Ein feste Burg – einmal ganz anders

Im Zentrum des von Pfarrer, Vik­ar und LektorInnen gestalteten Re­for­­ma­ti­ons-Gottesdienstes stand dies­mal das Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Musikalisch umrahmt wurde dieser besondere Gottesdienst von einem Saxo­phon­quartett der Musikschule Holla­brunn unter der Leitung von Monika Scherer.

Ein Lied für eine Notzeit

Das Lied aus der Feder Martin Luthers, für das der Reformator auch die Melodie geschrieben hat, entstand nicht als Jubiläumslied, sondern als Lied für eine Notzeit. Luther, der die ersten, turbulenten und kämpferischen Jahre der Reformation hinter sich hatte, litt unter Nierensteinen, sein ältester Sohn war sterbenskrank und die Pest kam nach Wittenberg. In solchen Zeiten wünscht man sich Gottes Schutz und Geborgenheit. Luther hatte diesen Schutz wohl auch in Gestalt einer festen Burg in Zeiten der Verfolgung auf der Wartburg erlebt.

Die Predigt war dreigeteilt und wurde von drei verschiedenen Predigern (Christian Brost, Irmi Lenius, Bernhard Petri-Hasenöhrl) gehalten:

1. Strophe

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der altböse Feind, mit Ernst er´s jetzt meint; groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Dem altbösen Feind in unserem Leben – Egoismus und Lieblosigkeit und Angst – geben auch wir in uns Raum – nicht, weil wir böse sein wollen, sondern weil wir mehr vom Leben haben wollen.

Was hülfe uns?

Würden wir uns wie der verlorene Sohn wieder Richtung Vaterhaus auf den Weg machen und bei Gott Zuflucht suchen, hätte der altböse Feind verloren.

Ich bin doch da, sagt Gott und ich liebe dich noch genauso wie im Mo­ment deiner Empfängnis.

2. Strophe

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren. Es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesu Christ. Der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.

„Fragst du, wer der ist?“ Das heißt auch so viel wie: „Was ist dir wichtig an Jesus?“ oder: „Was von seiner Botschaft trägt dich, hilft dir – auch in deinem alltäglichen Leben?“

Hier im Gottesdienst, im Gebet zu Hause und in der Stille – wo auch immer – können wir dieser Frage in uns Raum geben und so Gott zu Wort kommen lassen.

Da begegnen wir dem, was gut ist und was uns stärkt: Wort Gottes – Jesu Botschaft als Trendsetter für mein Leben.

3. Strophe

Das Wort sie sollen lassen stahn und kein Dank dazu haben. Er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: Lass fahren dahin, sie haben´s kein Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben.

“Paul Richter ist mein Name. Ich bin 48 Jahre alt. Ich bin Pfarrer. Ich bin tot, zumindest so gut wie tot. Ich liege im Krankenrevier des Konzentrationslagers Dachau. Meine Frau habe ich nicht mehr gesehen, seit ich im November 1941 von der Gestapo verhaftet worden bin. Ich bete dafür, dass Gott uns beistehen möge. Dass wir in dieser dunklen Zeit nicht verzweifeln. Dass unser Glaube uns Kraft gebe.“

Ich hoffe nicht, dass wir selbst einmal in so eine schlimme Situation geraten. Aber ich wünsche mir für uns alle, dass unser Glaube sich zumindest im Alltag bewährt. Dass wir an schlechten Tagen nicht vergessen, woran wir eigentlich glauben: dass Gott uns seine Liebe schenkt und dass es Gott am Ende gut mit uns meint.

Das Abendmahl, eingesetzt von Ingrid Oblak, wurde musikalisch begleitet von Saxophonmusik. Ein ganz besonderer Gottesdienst ging zu Ende. Eine bunte Feier für eine bunte Gemeinde, in der sich die unterschiedlichsten Menschen zusammenfinden – um eine Mitte, die größer ist, als es alle Unterschiede sein können.

(Irmi Lenius)

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