Verabschiedung unseres Vikars

Es ist fast nicht zu glauben – aber wahr: Meine Zeit als Vikar in Stockerau neigt sich ihrem Ende zu. Beinahe zweieinhalb Jahre habe ich nun in dieser Gemeinde gelebt und gearbeitet. Beinahe zweieinhalb Jahre lang durfte ich Teil dieser Gemeinschaft sein. Und so, wie es sich für unsere unaufhörlich auf Leistung ausgerichtete Zeit gehört, müsste ich an diesem Punkt wohl fragen: „Wo woa mei Leistung?“

Aber genau das werde ich mir mit bestem Gewissen verkneifen. Denn im Vikariat geht es nicht um Leistung, sondern ums Lernen.

Daher also: Wo woa mei Lerneffekt? Was habe ich eigentlich gelernt?

Die Lehr-Gemeinde

Ich habe kennen gelernt. Ich durfte die Evangelischen im Weinviertel kennen lernen – zwischen Stockerau und Retz. Ich durfte kennen lernen, wie sie miteinander Gemeinde und Glauben leben; wie sie Gottesdienste und Feste feiern; wie sie trauern und Abschied nehmen. Ich durfte kennen lernen, wie evangelisch Sein in der Kleinstadt und in der Diaspora aussieht. Ich durfte kennen lernen, wie spannend und gleichzeitig anstrengend es sein kann, wenn eine Gemeinde baut und renoviert. Ich durfte kennen lernen, wie Pfarrgemeinde-Leben sich zwischen Sonntag und Alltag, Schule und Kindergarten, (politischer) Öffentlichkeit und persönlichen Gesprächen abspielt.

Dafür bin ich sehr dankbar. Denn nur durch das intensive kennenLernen war etwas Weiteres möglich:

Ich habe lieben gelernt. Nein, nicht meine Frau – die habe ich nicht Stockerau zu verdanken. Sondern ich habe eine Ahnung davon bekommen, wie es sein kann, wenn man einen Beruf liebt. Ich habe in meiner Zeit in Stockerau gelernt, dass ich mich – so Gott (oder der Oberkirchenrat?) will – auf dem Weg zu meinem Traumberuf befinde. Ich habe gelernt, dass das Pfarrer-Sein die richtige Berufswahl für mich sein könnte.

Natürlich habe ich noch Vieles mehr gelernt – vor allem, was meinen Arbeitsalltag als Seelsorger und Pfarrer betrifft. Aber all das aufzuzählen, würde hier zu weit führen.

Darum möchte ich mich zum Abschluss bei Ihnen und euch allen von Herzen bedanken, die dafür gesorgt haben, dass ich eine so spannende und schöne Zeit in Stockerau verbringen konnte: bei allen, die mich so offen in ihrer Gemeinde aufgenommen haben; bei allen, die mich in meinem Arbeiten begleitet haben; bei allen, von denen ich mich in meinem Pfarrer-Sein-Üben so wertgeschätzt gefühlt habe;

bei allen, denen ich begegnen durfte und die sich mir und meiner Arbeit als angehender Seelsorger anvertraut haben.

Die Stockerauer Pfarrgemeinde wird mir fehlen, wenn mich mein weiterer Ausbildungsweg nun zur evangelischen Pfarrgemeinde Wien Floridsdorf führt. Aber zumindest als Wohnort wird mir und meiner Familie Stockerau im nächsten Jahr noch erhalten bleiben.

Auf Wiedersehen (das hoffe ich im wortwörtlichen Sinn) und Gottes Segen!

Vikar Bernhard Petri-Hasenöhrl

 

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