Geistliches Wort

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Jahreslosung für 2022 aus dem Johannes-Evangelium, Kap. 6
Emil Nolde: Abendmahl

Wir tun gut daran Jesus immer wieder dort aufzusuchen, wo er war und ist: in einem fremden Land und in einer fremden Zeit, in einem in fremder Sprache redenden Buch oder in Worten, deren Sinn uns kaum mehr zugänglich ist. Aber wer anfängt, zu hören, wer anfängt, hinzusehen, dem stehen die Chancen günstig: Es ist durchaus möglich, zu verstehen, wer Jesus war.

Jörg Zink: Erfahrung mit Gott, S.40 f.

Zu Beginn des neuen Kirchenjahres grüße ich Sie mit dem biblischen Leitvers für das neue Jahr.

Nicht nur zu Zeiten von Corona sehnen wir Menschen uns nach Echtheit, Mitgefühl und einer Wertschätzung durch andere, die nicht an Bedingungen geknüpft ist. Wir brauchen das Gefühl angenommen zu sein und geliebt zu werden, um uns gesund entwickeln zu können. Ich bin überzeugt davon, dass das zu keiner Zeit anders gewesen ist.

In wenigen Wochen feiern wir Weihnachten. Wer mich kennt weiß, wie sehr ich das Fest der Geburt Jesu liebe, wie gerne ich diese Tage feiere, weil mir die Geschichte dieses außergewöhnlichen Menschen ans Herz gewachsen ist. Auch nach 2000 Jahren beschäftigen wir uns noch mit seinem Leben, seinen Taten und Worten, die wegweisend geworden sind für die Entwicklung der Menschheit.

Woher hatte Jesus seine atemberaubende innere Freiheit, seine Barmherzigkeit im Umgang mit anderen Menschen, seinen Mut gegen den Strom zu schwimmen?

Jesu soziale Herkunft war gering und ein wenig anrüchig. Nicht nur von seiner Mutter, sondern auch von seinem Ziehvater Josef erlebt Jesus, was ‚Angenommen-sein‘ heißt und wie wunderbar es ist, bedingungslos geliebt zu werden.

Und er lernt von diesem stillen, frommen Mann, was es heißt sich an Gott zu halten, dessen Wort in Jesu Familie barmherzig ausgelegt wird. Begleitet von einer Handvoll Jüngerinnen und Jünger zieht Jesus später lehrend und heilend durchs Land. Er weist niemanden ab, der zu ihm kommt. Mit den Menschen, die ihm auf seinen Wanderungen begegnen, teilt er Gottes Liebe, von der er selber lebt. Er nimmt die Menschen so, wie sie sind, bringt sie mit Gott in Verbindung und lehrt in einfachen, wunderbaren Bildern, dem Leben und der Liebe zu vertrauen. Dabei schlägt sein Herz besonders für die Ausgegrenzten seiner Zeit, die Menschen am Rande der Gesellschaft, die Armen, die Zöllner und Sünder. Mit ihnen setzt er sich an einen Tisch, bricht das Brot, teilt den Wein und veränderte dadurch Vieles.

Jesus ist überzeugt davon, dass Menschen, deren Seele krank ist, keinen Richter brauchen, sondern einen Arzt. Die Evangelien erzählen davon, dass und wie Menschen unter seiner ‚Behandlung‘ gesunden, seelischen Ballast loswerden und lernen, sich selbst und andere mit anderen Augen zu sehen, sie anzunehmen und mit ihnen Leben zu teilen.

Menschen sehnen sich bis heute nach Echtheit, Mitgefühl und einer Wertschätzung, die nicht an Bedingungen geknüpft ist. Jede und jeder von uns braucht das Gefühl angenommen zu sein und geliebt zu werden.

Teilen wir in diesen schwierigen Zeiten nach Jesu Vorbild mit den Menschen um uns, was wir selber im Glauben erfahren: Nehmen wir einander an, gerade auch die Menschen, die uns das nicht leicht machen, bieten wir ihnen ein offenes Ohr, eine helfende Hand, und leisten wir unseren Beitrag, dass sich ihr Leben entfalten kann.

Ein gutes und gesegnetes Kirchenjahr und ein erfreuliches, Corona-armes Jahr 2022
wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

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Der ideale Platz

„Der ideale Platz“: Unter dieser Überschrift findet sich auf der Titelseite der Stockerauer Stadtzeitung im November ein Foto der Bürgermeisterin Andrea Völkl mit den Pfarrern Christian Brost (evang.) und Robert Rys (kath.), sowie Hodscha Naim Gümüser (islam.) auf dem Friedensplatz vor der Evangelischen Kirche in Stockerau. Jetzt mag mit dem „idealen Platz“ die Stadt Stockerau gemeint sein, dennoch ist die Doppeldeutigkeit genial.

Bürgermeisterin Völkl lud am 18. Oktober die Damen und Herren des Gemeinderats und die Vertreter der drei großen Religionsgemeinschaften in Stockerau zum Friedensgebet. Es freut mich sehr, dass die politischen VertreterInnen der Stadt, allen voran die Bürgermeisterin, den Friedensplatz und die Friedenssäule als wichtiges Zeichen erkannt haben und dazu nutzen, Brücken zu bauen und sich für ein friedliches Zusammenleben in Stockerau einzusetzen. Schließlich ist der Friedensplatz vor unserer Kirche öffentlicher Raum und gehört der Stadt.

Gitarre und Lieder begleiteten an diesem Abend stimmungsvoll die Gebete und Wünsche für den Frieden in der Stadt, zwischen den Religionen und auf der Welt. Alle, die wollten, konnten dann noch einen Friedensmosaikstein auf die Friedenssäule kleben. So wird öffentlich sichtbar, dass Frieden im Kleinen und im Großen für sehr viele Menschen in Stockerau wichtig ist und sie auch bereit sind, ihr „Teilchen“ dazu beizutragen.

Um die Feuerschale standen wir als bunte Schar Stockerauerinnen und Stockerauer an diesem Abend noch länger bei Brot, Saft und Wein und führten gute, vertrauensvolle Gespräche.

Herr, lass Frieden auf der Welt werden und beginne damit bei mir!

Kurator Gert Lauermann

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Das war die Konfirmation 2021

Aufgrund der erfreulich großen Zahl von KonfirmandInnen feierten wir heuer auf zwei Gruppen aufgeteilt deren Konfirmation.

Letzte Ab- und Einstimmung mit den Konfis durch das Konfi-Team
Vielfältige musikalische Begleitung während der beiden Gottesdienste; im Bild: Micha Petri an der Trompete
Pfr. Christian Brost erzählt und deutet das Märchen von „Des Kaisers neue Kleider“.
Kurator Gert Lauermann begrüßt die KonfirmandInnen als nunmehr vollwertige Mitglieder unserer Pfarrgemeinde.
Auch Abendmahl feierten die KonfirmandInnen mit Ihren Familien und Freunden.
Die „Samstag“-Gruppe unserer KonfirmandInnen gemeinsam mit dem Konfi-Team
Die „Sonntag“-Gruppe unserer KonfirmandInnen gemeinsam mit dem Konfi-Team
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Aus dem Presbyterium

Leider gab es bei einem Gewitter im August einen Überspannungsschaden in ca. 150 Haushalten in Stockerau. Auch unsere Kirche war betroffen. Vom Garagentor über die Heizung bis zu Läutwerk und Orgel war alles kaputt. Wie sich nach mühsamen und aufwändigen Reparaturen und entsprechender Kommunikation mit der Versicherung herausstellte, reichte der Versicherungsbetrag nicht aus, um alle Schäden zu begleichen. So kommt es, dass unsere elektronische Orgel bis jetzt noch schweigt und ein neues Gerät angeschafft werden muss. Wir sind gerade dabei, dafür ein Konzept zu erstellen und halten Sie auf dem Laufenden!

Im Herbst fanden trotz Covid-19 wieder zum Teil große Veranstaltungen statt, darunter die Konfirmation (an 2 Terminen), Gemeindecafé und das Kabarett mit Heinz Marecek. Im Dezember wird zu evaluieren sein, ob die Anwendung der 3G-Regel ohne Maskenpflicht weiterhin ausreichend ist. Kleinere Veranstaltungen wie Meditationstreff, Friedensmeditationen und Café Impuls oder die ökumenische Bibelrunde finden seit September wieder statt. Jedenfalls war es eine große Freude, manchmal so etwas wie „Normalität“ erleben zu können und im kirchlichen Rahmen wieder mit Menschen in Beziehung treten zu dürfen.

Freilich ist die Planbarkeit kirchlicher Veranstaltungen durch die Pandemie weiterhin stark eingeschränkt, was z.B. die Weiterentwicklung von Projekten zu Umwelt und Klima beeinträchtigt.

Das Projekt Glockenturm in Hollabrunn kommt voran. Aufgrund der gestiegenen Baukosten und der starken Auslastung handwerklicher Betriebe ist derzeit eine Aktualisierung der Projektplanung im Laufen. Es gilt auch noch, die längst eingereichte Baubewilligung abzuwarten.

Kurator Gert Lauermann

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2022 – Jahr der Schöpfung

Die evangelische Kirche A. und H. hat das neue Kirchenjahr, das mit dem 1. Advent beginnt, zum Jahr der Schöpfung erklärt. Auf der Homepage des Jahres der Schöpfung können Sie sich über das gesamtösterreichische Rahmenprogramm mit allen Veranstaltungen informieren.

Es geht um unsere Zukunft und um die Zukunft unserer Kinder. Es geht um Aufbruch und neue Gewohnheiten, die dem Klima guttun. Wer mit den Augen des Glaubens auf die Natur schaut, sieht eine große Gemeinschaft von Geschöpfen – geschaffen in wunderbarer Balance.

Wir Menschen haben leider die Schöpfung kräftig aus dem Gleichgewicht gebracht. Die evangelische Freiheit ermutigt uns dazu uns dem entgegenzustellen. Das Schöpfungsjahr will Schwung für den Klimaschutz in unserer Kirche bringen und uns bestärken, uns für den Klimaschutz einzusetzen.

Auch wir in Stockerau wollen mutig eigene Schritte machen: Jede/jeder kann bei ihrer/seiner Lebensweise beginnen: Regionalität – Saisonalität – und die grundsätzliche Überlegung, welcher Konsum wirklich notwendig ist. Der Nachhaltigkeitsleitfaden unserer Kirche bietet einen guten Anreiz, unsere unterschiedlichen Lebensbereiche nach ökologischen Gesichtspunkten zu durchleuchten.

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JA zur Zukunft

Wir leben in einer Zeit des Wandels. Wie wir mit der Schöpfung umgehen und wie wir wirtschaften – als Privatpersonen, Pfarrgemeinden, Gemeinschaften oder Kirchen – hat mit unseren grundlegenden Glaubensüberzeugungen zu tun.

Während der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 2013 in Busan wurden Christinnen und Christen und alle Menschen guten Willens überall auf der Welt aufgerufen, sich der gemeinsamen Reise der Gerechtigkeit und des Friedens anzuschließen. Das ökumenische Engagement für Klimagerechtigkeit wurde dabei nachdrücklich bekräftigt. „Ökologische Gemeinden“ und „grüne Kirchen“ sind „Zeichen der Hoffnung“, betonte die Vollversammlung in ihrer Erklärung über den Weg des gerechten Friedens. Weiters wurde auf die Notwendigkeit, eine „Ökonomie des Lebens“ zu schaffen, hingewiesen, um den sozioökonomischen Ungerechtigkeiten entgegenzusteuern: „Eine Ökonomie des Lebens fördert den sorgsamen Umgang mit Ressourcen, die nachhaltige Produktion und den nachhaltigen Verbrauch, ein auf Umverteilung ausgerichtetes Wachstum, die Arbeiterrechte, gerechte Steuern, fairen Handel und die Versorgung aller Menschen mit sauberem Wasser, sauberer Luft und anderen Gemeingütern.“ Den gesamten Wortlaut der Erklärung finden Sie hier.

Der Aufruf gab Anstoß zu Initiativen auf vielen verschiedenen Ebenen in den Mitgliedskirchen und bei ökumenischen PartnerInnen. Die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes forderte in ihrer Schlussbotschaft 2017 die lutherischen Kirchen dazu auf, alternative Wirtschaftsmodelle auf jeder Ebene zu erproben. 

Die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung gehört zu den zentralen Aufgaben der Evangelischen Kirchen in Österreich. Ihr Auftrag ist es Zukunftsverantwortung zu übernehmen und für eine nachhaltige, umwelt- und generationengerechte Politik einzutreten. Nachhaltigkeit bedeutet Einsatz für gerechte Lebensbedingungen und einen schonenden Umgang mit der Natur auf Zukunft hin.

Wir sehen es als unsere Verpflichtung, die Erde auch für nachfolgende Generationen lebenswert zu bewahren. Durch persönliche Konsumentscheidungen und Lebensstile gestalten wir tagtäglich die Welt mit, haben Einfluss darauf, wie sehr wir unsere Umwelt schädigen oder schonen.

Bekenntnis zur Zukunftsfähigkeit

Denkanstöße zu den Themen Energie und Klima, Einkauf, Garten und Ernährung, Lebensdienlich wirtschaften und Vernetzung, die wir in dieser und den nächsten Ausgaben unserer Gemeindenachrichten vorstellen, sind als Wegweiser zur zukunftsfähigen Gemeinde zu verstehen und decken ein möglichst breites Themenspektrum ab. Es geht um die gemeinsame Absicht, einen bewussten, zukunftsfähigen Lebensstil zu praktizieren. 

Energie und Klima

Sparsamer Umgang mit Energie und Material

Wir gehen bewusst, sorgsam und sparsam mit Energie und Material um.

Jeder Verbrauch an Material muss doppelt bezahlt werden – beim Kauf und bei der Müllentsorgung, außerdem benötigt jede Produktion           Energie. Jede Energieverschwendung kostet Geld und schadet dem Klima. Deshalb ist unser Nutzungsverhalten neben sinnvollen Energieeffizienzmaßnahmen von besonderer Wichtigkeit. Oft haben bereits kleine Umstellungen wie doppelseitiger Druck oder schaltbare Mehrfachsteckdosen große Wirkung.

Energiedaten erfassen und Umstieg auf erneuerbare Energien

Wir kontrollieren unseren Verbrauch und setzen uns konsequent für den Umstieg auf erneuerbare Energien ein.

Der Verbrauch fossiler Energie geht auf Kosten des Klimas. Der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern kann nur gelingen, wenn der Heizenergieverbrauch deutlich reduziert und der Stromverbrauch zumindest stabilisiert wird. Dazu ist es nötig, die Verbrauchswerte zu kennen und sich im Weiteren konkrete Einsparungsziele zu setzen. Der Umstieg auf glaubwürdigen Naturstrom ist einfacher als die Umstellung der Heizung.    Bei langfristigen Investitionen sollte diese aber mitgedacht werden.

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Martin Niemöller

Die neuesten Niemöller-Biografie (von Michael Heymel)

Ein evangelischer Preuße

Martin Niemöller wurde am 14. Jänner 1892 in Lippstadt/Westfalen geboren. Das ist zu der Zeit, als Wilhelm II. von Hohenzollern König von Preußen und deutscher Kaiser ist. Zugleich ist dieser Kaiser auch oberster Bischof der evangelischen Kirchen der altpreußischen Union.

Er erhält den Vornamen Martin als Bekenntnis zu Martin Luther und der Reformation. Sein Vater ist lutherischer Pfarrer in Lippstadt und dessen und später auch seine politische Haltung war kaisertreu und national.

Martin wächst in einem typisch lutherischen Haushalt mit Hausandachten und Gebeten auf. Er ist ein wildes Kind, das den Dingen auf den Grund gehen will. Er ist begabt, und es zeigt sich früh, dass er weiß, was er will. Auch seine Führungsqualitäten zeigen sich früh. Meine ganze Moral habe ich aus einem Gespräch als 18-Jähriger mit meinem Vater: ,Junge, Du darfst alles tun, wofür du hinterher Gott danken kannst.‘

Der Geist des frommen Elternhauses gehörte für ihn zu den entscheidenden Gestaltungskräften. Als Neunjähriger begleitet er seinen Vater zu einem Sterbenden. Dort fällt ihm ein Wandspruch in einem Rahmen auf: „Was würde Jesus dazu sagen?“ Dass dieser Spruch zu einem Leitmotiv seiner Frömmigkeit wurde, resümiert er in seinen letzten Lebensjahren: Ich bin Punkto christlicher Ethik heute nicht schlauer als damals.

Der Marineoffizier

Schon als 5-Jähriger will er Marineoffizier werden. Er maturiert 1910 als Jahrgangsbester und erfüllt sich zielstrebig diesen Wunsch. Dass er aus einer Pfarrersfamilie stammend Offizier wird, ist damals durchaus üblich und gern gesehen. Im Juni 1918 hat er sein erstes U-Boot-Kommando. Das Boot legt Minen, weicht feindlichen Flugzeugen und Schiffen aus und versenkt mehrere Schiffe.

Niemöller war von der Kriegstechnik fasziniert; das wird dem Leser seiner Selbstbiografie „Vom U-Boot zur Kanzel“ klar. Mit Stolz berichtet er von den U-Boot-Jahren und man erkennt, wie sehr ihn die Niederlage des kaiserlichen Deutschland, also das Ende der Herrschaft der Hohenzoller mit der Novemberrevolution von 1918 getroffen hat. Damals versank in mir eine Welt.

Mit der neuen, demokratischen Staatsform kann er sich nicht abfinden. Er steht der Weimarer Republik ablehnend gegenüber. Er fühlt sich in seinem Gewissen immer noch dem Kaiser verpflichtet, weshalb er sich auch weigert, die U-Boote nach England auszuliefern. Er widersetzt sich mit folgenden Worten: Herr Kommodore, ich bin 3 Jahre auf U-Booten gegen England gefahren; ich habe diesen Waffenstillstand nicht gewollt und nicht geschlossen. Meinetwegen können die Leute unsere U-Boote nach England bringen, die das versprochen haben. Ich tue das nicht!

Er quittiert seinen aktiven Dienst bei der Marine 1919, weil er der neuen Republik nicht dienen will. Am liebsten wäre er nach Argentinien als Schafzüchter ausgewandert. Er begann sogar Spanisch zu lernen. Jedoch die Inflation und damit die Abwertung seiner spärlichen Offizierspension vereitelten diesen Plan.

Zu Ostern 1919 heiratete er Else Bremer, die Schwester eines im Krieg gefallenen Freundes.  Else hatte in Bonn und Berlin studiert, um Studienrätin zu werden. Nach der Eheschließung musste sich Else also gegen den Lehrberuf entscheiden, weil es damals eine Zölibatsklausel für Beamtinnen gab. Sie hatte am beruflichen Weg ihres Mannes aber wesentlichen Anteil und spielte als Pfarrfrau und Frau der Bekennenden Kirche eine wesentliche Rolle.

Der Bauernknecht

Frisch verheiratet arbeitet Niemöller als Bauernknecht: Es war mir wie ein Traum, als ich so das erste Mal hinter dem Pfluge ging und meine Furche über den Acker zog…Noch ahnte ich nicht, dass hier für mich die Heimkehr, die Rückkehr zu Volk und Heimat begann!

Er wollte seinem Volk dienen. Es war kein eigentlich theologisches Interesse, was dahintersteckte und den Ausschlag gegeben hätte: für Theologie als Wissenschaft, die Probleme lösen will, hatte ich von Hause aus keine Ader. Aber, dass das Hören auf die Christusbotschaft und der Glaube an Jesus Christus als den Herrn und Heiland neue, freie und starke Menschen macht, dafür hatte ich in meinem Leben Beispiele gesehen. (…) Damit konnte ich, das war meine Überzeugung, meinem Volk aus ehrlichem und geradem Herzen dienen; und damit konnte ich ihm vielleicht mehr und besser helfen in seiner trostlosen völkischen Lage, als wenn ich still und zurückgezogen nur einen Hof bewirtschaftet hätte, wie ich mir das gedacht hatte.“

Er will – so sein volksmissionarischer Anspruch – das Christentum als konservative Ordnungsmacht zur Geltung bringen. Nach seinem Verständnis musste jeder Deutsche seinem Vaterland mit Hingabe und Opferbereitschaft dienen. Dieser Patriotismus bleibt eine treibende Kraft auch für sein späteres Handeln.

Der Theologe

Ein Teil seines Lehrvikariatsjahres in Münster wird ihm erlassen, da er zum zweiten Geschäftsführer der Inneren Mission für die Westfälische Provinz ernannt wird. Der neue Staat hatte sich die Wohlfahrtspflege zum Verfassungsziel gesetzt. So erhielt die Innere Mission – Vorläufer des Diakonischen Werkes – Konkurrenz. Und es gab viel zu tun: Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und weit verbreitete Armut.

Immer noch hatte er eine antidemokratische Einstellung und erkannte nicht, dass der demokratische Staat ein Partner im Kampf gegen Armut und Elend war und hätte sein können. Aber anders als sein Bruder Wilhelm trat er nicht der NSDAP bei.

Martin Niemöller wollte jedoch in die Ruhe eines Gemeindepfarrers eintauchen. Schließlich wird er 1931 dritter Pfarrer in Berlin-Dahlem mit ca. 12.000 Protestanten, einer der reichsten Gemeinden der altpreußischen Union.

1933 will er einen Pfarrernotbund gründen, der sich gegen die Ausgrenzung der Christen jüdischer Herkunft wehren soll. Der sogenannte Arier-Paragraph ist ihm ein Dorn im Auge. Zusammen mit anderen Pastoren gründet er 1934 die „Bekennende Kirche“, der auch Dietrich Bonhoeffer angehört. Als er während einer Audienz beim Reichsbischof, bei der auch Adolf Hitler anwesend ist, dem Führer widerspricht, erhält er Redeverbot, doch Niemöller predigt weiter, wissend, dass ihm Gestapoleute zuhören und weiter anschwärzen. Im Herbst 1934 erscheint sein Buch „Vom U-Boot zur Kanzel“, das später von Goebbels verboten wird.

Der Inhaftierte

Am 1. Juli 1937 wird Martin Niemöller von der Gestapo verhaftet. Damit war die Bekennende Kirche ihrer führenden Kraft beraubt. Während seiner Inhaftierung – letztlich bis 1945 – werden seine Predigten aus Dahlem in mehrere Sprachen übersetzt. Er wird – trotz Gefängnis – zu einer international angesehenen Person, was der führenden Schicht um Hitler ein Dorn im Auge war. Man kann aber annehmen, dass das auch verhindert hat, dass er frühzeitig liquidiert wurde.

Ein Beispiel für seine Bekanntheit sei hier angeführt: Zwei Tage nach seiner Verhaftung erscheint in der „Times“ ein Brief des Lordbischofs von Chichester, Dr. George Bell: Ich kenne Dr. Niemöller. Er ist ein Mann, den jeder Christ mit Stolz seinen Freund nennen würde. Ich habe nie einen Christen gesehen, der tapferer wäre und in dem die Lampe des Glaubens heller brennte. Dies ist eine kritische Stunde. Es geht nicht allein um das Geschick eines einzelnen Pfarrers, es geht um die Haltung des deutschen Staates gegenüber dem Christentum und der christlichen Ethik.

Im Februar 1938 findet der Prozess vor dem Berliner Sondergericht statt. Kein Kirchenvertreter wird zugelassen. Es wird ihm vorgeworfen, den Führer karikiert und die herrschende Politik kritisiert und angegriffen zu haben. In seiner Verteidigung wies er u.a. darauf hin, dass ihm zwar die Juden unsympathisch seien, aber dass es der Kirche verwehrt sei, Gott nach unserem Bilde, dem arischen Bilde, zu formen.

Im Nachhinein ist diese „Nähe“ zu Hitlers Antisemitismus häufig Grund für Diskussion. Er selbst hat nach 1945 erkannt, dass er bis zu seiner Verhaftung kein Widerstandskämpfer war.

Am 2. März 1938 kommt es zur Urteilsverkündigung, aufgrund der er unmittelbar aus der Haft entlassen hätte werden müssen. Stattdessen wird er ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo er als persönlicher Gefangener von Adolf Hitler in Einzelhaft untergebracht wird. Bis 1941 ist er dort, dann bis 1945 in Dachau.

Martin Niemöllers persönliche Krise

In Einzelhaft kommt er auch an seine Glaubensgrenzen. Er findet in der lateinischen Messe das lebendige, fleischgewordene Wort Gottes in seiner tröstenden und stärkenden Objektivität. Der Protestantismus gibt ihm keinen Halt.

In der Öffentlichkeit kursiert das Gerücht seiner angeblichen Konversion zum Katholizismus. Er befasst sich mit der Frage, wie eine christliche Kirche sein muss, damit sie in der Welt wirklich Kirche ist. Er konvertiert nicht und sagt selbst, er habe den richtigen Zeitpunkt dafür verpasst.

Ab 1941 in Dachau erlebt er dort an Weihnachten 1944 die Geburtsstunde seines ökumenischen Verständnisses. Im April 1945 werden 163 Sonderhäftlinge, darunter auch Niemöller, nach Südtirol abtransportiert.

Die Befreiung

Statt wie von Himmler befohlen – nämlich liquidiert und in einem See versenkt zu werden – gelingt die Rettung durch Hauptmann Wichard von Alvensleben und schließlich durch die Amerikaner. Nach der Befreiung wird er 1945 Mitglied des Rates der „Evangelischen Kirchen in Deutschland“ (EKD) und zum Präsidenten des Kirchlichen Außenamtes gewählt. Er ist eine unbequeme Stimme der Kirche, denn er vertritt die These von der Mitschuld der evangelischen Kirche am Nationalsozialismus. 1947 wird er Kirchenpräsident der evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau.

Pazifist und Vorbild

1967 wird ihm der Lenin-Friedenspreis verliehen, und 1971 erhält er das Bundesverdienstkreuz. Von 1961 bis 1968 ist Niemöller einer der sechs Präsidenten des Weltkirchenrates.

Ende der 70er Jahre gründet er die Martin-Niemöller-Stiftung. Er kämpft gegen die Einführung der Neutronenbombe und gegen den NATO-Doppelbeschluss, durch den Atomraketen auf deutschem Boden stationiert werden sollten. In den 80er Jahren wird Niemöller einer der prominentesten Vertreter der bundesdeutschen Friedensbewegung. Am 6. März 1984 stirbt Martin Niemöller in Wiesbaden.

Was Martin Niemöller mit Luther verbindet, ist neben dem Vornamen die Einsicht, dass der Mut aus dem Glauben kommt. Mut, den es braucht, um jederzeit bereit zu sein, um Umkehr und Sinnesänderung zuzulassen. Mut, den es braucht, im Denken sich neu zu orientieren. Der Glaube, der Jesus aufs Wort folgt, macht mutig. So möge Niemöller als „Bekenner des Glaubens“ und „Kämpfer für den Frieden“ im Gedächtnis bleiben.

Irmi Lenius

Niemöller Zitate

Wir haben nicht zu fragen, wieviel wir uns zutrauen; sondern wir werden gefragt, ob wir Gottes Wort zutrauen, dass es Gottes Wort ist und tut, was es sagt!

Hier hört die Totalität auf, hier hört die Totalität des Staates wie die Totalität des Menschen wie die Totalität der Welt auf, und Staat, Mensch und Welt bringen sich selbst um ihre eigentliche Bestimmung und ihr letztes Ziel, wenn sie hier die gezogene Grenze nicht erkennen, wenn sie hier nicht mit uns bekennen, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, und irgendwo findet sich das Wort des Herrn Jesus Christus bestätigt, dass das Wort Gottes das Salz der Erde ist.

Aus seiner Verteidigung

Wie kann Brot und Wein Leib und Blut Jesu Christi sein? – Die große Spaltung in der Reformationskirche rührt großenteils von der verschiedenen Beantwortung dieser Frage her: Luther lehrte darin anders als Zwingli, und dieser wieder anders als Calvin, alle nur einig in der Ablehnung der mittelalterlichen Verwandlungslehre der römisch-katholischen Kirche. – Heute sind diese theologischen Differenzen schon so fein geworden, dass man ein überdurchschnittlich geschulter Philosoph sein muss, um sie in ihrer Verschiedenartigkeit noch zu erkennen. Und wenn von solcher Erkenntnis unsere Seligkeit abhinge, dann wäre das Himmelreich nur für gelehrte Denker zugänglich, was ja aber offensichtlich im Gegensatz zu Jesu eigener Auffassung und zu seinen eigenen Worten steht.

Zur Ökumene
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Geistliches Wort

Geistliches Wort Gemeindenachrichten Herbst 2021 

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken! 

Biblischer Monatsspruch für Oktober 

Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. 
Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. 
Ich handelte, und siehe, die Pflicht war Freude. 

Ravindranath Tagore 

Noch ist sie nicht ganz vorbei, liebe Leserinnen und Leser unseres Gemeindebriefes,  

die Corona-Zeit. Auch wenn wir wieder anfangen zu planen und auf ein normales Gemeindeleben zu hoffen, schielen wir dennoch ängstlich auf Infektionszahlen und Virusvarianten und hoffen, dass sie uns keinen Strich durch die Rechnung machen. 

Im Gottesdienst anlässlich der Gemeindevertretungssitzung im Juni haben wir uns auf unser gemeindliches Miteinander besonnen und uns daran erinnert, welchen Weg wir als Gemeinde in den letzten 17 Jahren zurückgelegt haben: 

Wir haben miteinander liebevoll die Kirche renoviert und mit dem Gemeindehaus einen Lebensraum geschaffen, eine Herberge, in die wir seither einladen. Doch es sind nicht die Gebäude. Wir sind es. Unser Glaube und unser Gottvertrauen, unsere Bereitschaft das, was wir als richtig erkannt haben, auch zu leben und im Alltag umzusetzen. 

Wir haben es erlebt und erleben es noch, dass Menschen neu dazukommen: Familien, junge Leute, Menschen anderer Konfession und auch Menschen ohne Konfession. Flüchtlinge haben bei uns Deutsch gelernt und im Haus Ibrahim ein Dach über dem Kopf erhalten, Menschen mit anderer sexueller Orientierung wurden gesegnet und nun auch getraut. 

Wir haben unter dem schützenden Dach unserer Gemeinde miteinander gelacht und geweint, gegessen und getrunken. 

Dann hat ein kleiner Virus unseren gewohnten Pulsschlag als Gemeinschaft durcheinander gebracht. Nähe schien plötzlich gefährlich. Die Herberge leerte sich. Wir waren auf uns selbst geworfen und hatten viel Zeit nachzudenken über den Wert unseres Lebensraumes Gemeinde und einen Händedruck, eine Umarmung, ein freundliches Wort. Wir haben in der Krise versucht neue Wege zu den Menschen zu finden: Podcasts, digitale Mittagsgebete, SOFA- Gottesdienste und auch eine gottesdienstliche Form des Konfirmandenunterrichtes. 

Wie wird es nun im Herbst weitergehen? Wird sich unser Lebensraum wieder bevölkern?  

Das hängt nicht allein von Pfarrer und Presbyterium ab, sondern von jeder und jedem von uns. Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass der Gottesdienst der Ort ist, an dem wir auftanken können und wichtige Glaubensimpulse bekommen. Der Glaube beginnt mit dem Hören. Dann gilt es, das als richtig Erkannte im Leben umzusetzen. Das fällt leichter im Miteinander, mit Unterstützung und Korrektur durch die Menschen, mit denen wir gemeinsam unterwegs sind. Wir helfen einander Gott zu vertrauen und seine Spuren in unserem Leben zu entdecken. Es geht darum, dass Freundlichkeit, Toleranz und der achtsame Umgang mit der Schöpfung unser Tun bestimmen, so dass andere Menschen aufmerksam werden und Lust bekommen mitzutun. Wenn wir leben als gäbe es ein Heute und ein Morgen, wenn jede und jeder seine Gaben bei Veranstaltungen, beim Gottesdienst und in der Seelsorge ins Miteinander einbringt und andere Menschen mitbringt in unserem Lebensraum, dann ist mir um die Zukunft unserer Gemeinde nicht bange. 

Einen bunten und fröhlichen Herbst wünsche ich uns allen!  

Pfarrer Christian Brost 

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SOFA-Gottesdienst mit Irmi Lenius

SOFA-Gottesdienst vom 19. September aus Stockerau mit unserer Lektorin Irmi Lenius

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Pfarrer Brost wiederbestellt

Auf der Gemeindereise in Israel

Mit großer Freude darf ich mitteilen, dass unser Pfarrer Christian Brost vom Oberkirchenrat als Pfarrer der Pfarrgemeinde Stockerau wiederbestellt wurde und somit – seinem Wunsch entsprechend – bis zu seiner Pensionierung in Stockerau bleiben kann. 

Familiengottesdienst in Stockerau
Familiengottesdienst in Stockerau

Nachdem Pfarrer Christian Brost 2004 seinen Dienst in Stockerau noch als bayrischer Pfarrer antrat, wurde er 2009 zum Pfarrer der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Schon damals wurde er über Beschluss der Gemeindevertretung unserer Pfarrgemeinde vom Oberkirchenrat bestellt. Nach Ablauf von 12 Jahren wäre seine Amtszeit nun mit Ende August 2021 zu Ende gegangen. Aus diesem Grund hat das Presbyterium die Pfarrstelle im Amtsblatt der Kirche im April neu ausgeschrieben. 

Mit Karin Brost bei einer Hochzeit in Indien

Weil die Bewerbung von Pfarrer Brost die einzige blieb, entschied die Gemeindevertretung von der Abhaltung von Wahlen abzusehen und ersuchte den Oberkirchenrat um Bestellung von Pfarrer Brost. Ich bin froh, mitteilen zu können, dass die Entscheidung der Gemeindevertretung einstimmig fiel und danke den GemeindevertreterInnen für dieses Votum. 

Bei der Friedenssäule

In meiner langjährigen Erfahrung als Kurator dieser Pfarrgemeinde und Abgeordneter zur Superintendentialversammlung der Diözese Niederösterreich meine ich, dass wir als Gemeinde es nicht besser treffen hätten können, als mit Christian. Er ist ein hervorragender Seelsorger. Er ist offen für Neues. Er hört zu und ist teamfähig. Die Zusammenarbeit mit ihm im Presbyterium ist von Freude am Miteinander, ehrlicher Wertschätzung und Freundschaft geprägt. Für uns alle gilt natürlich, dass wir immer etwas besser machen können. Christian zeichnet aus, dass er immer auf der Suche danach ist, was er verbessern könnte. Er kennt seine Grenzen und lässt andere helfen, wo sie etwas besser können als er. Sein Vertrauen in Gott, sein Wissen darum, dass die Liebe siegt und seine tiefe Verbundenheit mit seiner Familie und seiner Gemeinde sind auch mir Vorbild. Christian hat eine Botschaft, die zu hören sich lohnt! 

Kollegialer Austausch mit Freunden aus Deutschland

Deshalb möchte ich auch an dieser Stelle namens der Pfarrgemeinde und persönlich Christian meinen allergrößten Dank für seinen ehrlichen und treuen Dienst und seine Freundschaft aussprechen. 

Kurator Gert Lauermann 

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