard nicht mehr bei uns mitarbeitet. Nein, aber ich hatte nachher das Gefühl, wenn man so Abschied feiern kann, dann tut es viel weniger weh.

Warum war das so?

Ich glaube, da gibt es viele Gründe. Zum einen haben wir uns Zeit dafür genommen. Also rechtzeitig daran gedacht, vorbereitet und eben nicht im letzten Moment Tschüss und Danke gesagt.

Bernhard war in die Vorbereitung nicht nur eingebunden, sondern an der Gottesdienstgestaltung maßgeblich beteiligt. Und die Geschichte, die er uns erzählte, werde ich mir wie ein Vermächtnis behalten.

Es war die Geschichte von der Muschel und dem Fisch. Die Muschel, die am Meeresgrund lebt und glücklich ist, wenn das Mondlicht tief ins Wasser strahlt, die alle Geräusche und Bewegungen wahrnimmt und dennoch mit sich zufrieden ist. Und der Fisch, der von seiner Beweglichkeit und Schnelligkeit überzeugt ist und sich ein Leben, wie das von der Muschel überhaupt nicht vorstellen kann. Muschel und Fisch – Metaphern für unser Innenleben und unser Außenleben. Innenleben – also was ich über mich denke, was mich treibt, alle Überlegungen, Gedanken, Gebete, die ich über mein Leben anstelle. Das Außenleben meint alle Aktivitäten, die ich setze – ob beruflich oder meine Freizeit betreffend, ob ich aus eigenem Antrieb etwas mache, oder im Strom mitschwimme. Bernhard hielt ein Plädoyer für das Innenleben. Zur Ruhe kommen, zu sich kommen – aus dem Strudel des Aktiv-sein-müssens aussteigen und zwar ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Ja das tut gut immer wieder zu hören. Nicht nur vor den Sommerferien. Auch unterm Jahr kann das Stillwerden gut sein. Das In-sich-hineinhorchen, ja sogar das Nichts-tun.

Wir dürfen Ruhe geben – auch
und vor allem in unserer Freizeit.
Mit dem bestem Gewissen.
Weil wir uns dann wirklich
ausruhen können.
Weil wir dann uns selbst
und die Welt um uns
besser wahrnehmen können.
Weil wir dann noch besser darauf
hören können, was uns, was mir,
von Gott zugesagt ist:
„Du Mensch: Ich liebe dich. Und ich will, dass es dir gut geht. Bei mir, bei mir kannst du dich ausruhen.“

Muschelsuche

Der Höhepunkt für die Kinder war sicher die Muschelsuche im Sandbeet.

Jede/r Gottesdienstteilnehmer/in erhielt eine Muschel als Andenken.

Zur feierlichen Verabschiedung gehörte auch das Beschenken. Von Pfarrer Brost bekam Bernhard ein handgenähtes Bäffchen und von der Gemeinde gab es ein kleines Album, von Gemeindegliedern gestaltet, ein ersteigertes Bild von der Malaktion der Spielgruppe und eine Schüssel, die eigentlich auch ein Korb ist.

Ein Gefäß also, in dem Bernhard eine Erinnerung hat, wie wir ihn erlebt haben. Offenherzig, belastbar, sehr nützlich – liebenswürdig.

Die persönlichen Worte von Kurator Gert Lauermann drückten fast auf die Tränendrüsen – aber wie gesagt, es war ein fröhlicher Abschied, der nach dem Gottedienst beim Mitterretzbacher Feuerwehrheurigen mit Schnitzel und Surfleisch auch noch weiterging.

Danke den beiden Liturgen, der Musikgruppe, den 5 Akteuren aus der Diaspora und den muschelsuchenden Kindern, die dieses gemeindliche Highlight zu einem solchen machten.

Irmi Lenius

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