Verwandle uns durch deine Gnade!

Diesen Satz habe ich als Motto für den Ökumenischen Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen gewählt. Im Nachhinein. Denn wir haben am 25. Jänner diesen besonderen Gottesdienst in der Stockerauer Lutherkirche gefeiert. Mit der zahlreich erschienenen Gemeinde feierten Pfarrer Aleksander Stankovic und Diakon Srdjan Rakic von der serbisch-orthodoxen Gemeinde im Wein- und Waldviertel mit Sitz in Tulln, Pfarrer Markus Beranek von der katholischen Pfarre Stockerau und unser Pfarrer Christian Brost.

Das Motto habe nicht ich erfunden, sondern es diente als Antwort auf die Fürbitten.

Geschwister im Glauben.

Verwandle uns durch deine Gnade.

Was kann man anderes bitten in der derzeitigen Situation der Ökumene?

Wir könnten staunen über die Vielfalt des Volkes Gottes, die Vielfalt der Konfessionen und der Glaubensäußerungen. Wir könnten uns vom Konkurrenzdenken befreien, von dem Zwang übereinander zu urteilen und die Augen öffnen für die vielfältigen Wirkungen des Evangeliums.

Wir könnten dem Gott der Liebe Ehre machen, indem wir die Begegnung und das Gespräch mit den Geschwistern im Glauben suchen und gemeinsam Gottes Liebe weitergeben in Wort und Tat.

Unsere Gemeinden könnten Beispiele werden für die Versöhnung.

Verwandle uns durch deine Gnade.

Gott ist bei uns, wenn wir über alle Konfessionsgrenzen hinweg miteinander Gottesdienst feiern und so in unserer Welt das Evangelium bezeugen.

So haben viele diesen Gottesdienst wohl auch erlebt. Als lebendiges Zeichen von Gottes Gegenwart. Die Liturgie war einfach gehalten, aber reich an Symbolik und Inhalt. Jeder der drei Pfarrer brachte einen Gegenstand und eine damit zusammenhängende Botschaft mit. Pfarrer Aleksander brachte eine Ikone mit, die am Berg Athos entstanden ist. Eine außergewöhnliche Mariendarstellung. Er erklärte uns die besondere Entstehung von Ikonen, nämlich als spirituellen Akt, und die daraus folgende Bedeutung der Ikonen für orthodoxe ChristenInnen.

Pfarrer Markus Beraneks Symbole waren Brot und Wein. Zeichen für Gottes Liebe und Fürsorge – wie es auch im Psalm 23 steht: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Und schließlich unser Pfarrer Christian Brost, der uns einmal mehr die Bibel ans Herz legte. Mit einem Text aus dem Buch Jesaja: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Wenn es uns gelingt, Gottes Wort gehorsam und mit dem Herzen zu hören, dann findet es in unserem Leben Ausdruck. Wie Licht durch ein Fenster fällt, kommt Gott durch die Worte der Bibel in unser menschliches Leben, macht uns nachdenklich, fordert uns heraus und hilft uns leben. Wenn wir in der Bibel lesen, laden uns die Geschichten ein, eigene Erfahrungen mit Gott zu machen.

Die oben schon erwähnten Fürbitten waren ein ganz besonders gestaltetes Element. Wurde doch nach jeder einzelnen Bitte ein Weihrauchkorn auf die glühende Kohle gelegt.

Gemeinsam im Gebet

Alle GottesdienstbesucherInnen waren dann auch dazu eingeladen, ein stilles Gebet zu sprechen und je ein Weihrauchkorn auf eine der Kohlen zu legen. Während der Rauch emporstieg und der Kirchenraum vom ungewohnten Geruch erfüllt wurde, hörten wir Gitarrenmusik – es war eine sehr feierliche und dennoch persönliche Stimmung. Das daran anschließend gemeinsam gebetete Vaterunser verstärkte noch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Ein Dank an dieser Stelle den beiden GitarristInnen, Karin Brost und Manfred Plattner. Der wunderschön gestaltete, erstmalig in dieser Dreiheit gefeierte Gottesdienst klang noch bei der Agape im Gemeindesaal nach.

Irmi Lenius

 

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