Krankenhausseelsorge

Meine Teilnahme am Lehrgang Evangelische Krankenhausseelsorge für Ehrenamtliche

 

Im Juni 2010 begann der einjährige Lehrgang für evangelische Krankenhausseelsorge, organisiert von der Evangelischen Superintendentur Wien unter der engagierten Leitung von Pfarrerin Claudia Schröder. Ich hatte mich dort angemeldet, weil ich nach zwei Jahren Tätigkeit im Besuchsdienst im Krankenhaus Stockerau mit den Patienten einfach besser ins Gespräch kommen wollte und mir tiefergehende Gespräche, auch über den christlichen Glauben, wünschte. Ich wollte durch den Kurs die Rolle des Seelsorgers besser verstehen und lernen, wie man Patienten seelsorgerlich begegnen kann. Jedes Tages- bzw. Wochenendseminar – insgesamt waren es neun Termine – fand zu einem bestimmten Thema statt und wurde von verschiedenen Referenten, die alle als Seelsorger tätig sind, geleitet. In unserer Gruppe waren 14 Teilnehmer aus Wien und NÖ, eine bunt gemischte Runde jeden Alters, vom Studenten bis zur Pensionistin.

Selbstreflexion und Kommunikation

Das erste Thema widmete sich der Wahrnehmung der persönlichen Glaubenserfahrungen, sozusagen, um unser persönliches Glaubensfundament zu beschreiben. Wir stellten uns die Frage: Was und woran glaube ich, wie sieht mein Gottesbild aus?

Ein weiterer Schwerpunkt war die Gesprächsführung. Wir merkten in den zahlreichen praktischen Übungen, dass es kein Patentrezept geben kann, vielmehr entwickeln sich die Patienten-Gespräche ganz natürlich und meist immer anders. Es zeigte sich aber, dass es wichtig ist, sein Gegenüber wahrzunehmen, hinzuschauen und gut hinzuhören.

Beim Thema Alt werden – Alt sein erfuhren wir über die Besonderheiten bei Gesprächen mit älteren bzw. dementen Patienten. Hier lernten wir, dass es nicht darauf ankommt, ob die Patienten alles so richtig erzählen. Vielmehr braucht es eine wertschätzende Grundhaltung und Verständnis dafür, dass jemand Angst hat oder immer wieder dasselbe sagt.

Richtiger Umgang mit Krankheit

Ein sehr emotionsgeladenes und persönliches Thema war der Umgang mit Krankheit, Tod und Trauer. Hier standen unsere eigenen Erfahrungen im Mittelpunkt und es ging darum, sie zu verarbeiten, anzunehmen. Mit Farbe und Pinsel malten wir ein Bild von unserer Trauer. In der Gruppe sammelten wir Trostworte und Dinge die gut tun. Dies zeigte mir, dass ich nicht hilflos gegenüber stehen muss, sondern mich neben die Trauernden stellen kann. Und ehrlich gesagt, lernte ich auch, bei Trauer nicht wegzuschauen. In unserer bunten und lauten Konsumwelt ist dafür oft kein Platz mehr.

Die Rolle des Seelsorgers

Interessant war es, sich in einem weiteren Programmpunkt mit der Rolle des Seelsorgers näher zu befassen. Als Krankenhausseelsorgerin sehe ich mich als aufmerksame Begleiterin von Patienten, die Angebote für tröstende oder auch herausfordernde Gespräche bietet. Und es gibt klare Grenzen der Rolle, denn Seelsorger sind keine Therapeuten oder Sozialarbeiter.

Für mich war der Lehrgang auch deshalb so hilfreich, weil wir unsere Patientengespräche in der Gruppe, begleitet von einer Psychologin, durchsprechen und durchdenken konnten.

Mit einem feierlichen Sendungsgottesdienst in der Kapelle des Wiener AKH schloss der Kurs ab. In unserem selbstgestalteten Gottesdienst unter dem Motto „Du bist mehr“ wurden wir als Krankenhaus-Seelsorger gesegnet und in unsere jeweiligen Wirkungsgebiete geschickt. Ich möchte meine Arbeit im Krankenhaus Stockerau fortsetzen und dort gemeinsam mit Irmi Lenius, die den Lehrgang im Jahr zuvor bereits absolviert hat, Patienten besuchen.

Juliane Kerschl

Weitere Informationen finden Sie unter http://krankenhausseelsorge.evang.at

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