Das wird ein Fest sein – das war ein Fest!

Es ist Sonntagnachmittag, 19. Juni 2011. Da sitze ich nun vor meinem PC und bin noch wie betrunken von den vielen Eindrücken dieses Wochenendes. Wir haben die Einweihung unserer neu renovierten Lutherkirche gefeiert.

Ein kräftiges Lebenszeichen

Am Samstag mit großem Kin­der­pro­gramm, wie Balancieren am Seil, Kistenklettern, Buttonsmachen, Taschenbemalen, Schminken und einer Luftburg – und für die Er­wach­senen mit Darbietungen von verschiedenen Musikformationen, aber auch Kirchenführungen und einer Tombola. Ich habe bestimmt jetzt etwas vergessen. Es war so viel los. Die halbe Manhartstrasse war gesperrt, Festzelt und alle Kinderstationen hatten da auf der Strasse Platz. Es war das kräftigste Lebenszeichen unserer evangelischen Gemeinde, das ich in den letzten 4 Jahren hier erlebt habe. Und das sollte auch so sein. Die neu gestaltete Kirche war Anlass, auch unsere bunte, offene, lebhafte und wachsende Pfarrgemeinde einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Wandlungsfähigkeit und Spontaneität

Der Festgottesdienst in der Kir­che am Sonntag sollte den Höhe­punkt darstellen. Aber neben Mega­kinderprogramm, wirklich guter Musik und delikatem Essen gab es für mich auch schon am Samstag einen Höhepunkt. Die Lutherkirche selbst sorgte für eine Über­ra­schung. Oder war es das plötzliche Re­gen­wetter? Je­den­falls sammel­ten sich am Sams­tag­ Abend im­mer mehr Men­schen im neuen Kir­­chenraum – drauß­en war es ungemütlich feucht geworden. Schnell waren die Sessel zur Seite gestapelt, in der Mitte ein Sandbett mit Kerzen aufgestellt und ein paar Sitzpolster im Kreis aufgelegt. Und dann wurde einfach gesungen, alles, was den Gitarristen so einfiel und wo dann auch die versammelte Schar teilweise mehrstimmig mitsang.

Für mich persönlich war das der schönste Moment die­ses Wo­chen­endes. Die Wandlungs­fä­hig­keit unseres Kirchenraumes und die Spontaneität unserer Gemeindeglieder waren da hör- und sichtbar. Ich denke, nicht nur ich ging am Samstag trotz des Regens mit glücklichem Herzen nach Hause.

Der Festgottesdienst

Am Sonntag dann endlich der Fest­gottesdienst. Großer Einzug der Presbyter, aller Liturgen und von Superintendent Paul Weiland, der auch die Einweihung von Altar, Kanzel und Taufbecken vornahm. Jede Weihehandlung wurde von einem Bibelvers begleitet. Mit diesen Worten beschloss der Super­intendent die liturgische Handlung: Wir haben Gottes Wort gehört und zu ihm gebetet. So ist nun die Lu­ther­kirche in Stockerau wieder dem Dienst Gottes geweiht. Sende deinen heiligen Geist herab, sei hier gegenwärtig und stärke alle durch dein Wort und dein Sakrament. Im Namen + des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Von der Predigt unseres Pfarrers möchte ich Sätze herausgreifen, die ich unserer Gemeinde gerne ins Stammbuch schreiben würde:

Es ist wichtig, dass wir als evangelische Christen die Erinnerung an die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes wach halten und den Dialog mit dem Judentum suchen.

Auf einem der Banner in unserem Minimuseum im Vorraum der Kir­che ist Folgendes zu lesen: „Jede ehrliche und ernsthafte Begegnung löst bei mir und dem anderen etwas aus. Es ist gut, sich durch Dialog und Freundschaft zu verändern.“ Das gibt sehr gut unsere Sicht der Dinge wieder.

Mehr und mehr sollte auch der Islam in diesen Dialog der abrahamitischen Buchreligionen einbezogen werden …

Wir können unser Christsein nicht am Judentum vorbei leben, ohne unsere eigenen religiösen Quellen dabei zu verschütten.

Nicht zuletzt der bekannt bunten musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes mit Orgel, unserem Gitarren-Flöten-Ensemble, einem erstklassigem Bläserensemble unter der Leitung von Musikschuldirektor GezaVörösmarty und der brillant singenden Stockerauer Kantorei unter der Leitung von Susanne Berecz ist es zu verdanken, dass der Gottesdienst nach fast zwei Stunden fröhlich zu Ende ging. Natürlich nicht ohne Festansprachen. Auch da greife ich heraus, was mich beeindruckt hat.

Unser Lebensraum

Unser offenes Engagement für ein Gottesbild der bedingungslosen Liebe, für Solidarität und gelebte Nächstenliebe; unsere Offenheit allen Menschen gegenüber, egal welcher Religionszugehörigkeit, welcher sexuellen Orientierung oder welcher Nationalität – all das wird wahrgenommen und geschätzt. Da, wo Politik nichts ausrichten kann, weil einfach Menschlichkeit gefordert ist, sind Lebensräume, wie der, den wir bieten wollen, notwendig.

Wünsche für die Zukunft

Presbyter und Architekt Friedrich Kuchler wünscht sich zu seinem kommenden runden Geburtstag die Gleichenfeier des neu zu bauenden Gemeindesaals. Möge das Projekt Lebensraum, das hiermit die Phase 1 abschließt, auch weiterhin unter Gottes Segen stehen.

Wir haben natürlich bei Speis’ und Trank noch gefeiert – auch die Sonne hat sich blicken lassen.

Allen – und das waren viele –, die zum Gelingen dieses Festes und zur Neugestaltung der Lutherkirche etwas beigetragen haben, sei gedankt.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühsam und beladen seid. Ich will euch erquicken! Unter diesem Motto soll unsere Lutherkirche auch in Zukunft Ort des Gebetes und Ort der Begegnung gleichermaßen sein.

Irmi Lenius

DAS WIRD EIN FEST SEIN

Wenn Gott uns heimführt aus den Tagen der Wanderschaft,
uns heimbringt aus der Dämmerung
in sein beglückendes Licht,
das wird ein Fest sein!

Da wird unser Staunen von neuem beginnen.
Wir werden Lieder singen,
Lieder, die Welt und Geschichte umfassen.
Wir werden singen, tanzen und fröhlich sein:
denn er führt uns heim:
Aus dem Hasten in den Frieden,
aus der Armut in die Fülle.

Wenn Gott uns heimbringt aus den engen Räumen,
das wird ein Fest sein!
Und die Zweifler werden bekennen: Ihr Gott tut Wunder!
Er macht die Nacht zum hellen Tag; er lässt die Wüsteblühen!

Wenn Gott uns heimbringt aus den schlaflosen Nächten,
aus den fruchtlosen Reden, aus den verlorenen Stunden,
aus der Jagd nach dem Geld, aus der Angst vor dem Tod,
aus dem Kampf, aus der Gier,
das wird ein Fest sein!

Wenn Gott uns heimbringt, das wird ein Fest sein!
Wir werden einander umarmen und zärtlich sein.
Es werden lachen nach Jahren der Armut, die Hunger gelitten.
Es werden singen nach langen unfreien Nächten,
die von Mächten Gequälten.
Es werden tanzen die Gerechten,
die auf Erden kämpften und litten für eine bessere Welt.

Das wird ein Fest sein. – Ein Fest ohne Ende!

(Martin Gutl)

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