Zum Jahreswechsel

Seitdem ich mich erinnern kann, üben die ersten Tage im Jänner eine eigene Faszination auf mich aus: Ganz plötzlich und ohne Vorwarnung ist es vorbei mit der malerischen Feiertagsstimmung. Weihnachten liegt hinter uns. Die letzten Kekse sind verputzt, die adventliche Straßenbeleuchtung wird abmontiert und Christbaumleichen türmen sich auf den Mistplätzen. An die Feierlichkeiten in der Silvesternacht erinnern dort und da noch herumliegende Reste von Böllern und Raketen und mit leeren Sektflaschen gefüllte Altglascontainer.

Die Welt wacht auf – aus einem Traum aus Punschgeruch und Familien-idylle – und steht plötzlich wieder ganz am Anfang. Das neue Jahr ist da. Neustart. Von vorne beginnen.

Als Schüler war der Jänner für mich die Zeit im Jahr, in der ich die größten Motivationsprobleme hatte. Ferien vorbei, viel zu tun und weit und breit keine neuen Feiertage in Sicht. Ein schöner Start ins neue Jahr…

Kraft schöpfen für das Neue

Die Schulzeit habe ich heute schon einige Zeit hinter mir gelassen. Und trotzdem stelle ich mir jedes Jahr von neuem die Frage: Was gibt mir eigentlich die Kraft, ein neues Jahr zu begehen? Was kann uns Menschen dazu motivieren, mit Lust und Freude ein neues Jahr zu beginnen?

Ein neues Jahr beginnt für niemanden von uns bei null. Wir stehen am Jahresanfang nicht leer da – sondern wir haben all die Erfahrungen und Erlebnisse des Vorjahres im Rücken; mit all dem Freud und Leid, dem Schönen und Traurigen, das uns in den letzten 12 Monaten widerfahren ist.

War das vergangene Jahr voll von Erfolgserlebnissen, spannenden Begegnungen und guten Erfahrungen, dann wird die Vorfreude auf ein weiteres „gutes Jahr“ nicht schwer zu finden sein.

Was aber, wenn mein letztes Jahr nicht gut gelaufen ist? Was, wenn ich vor allem auf schwere

Zeiten zurückblicke – auf Schicksalsschläge, auf schmerzliche Erfahrungen mit Trauer, Krankheit oder persönlichen Niederlagen? Was, wenn die vergangene Zeit mich belastet und mir Kraft geraubt hat? Was, wenn ich mich für einen schwungvollen Jahresbeginn schlichtweg zu schwach fühle?

Begleitung durchs Jahr

Wie für jedes Jahr, gibt es auch für 2012 eine Jahreslosung, einen Bibelspruch, der uns durch die kommenden 12 Monate begleitet. Im 2. Brief an die Korinther 12,9 steht: „Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Diese Zusage Jesu darf und will uns vor allem am Beginn des neuen Jahres Zuversicht schenken; die Zuversicht, dass wir nicht alleine in das Jahr 2012 gehen müssen; die Zuversicht, dass auch heuer immer einer an unserer Seite sein wird. Gott, der uns von Anfang unseres Lebens an begleitet hat, sagt uns seine Begleitung auch für die kommende Zeit zu.

Jetzt, heute, und an jedem Tag sagt Gott damit zu uns: „Du darfst schwach sein. Du darfst dazu stehen, dass die vergangene Zeit schwer für dich war. Und ich will dir eine Stütze sein bei allem, was auf dich zukommt.“

Gemeinsam mit Gott ein neues Jahr beginnen – das ist die Einladung, die für jede und jeden von uns gilt. Ob gestärkt von guten Lebenserfahrungen oder geschwächt von schweren Zeiten.

Ich wünsche uns allen, dass dieser Gedanke uns im Jahr 2012 begleitet und uns dabei hilft, zwischen leeren Keksdosen und eingepacktem Weihnachtsschmuck mit Mut und Freude auf die vor uns liegende Zeit zu blicken.

Ihr Vikar
Bernhard Petri-Hasenöhrl

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