Geistliches Wort

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (1 Timotheus 1,7)

Nachdem die erste Jahreshälfte ganz im Zeichen der künstlerischen Ausgestaltung unserer frisch renovierten Lutherkirche stand, steht der Herbst im Zeichen der Wahl.

Nach sechs Jahren Amtsperiode werden im Oktober Gemeindevertretung und Presbyterium neu gewählt. Grund genug, kurz innezuhalten und jenen Frauen und Männern Danke zu sagen, die in diesem Zeitraum unsere Gemeinde geleitet und durch ihre engagierte Mitarbeit jenen Lebensraum geschaffen haben, in den wir allenthalben einladen.

Miteinander Leben gestalten

Als ich vor sieben Jahren – aus Franken kommend – zum Pfarrer der Evangelischen im Weinviertel gewählt wurde, habe ich zunächst nicht schlecht gestaunt über das Maß an Engagement und Selbstbewusstsein der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in unserer (ich bin mittlerweile Pfarrer der evangelischen Kirche in Österreich geworden!) österreichischen Kirche.

Hier ist wohl, ausgelöst durch die schwere Zeit des Geheimprotestantismus, im Lauf der Jahrhunderte ein echtes Priestertum aller Gläubigen gewachsen. Das heißt, die Gläubigen starren nicht wie gebannt auf die Kirchenleitung oder den Pfarrer, um Weisung zu erhalten, sondern nehmen das Geschick ihres Miteinanders selbst in die Hand. Natürlich leisten Pfarrer und Kurator durch die Funktion der Leitung ihren Beitrag, aber einen Lebensraum zu eröffnen, in dem andere sich wohl fühlen und den sie gerne aufsuchen, das schaffen die beiden alleine nicht…

Wie gut, dass wir alle zusammenstehen und zusammenarbeiten – Presbyterium, Gemeindevertretung und die vielen MitarbeiterInnen und HelferInnen, die ihren Beitrag leisten, oft ganz still und ohne im Rampenlicht zu stehen.

Viele leisten ihren Beitrag

Apropos ‚Beitrag’. Schon lange ist es mir ein Bedürfnis, an dieser Stelle einmal allen Gemeindegliedern herzlich zu danken, die klaglos und ganz selbstverständlich ihren Kirchenbeitrag zahlen und auf diese Weise zum Gelingen und dem Wohlergehen unserer Pfarrgemeinde beitragen!

Wer die Arbeit in der Gemeinde aufmerksam verfolgt hat, weiß, was durch das Engagement vieler in den letzten Jahren gewachsen ist. Dass dies auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, ist bei unserem Straßenfest anlässlich der ‚Einweihung’ unserer Lutherkirche deutlich geworden. Viele Gäste haben gestaunt und sich mit uns über unser Gotteshaus gefreut.

Gestalten Sie in Zukunft mit!

Nun geht es in die Zukunft, und ich bin gespannt, welche Herausforderungen in den nächsten Jahren auf uns warten und freue mich auf das neue Team von Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern, das im Oktober gewählt wird. Nach allen Gottesdiensten in allen Predigtstationen kann im Oktober gewählt werden. Damit verbunden meine Bitte als Pfarrer: Gehen Sie zur Wahl und geben Sie den Frauen und Männern ihre Stimme und ermutigen Sie sie auf diese Weise zum Engagement für unsere Pfarrgemeinde.

Mit einem wunderbaren kleinen Text von Albert Schweitzer wünsche ich Ihnen einen erfreulichen Herbst,

Ihr Pfarrer Christian Brost

Schafft euch ein Nebenamt, ein unscheinbares, womöglich ein geheimes Nebenamt. Tut die Augen auf und sucht, wo ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Fürsorge braucht, Vielleicht ist es ein Einsamer, ein Verbitterter, ein Kranker, ein Ungeschickter, dem du etwas sein kannst. Vielleicht ist’s ein Greis, vielleicht ein Kind.

Wer kann die Verwendungen alle aufzählen, die das kostbare Betriebskapital, Mensch genannt, haben kann! An ihm fehlt es an allen Ecken und Enden. Darum suche, ob sich nicht eine Anlage für dein Menschentum findet. Lass dich nicht abschrecken, wenn du warten oder experimentieren musst. Auch auf Enttäuschungen sei gefasst. Aber lass dir ein Nebenamt, in dem du dich als Mensch an Menschen ausgibst, nicht entgehen. Es ist dir eines bestimmt, wenn du nur richtig willst.

Albert Schweitzer

Dieser Beitrag wurde unter Geistliches Wort veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.