Meine Entdeckungsreise zum evangelischen Glauben

Als spiritueller Mensch, der allerdings vor vielen Jahren die römisch katholische Kirche verlassen hatte, besuchte ich mit großem Interesse die beiden Vortragsabende am 22.3. und 7.4.2011 unter dem Titel „Evangelische Entdeckungsreise“. Ich war sehr erstaunt über die hohe Anzahl an Besuchern, waren doch an beiden Abenden jeweils 25 „Neugierige“ anwesend.

Den ersten Vortragsabend hielt Vikar Bernhard Petri-Hasenöhrl, der uns, ausgehend von Luthers Thesenveröffentlichung 1517, die spannende Geschichte der Refor­mation näher brachte. Kaum zu glauben, dass Luthers Erkenntnisse damals etwa zwei Drittel aller Öster­­reicher veranlassten, die rö­misch-katholische Kirche zu verlassen und evangelisch zu werden.

Nach der dramatischen Zeit der Gegen­reformation und des 200 Jahre währenden Verbotes des evangelischen Glaubens brachte erst das Toleranzpatent Kaiser Josephs II. die Duldung der Protestanten und die Erlaubnis Bethäuser zu errichten.

Erstmals erfuhr ich, dass Luther erkannte, dass allein durch die Liebe und Gnade Gottes alle Menschen frei von Schuld und vor Gott gerechtfertigt sind. Was für ein herrlicher und befreiender Gedanke!

Am zweiten Abend, den Pfarrer Christian Brost und der Vikar ge­mein­sam gestalteten, verstand ich den Unterschied im Amts­ver­ständ­nis zwischen der evangelischen und der römisch- katholischen Kirche erstmals wirklich. Während in der römisch- katholischen Kirche, vom Papst ausgehend, einzig und allein den Bischöfen Lehr- und Lei­tungsvollmacht zu eigen ist, gibt es in der evangelischen Kirche das „Priestertum aller Gläubigen“. Wie schön, dass alle Gläubigen, Frauen wie Männer, kirchliche Ämter bekleiden dürfen. Obendrein wird die Gemeindeleitung demokratisch gewählt.

Ein weiterer großer Unterschied besteht auch in der Auffassung der Abendmahlseinsetzung. Während in der katholischen Kirche durch die Worte des geweihten Priesters die „Wandlung“ vollzogen wird, spielt in der evangelischen Kirche der persönlicher Glaube dafür eine entscheidende Rolle.

Für mich war es übrigens ein besonders schönes Erlebnis, als ich, obwohl ich formal „ohne Bekennt­nis“ bin, bei meinem ersten Got­tes­­dienstbesuch in Stockerau, an der Abendmahlsfeier teilnehmen durfte. Sehr berührt hat mich dabei das Gemeinschaftserlebnis dieser Zeremonie.

Alles, was ich bis jetzt erfahren und hören durfte, ließ in mir den Wunsch entstehen, auch selber dieser Gemeinschaft anzugehören.

Hannes Petak

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