Seewasser, Regenwasser und Feuerwasser – Die Chorreise nach Attersee

Chorproben finden ja normalerweise am Montag statt. Der 5. August fiel heuer zwar auf einen Freitag, aber trotzdem wurde fleißig geprobt – allerdings nicht, wie gewohnt, im Gemeindesaal in Stockerau, sondern in einem Seminarraum mit Seeblick in der Ortschaft Attersee am Attersee.

Die Probe war der erste Programmpunkt der diesjährigen Chorreise, die uns ins Salzkammergut führte. Mir persönlich ist die Gegend sehr vertraut, weil ich ganz in der Nähe des Attersees aufgewachsen bin. Das Mitsingen in diesem Chor allerdings war für mich eine Premiere. Dass man in der Stockerauer Kantorei nicht nur arbeitet, sondern auch genießt, merkte ich dann gleich am Abend im Hotelrestaurant.

Schifffahrt und Würfelspiel

Wie es sich für einen richtigen Chor gehört, begann der Samstag wieder so, wie der Freitag aufgehört hatte: mit einer Chorprobe. Anschließend stand bei herrlichem Wetter die Fahrt mit einem Atterseeschiff auf dem Programm. Zwischenstopp war in Seewalchen, wo nach dem Mittagessen ein Teil der Gruppe an der Seepromenade und im Park von Schloss Kammer spazierte. Einige andere warfen sich in die Fluten des türkisblauen Attersees.

Am Abend fuhren wir dann alle gemeinsam nach Frankenburg, um dort eine Aufführung des „Frankenburger Würfelspiels“ anzuschauen, nicht ohne uns vorher mit köstlichen regionalen Spezialitäten gestärkt zu haben. Das Würfelspiel ist ein historisches Volksschauspiel, das eine wahre Geschichte aus der Zeit des Bauernkrieges zum Inhalt hat. Im Jahr 1625 kam es in Frankenburg zum bewaffneten Aufstand der evangelischen Bürger und Bauern, weil ihnen ein römisch-katholischer Pfarrer vorgesetzt wurde. Die 36 Anführer der Rebellion wurden vom Statthalter zuerst zum Tode verurteilt, die Hälfte von ihnen wieder begnadigt, wozu sie aber paarweise um ihr Leben würfeln mussten. Dieses grausame Ereignis wird von etwa 400 Laienschauspielern in einer beeindruckenden Inszenierung auf einer Naturfreilichtbühne dargestellt. Wie beeindruckend die Natur sein kann, erlebten wir kurz vor dem Höhepunkt des Stückes. Noch bevor auf der Bühne die ersten Würfel gefallen waren, fielen auf uns Zuschauer schwere Regentropfen. Innerhalb kürzester Zeit waren wir von einem starken Gewitterregen bis auf die Haut durchnässt und begaben uns fluchtartig zurück ins Hotel.

Gottesdienst, evangelisches Museum und Grillfest

Am nächsten Morgen fanden wir uns alle wieder gesund und trocken in der evangelischen Kirche von Attersee ein. Unsere drei mitgereisten LektorInnen und Chormitglieder Uta Vogel, Irmi Lenius und Andreas Andel feierten einen sehr stimmigen Sonntags-gottesdienst mit der Gemeinde und dem Chor. Beim anschließenden Gemeindekaffee wurden wir von der Atterseer Gemeinde verwöhnt.

Der Sonntagnachmittag war einem Besuch im Evangelischen Museum von Rutzenmoos gewidmet. Dort konnten wir uns auf sehr interessante Weise mit der Geschichte der Reformation mit Schwerpunkt Oberösterreich beschäftigen.

Anschließend waren wir alle von Uta Vogel in ihr Haus am Attersee eingeladen. Bei der Ankunft fanden wir unseren Kurator in einer ungewohnten Rolle vor: Er saß am Grill und drehte stundenlang einen Spieß mit Hendln, die dann auch vorzüglich schmeckten. Dank Gerts Geduld und Utas Gastfreundschaft wurde dieser Abend ein weiterer Höhepunkt der Reise.

Ausklang in Vöcklabruck

Am nächsten Morgen, dem 8. August, war es leider schon Zeit zum Packen. Nach dem Frühstück und der Chorprobe ging es Richtung Osten, wobei wir noch einen Zwischenstopp in Vöcklabruck einlegten, um uns die dortige evangelische Kirche anzuschauen. Wir wurden auch hier sehr gastfreundlich empfangen und erfuhren vieles über die Kirche und die Gemeinde.

Mein Einstieg in den Chor war also gleich ein ganz besonders schönes Erlebnis. Ich freue mich auf die nächsten Proben und Aufführungen im Herbst, auch wenn sie wieder in der üblichen Umgebung in Stockerau stattfinden!

Christine Andel

 

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