Pfingsten – Geburtstag der Kirche

„Als das Pfingstfest kam, waren alle versammelt.“

Am 27. Mai feiern Christinnen und Christen aller Konfessionen das Pfingstfest. Pfingsten ist für uns eine Art Geburtstag: der Geburtstag der Kirche. Mit dem Ereignis, das die Apostelgeschichte beschreibt, entstand vor ca. 2000 Jahren die erste christliche Gemeinde – die Urgemeinde, auf die wir alle heutigen christlichen Kirchen zurückverfolgen können.

Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu haben sich seine Anhängerinnen und Anhänger nicht in alle Winde zerstreut, sondern sind eine Gemeinschaft geblieben. Bei einer ihrer Zusammenkünfte wird die Runde „vom Geist Gottes erfüllt“, und sie beginnen, in allen möglichen fremden Sprachen zu predigen. Menschen aus der gesamten antiken Welt, die gerade in Jerusalem sind, hören das und fühlen sich in ihrer je eigenen Sprache angesprochen.

Wie auch immer wir uns dieses Pfingstwunder vorstellen – eines wird dadurch deutlich: Gott schickt der Gemeinde von Jerusalem seinen Geist und dieser Geist wird für alle anderen Menschen sofort spürbar. Durch Menschen, die im Geiste Gottes leben, wird die Anwesenheit und Nähe Gottes für andere erlebbar.

Warum der Glaube Kirche braucht

Bei Gesprächen mit Menschen, die aus der (den) Kirche(n) ausgetreten sind, habe ich auffallend oft ähnliche Kommentare gehört: „Ich brauche keine Kirche zum Glauben. Ich hab meinen Glauben ja eh selber.“ Vielleicht scheint da die Überindividualisierung unserer heutigen Gesellschaft durch oder einfach der Frust auf die manchmal zu starre Institution Kirche. Die Geschichte und Herkunft unseres christlichen Glaubens zeichnet auf jeden Fall ein anderes Bild. Frauen und Männer sind im Gemeinsam-Sein zu den ersten Christinnen und Christen geworden. Sie haben gemeinsam geglaubt, gebetet und gefeiert. Sie haben gemeinsam ihr Leben nach dem Geist Gottes gelebt – und haben dadurch Gott für andere sichtbar gemacht. Durch ihre Gemeinschaft ist die Wärme des liebenden Gottes fühlbar geworden.

Ich glaube schon, dass wir manchmal auch ohne die Hilfe anderer Menschen Gott in unserer Welt entdecken können. Aber die Wunder der Natur oder die Weite des Himmels allein vermögen es nicht, Gott für uns erlebbar zu machen. Unser Leben spielt sich vor allem in Beziehungen ab, in Beziehungen zwischen Menschen. Leben heißt, mit anderen zu leben. Und das gilt auch für unseren Glauben. Im gemeinsamen Feiern des Gottesdienstes, im gemeinsamen Gebet, im Gemeinde-Sein wird unser Glaube an den Auferstandenen zu einem lebendigen Glauben. Als Gemeinde, als Gemeinschaft, können wir voneinander lernen, wir können uns gegenseitig Stütze sein und wir können sowohl unserer Freude als auch unserer Trauer miteinander besser Ausdruck verleihen. Nur in der Gemeinschaft haben wir die Möglichkeit, unseren eigenen Glauben weiter zu entwickeln. In der Begegnung mit anderen, im Austausch, im gegenseitigen Lernen und auch im aneinander Reiben läuft unser Glaube nicht Gefahr, sich tot zu laufen oder einzuschlafen. Gemeinde sein heißt: miteinander Glauben leben und miteinander glauben lernen.

Lebende Gemeinschaft nach außen

Aber nicht nur innerhalb unserer Gemeinde hat unsere Gemeinschaft Wirkung. Auch nach außen hin zeigt sich unser gemeinsam gelebter Glaube – so wie schon beim Pfingstereignis in Jerusalem. Als lebendige Gemeinde sprechen wir eine ganz besondere Sprache – eine Sprache, die jeder Mensch verstehen kann, egal woher er kommt, egal woran sie glaubt. Nächstenliebe, Fürsorge, Toleranz und Offenheit sind für alle verständlich. Das ist der Geist Gottes, wie er auch heute durch uns wirken kann.

Vikar Bernhard Petri-Hasenöhrl

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