Unsere Irlandreise – ein Blick in ein fremdes Land

Möge Gott auf dem Weg, den du vor dir hast, vor dir hergehen.

Es ist schon etwas Besonderes, mit der Evangelischen Pfarre Stockerau auf Reise zu gehen. So geschehen im September. Eine gemischte Gruppe von Verschiedengläubigen, Gemeindegliedern und Gästen, begab sich auf eine Reise nach Irland. Ich persönlich bin noch nie so unvorbereitet in ein mir fremdes Land gefahren. Nicht einmal einen Reiseführer – in Buchform – hatte ich mir besorgt. Denn Reiseführer hatten wir gleich mehrere: erstens Martin Lauermann, der für alles Organisatorische verantwortlich war, Pfarrer Christian Brost als theologisch-seelsorglichen Leiter und schließlich John, ein Ire mit großer Kenntnis und Liebe zu seinem Land, als eigentlichen Reiseleiter vor Ort.

Das folgende, bunte Bild ergab sich aus Rückmeldungen der Reiseteilnehmer und eigenen Eindrücken.

Es herrschte immer ein harmonisches Klima, das von den Reiseleitern verbreitet wurde. Täglich wurden uns Segenswünsche zu Gehör gebracht. Sie waren die seelsorgerlichen Ingredienzien, die uns wie ein roter Faden begleiteten. Von diesen Wünschen sind hier nur Fragmente möglich, aber wichtig.

Gott sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Die Liebe der Menschen umgebe dich, ihre Freundlichkeit und kein Streit.

Die Segenswünsche beeinflussen den Blick, den man auf dieses Land hat. Es ist ein armes und gleichzeitig reiches Land. Es ist arm, wenn man an die derzeitige wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Lage denkt. Die Bevölkerung hat wenig Einfluss auf diese, die ganze Welt betreffende Krise. Es ist aber auch reich.

Reich an Menschenwürde, was uns beim Besuch der Schaffarm die Frau des Schäfers und später auch die Torfstecherin bestätigte. Die Schäferin hat einen Bürojob in Holland an den Nagel gehängt, lebt nun mit ihrem irischen Mann und drei Kindern in den Bergen von Kerry im Südwesten Irlands. Die Torfstecherin, mit norddeutschen Wurzeln, lebt als Bäuerin in den Midlands. In Irland ist es möglich einen individuellen Lebensstil zu führen, ohne angefeindet zu werden. Die Iren sind ein freundliches Volk.

Segen sei mit dir, der Segen des strahlenden Lichts.
Lauf nur, mein Schaf! Und Gott behüte dich.

2 Millionen Schafe leben auf der grünen Insel. Und sie ist wirklich grün. Weiden, Wiesen – wohin man blickt. Kaum Wald, der wird kleinweise aufgeforstet. Wenn man, so wie wir, mit dem Bus durch das Land fährt, kann man in diese Landschaft eintauchen, ja man hat sogar das Gefühl, mit der Natur eins zu werden. Jede Nacht in einem anderen Hotel – und Fahrtstrecken bis zu 2 Stunden. Da sieht man tatsächlich viel – auch abseits der Programmpunkte mit Führungen. Reines Weideland mit unzähligen Kühen und Schafen. Torflandschaft – unwegsam und mystisch. Berge, die sogar alpinen Pflanzen das Gedeihen erlauben, weil der Kalkstein sich aufwärmt und diese Wärme abgibt. Flüsse, die alte Verkehrswege darstellen und auch heute noch große Anziehungskraft haben. Am Shannon liegt das Freilichtmuseum beim Bunratty Castle. Eindrucksvoll die getreuen Rekonstruktionen des irischen Landlebens vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Nordwestlich davon besuchten wir die Klippen von Moher. Ein Naturschauspiel ohne Gleichen. Das nach Westen flach abfallende Land erhebt sich auf einer Länge von 8 Kilometern zu einer mehr als 200 Meter hohen Steilküste. In deren Felsen aus Schiefer und Sandstein trotzen seltene Seevögel der Kraft der Gezeiten, von Wind und Wetter.

Ich erhebe mich durch eine gewaltige Kraft, durch die Anrufung des dreieinigen Gottes.

Das Land ist überreich an Geschichte. Viel Wissen von John, aber auch die fachliche Kompetenz von Ernst Lauermann waren uns da hilfreich, nicht den Überblick zu verlieren. Die bewegte Vergangenheit hinterlässt vielfältige Spuren. Wie der Poulnabrone Dolmen – vergleichbar mit Hügelgräbern in Niederösterreich – aus der Zeit 2000 – 2500 v.Ch., oder Clonmacnoise, 545 vom hl. Ciaran als Kloster gegründet, das auch am Shannon liegt. An diesem Ort scheint das frühe Christentum seine Kraft bis heute nicht verloren zu haben. Obwohl nur mehr Ruinen, beeindruckende Hochkreuze und Gräber übrig sind, ist diese Kraft spürbar, die Toleranz, Offenheit und Respekt ausstrahlt. Respekt davor, was Gott und der Mensch geschaffen haben.

Eine Frau, die ihr Herdfeuer entzündet, spricht: ich zünde heute morgen mein Feuer an in der Gegenwart der heiligen Engel. Ich zünde es an ohne böse Gedanken, ohne Neid, ohne Eifersucht, ohne Furcht, mit dem Wunsch, Gottes Sonne möge mich schützen. Gott, zünde du innen in meinem Herzen die Flamme an.

Unter Gottes Segen zu stehen ist irisches Selbstverständnis. Alle auch noch so alltäglichen Handlungen werden in die wohlwollende Einheit mit Gott gelegt. Jede Begrüßung hat einen Segenswunsch für den anderen zum Inhalt.

Etwas Besonderes war der Besuch der alten Whiskey-Brennerei Old-Midleton. Dort befindet sich die größte Brennblase mit einem Fassungsvermögen von mehr als 1362 Hektoliter. Obwohl wir alle gekostet und viele Flaschen mit nach Hause genommen haben – es gibt in Irland noch jede Menge guten Whiskey.

Wer den Tag des Herrn achtet, möge Lohn empfangen. Ruhe möge er finden, Freude und Zuversicht, vom Untergang der Sonne bis zu ihrem Aufgang.

Auch die schönste Reise geht zu Ende. Den würdigen Abschluss feierten wir in der evangelischen Kirche in Dublin mit einem Abendmahlsgottesdienst.

Der rote Faden in Form der Segenswünsche tut früher oder später seine Wirkung. Die innere Haltung, der diese Segenswünsche entspringen erschließt sich, wenn man das Büchlein mit Segenswünschen, das jede Reiseteilnehmerin und -teilnehmer am Ende des Gottesdienstes bekommen hat aufmerksam liest. Oder, wenn man 5 Tage mit offenen Ohren und Augen durch dieses schöne Land reist. Es ist die Haltung der Demut vor Gott und seiner Schöpfung. Demut, aus der Dankbarkeit erwächst für das Leben und allem was dazu gehört. Wenn man so ein fremdes Land kennenlernen kann, ist es nicht verwunderlich, dass der Blick auf eben dieses Land, mit seinen Menschen und seiner ihm eigenen Natur und Geschichte ein liebender wird.

Im Namen der Gruppe danke ich dem Organisationsteam für ihre liebevolle Vorbereitung und Durchführung dieser Reise und allen ReiseteilnehmerInnen für ihr unkompliziertes und freundschaftliches Miteinander.

Möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Irmi Lenius

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