Geistliches Wort

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Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

2. Mose 2,15

Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern.

Aus dem Sonnengesang des Franz von Assisi

Im Religionsunterreicht beschäftigen wir uns zurzeit mit Franz von Assisi, liebe Gemeinde!

Ich liebe diesen faszinierenden Querdenker, der seiner Zeit (und wohl nicht nur ihr) manchen Anstoß zum Nachdenken gegeben hat. Ich staune über seine Liebe zur Natur, die für ihn Schöpfung Gottes war, wie der Mensch. Aus diesem Grund waren für ihn Sonne, Mond und Sterne Brüder und Schwestern, alle gleicher Maßen von Gott geschaffen. Franziskus und seine Brüder häuften keinen Besitz an. Danach gefragt, erwiderte er: Würden wir etwas besitzen, bräuchten wir Waffen, um es zu verteidigen. Das wollen wir nicht.

Wie viel Friede und Kraft ging von diesem ungewöhnlichen Menschen aus!

Friede beginnt im eigenen Herzen

Auf dem kleinen Platz vor unserer Kirche legt unsere Friedensäule stilles Zeugnis davon ab, dass der Friede im eigenen Herzen beginnen muss, wenn er echt und tragfähig sein soll. Immer deutlicher wird uns als Gemeinde bewusst, dass dieser Friede nicht nur das menschliche Leben, sondern alles Leben auf diesem Planeten umfassen muss. Solange wir aus Gier, Unachtsamkeit, Hilflosigkeit und Veränderungsunwillen Raubbau an der Schöpfung betreiben und so den Ast absägen, auf dem wir sitzen, wird nichts besser.

Klimawandel, Bienensterben, Landraub im großen Stil und gigantische globale Müllberge zu Land und zu Wasser: das alles nimmt die Menschheit hin – die einen, weil ihnen gar nichts anders übrigbleibt, die anderen, weil sie kräftig daran verdienen. Und viele auch, weil sie sich hilflos fühlen: Wo anfangen mit der Bewahrung der Schöpfung?

Auch wir fühlen uns hilflos, und doch wollen wir als christliche Gemeinde erste Schritte auf dem Weg zur Veränderung machen. Vielleicht beginnt alles damit, dass wir immer wieder innehalten, die immense Geschwindigkeit unseres Lebens bewusst ein wenig verlangsamen, um über die Schönheit unseres blauen Planeten zu staunen. Ich rede ganz bewusst von Schöpfung, wenn es um die Natur geht, denn für mich ist die Erde nur geliehen – um mit ihr und von ihr zu leben und sie zu bewahren.

Wie das gehen kann?

Nun, Dankbarkeit für das uns Anvertraute ist meines Erachtens eine gute Motivation, achtsamer mit der Schöpfung umzugehen und uns das auch etwas kosten zu lassen – an Zeit, an Geld, an Bequemlichkeit, an Engagement…

Solch ein „Umdenk- und Anders-Leben-Prozess“ braucht seine Zeit und eine gute tragfähige Gemeinschaft. Vielleicht kann das ja auch in unserer Kirchengemeinde wachsen. Eine handvoll Engagierter gibt es bereits.

Wir laden unter dem Leitwort „Gemeinsam die Schöpfung bewahren“ zu Augenöffnern ein – monatlichen Veranstaltungen (siehe Terminübersicht), bei denen es darum geht hinzuschauen, was auf Erden passiert, und gemeinsam zu überlegen, was wir zur Veränderung beitragen können. Herzliche Einladung dazu!

Ein nachdenkliches, sonniges Frühjahr wünscht Ihnen

Pfarrer Christian Brost

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Trauung für alle – Beschluss der Synode

Seit 1.1.2019 ist auch in Österreich die eherechtliche Gleichstellung hetero- und homosexueller Paare Realität. Das bedeutet, dass sich verschiedengeschlechtliche Paare auch verpartnern können und gleichgeschlechtliche Paare auch heiraten können.

Die evang. Synode A.B. hat sich im Dezember 2018 ausführlich mit der Frage des Umgangs der Kirche mit dem geänderten staatlichen Recht beschäftigt. Kirchlich war es bisher schon möglich, gleichgeschlechtlichen Paaren in einer nicht öffentlichen, privaten Feier den Segen für ihre Partnerschaft zu spenden. Auf die Frage, wie wir als Kirche mit der geänderten Rechtslage umgehen, vermochte die Synode im Dezember inhaltlich noch keinen Beschluss mit der notwendigen 2/3-Mehrheit zu fassen.

Die Pfarrgemeinden waren deshalb gebeten worden, bis zum 20.2.2019 – also verhältnismäßig kurzfristig – Stellungnahmen abzugeben. Von den insgesamt 167 Stellungnahmen aus den Gemeinden sprach sich der überwiegende Teil (110) für eine Gleichstellung aus. Ausgehend von unserem gemeindlichen Leitbild und Bibelverständnis hat auch unser Presbyterium eine positive Stellungnahme abgegeben.

Am 12. März 2019 fasste die Synode mit 2/3-Mehrheit auf Grundlage der Stellungnahmen des theologischen Ausschusses und der Pfarrgemeinden den nebenstehenden, verbindlichen Beschluss. So haben Pfarrgemeinden jetzt die Möglichkeit, durch Beschluss der Gemeindevertretung Segnungen zur Eheschließung auch homosexueller Paare in ihrem Pfarrgebiet zu ermöglichen (opt-in). Sie haben ihren Beschluss dem zuständigen Superintendenten schriftlich mitzuteilen.

Bei der Gemeindevertretersitzung am 24.5.2019 soll beschlossen werden, in welcher Form wir als Pfarrgemeinde Stockerau den Synodenbeschluss umsetzen. Die Beschlussfassung unserer Gemeindevertretung wird umgehend auf unserer Homepage veröffentlicht werden.

Gert Lauermann

Der Synodalbeschluss im Wortlaut:

Die 15. Synode A.B. hat auf ihrer 2. Session am 9. März 2019 folgende theologisch verantwortete und für die ganze Kirche verantwortbare Lösung mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen:

1. Die Evangelische Kirche A.B. in Österreich hält an dem Verständnis der Ehe als der auf lebenslange Treue angelegten Lebensgemeinschaft von Mann und Frau fest wie sie in der Heiligen Schrift (vgl. Matthäus 19,4b-6) und dem Bekenntnis der Kirche als von Gott in der Schöpfung gestiftet bezeugt wird.

2.a. Die Evangelische Kirche A.B. in Österreich anerkennt gleichzeitig, dass gleichgeschlechtliche Paare, die einander die lebenslange Treue versprechen, in einer der Ehe analogen Verbindung leben, auch wenn diese von der Ehe zwischen Mann und Frau zu unterscheiden ist.

2.b. Auch für diese Partnerschaften sind wesentliche Elemente des christlichen Eheverständnisses konstitutiv: Freiwilligkeit, ganzheitliche personale Zuwendung, lebenslange Treue, wechselseitige Fürsorge und Verlässlichkeit in guten wie in schlechten Zeiten. Es ist deutlich, dass diese Partnerschaften sich am Vorbild der Ehe von Mann und Frau und damit am christlichen Eheverständnis orientieren.

3. Die Evangelische Kirche A.B. in Österreich sieht sich deshalb berechtigt, diese der Ehe analogen Verbindungen gleichgeschlechtlicher Paare in einem Gottesdienst öffentlich zu segnen.

4. Die individuelle Gewissensentscheidung von Pfarrerinnen und Pfarrern, Lektorinnen und Lektoren für oder gegen Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare wird respektiert. § 2 der Amtshandlungsordnung der Evangelischen Kirche A.B. ist sinngemäß anzuwenden.

5. Gemeinden haben die Möglichkeit, durch Beschluss der Gemeindevertretung diese Segnungen durchzuführen (opt-in). Sie haben ihren Beschluss dem zuständigen Superintendenten bzw. der zuständigen Superintendentin schriftlich mitzuteilen.

6. Eingetragene Partnerschaften und faktische Lebensgemeinschaften können wie bisher im seelsorgerlichen Rahmen gesegnet werden. Die Entscheidung darüber liegt beim jeweiligen Pfarrer bzw. der jeweiligen Pfarrerin.

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Friedensmeditation

Warum wir uns für den Frieden erwärmen sollten.

Es gibt Tage, da möchte ich die Zeitung, die täglich in meinem Postkasterl liegt, gar nicht aufschlagen. Die Negativnachrichten scheinen sich manchmal einen richtigen Wettstreit zu liefern. Wer bietet die schlimmere Katastrophe, könnte man glauben, ist zur Devise der Berichterstattung geworden. Und dabei wird über Vieles, was wirklich schlimm ist, gar nicht berichtet. Stichwort: Menschenverachtung – Ausgrenzung – Klimawandel – bedrohte Natur.

Ich lese gerade das Buch „+2Grad“ von den Klimaforschern Helga Kromp-Kolb und Herbert Formayer. Der einladende Untertitel lautet: „Warum wir uns für die Rettung der Welt erwärmen sollten.“ Nach den ersten 90 Seiten staune ich über den Optimismus, den die Autoren vermitteln. Ja und ich lerne, dass die winzigen kleine Schritte, die wir einzelne Menschen gehen oder nicht gehen, relevant sind.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum ich das unter der Überschrift „Friedensmeditation“ schreibe? Weil es mit dem Frieden ganz genau so ist. Die kleinen Gesten, die Art und Weise, wie wir persönlich mit Außenseitern der Gesellschaft umgehen, wie wir mit unseren eigenen Schwächen und Fehlern umgehen: All das ist für den Frieden relevant. Der Frieden beginnt in uns selbst und kann von dort ausstrahlen. Frieden in mir finde ich, wenn ich zur Ruhe komme. 

Genau das möchten wir, wenn wir einmal im Monat zur Friedensmeditation zusammenkommen:
Hören, wie andere Menschen dem Frieden gedient haben – und da gibt es viele Vorbilder!
Still werden,um die eigene Resonanz zu finden und Kraft zu tanken.

Unsere nächsten Termine für die Friedensmeditation:
Mi 27.2.2019 und Mi 20.3.2019, jeweils um 19 Uhr – herzliche Einladung zum Friedentanken!

Irmi Lenius

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Jahresbericht 2018

Die Friedensarbeit war auch 2018 ein besonderer Schwerpunkt der gemeindlichen Arbeit. Friedensmeditationen fanden regelmäßig statt, um den Frieden in den Herzen wachsen zu lassen. Der Meditationskreis feierte (schweigend) sein 10-jähriges Jubiläum. „Sakraler Tanz“ fand nun auch als Teil des Gottesdienstes statt und wurde damit seiner sakralen Ausrichtung gerecht. Viel mit Frieden hat für mich auch der 2018 begonnene Ikonenmalkurs zu tun. Die Stillen Halben Stunden in der Fastenzeit vor Ostern und im Advent sowie der adventlich-meditative Konzertabend „Ruf der Engel“ waren deutliche Zeichen für Frieden, Achtsamkeit und Gelassenheit in unserer schnellen, aufgeregten Zeit.

Sowohl in der Ökumene als auch im interreligiösen Dialog brachte das Jahr 2018 personelle Änderungen in Stockerau mit sich. Auch mit dem neuen katholischen Pfarrer Tom Kruczynski ist die ökumenische Zusammenarbeit gut.

Interreligiös bzw. in der Arbeit mit Flüchtlingen brachte das „Malprojekt Weltfrieden“ von Patricia Wanas etwas Farbe und Freude in das Stockerauer Flüchtlingsheim. In der Flüchtlingsarbeit war 2018 aber insgesamt ein Jahr der Reduktion. Das „Haus Ibrahim“ mussten wir im Laufe des Frühsommers mangels ausreichender Belegung stilllegen. Wir konnten erreichen, dass diejenigen der zu dieser Zeit dort betreuten Jugendlichen, die in Stockerau bereits soziale oder schulische Anbindung hatten, bestmöglich Begonnenes beenden konnten. Die rund 14 Angestellten wurden unter Beachtung aller Vorschriften gekündigt und das Haus ohne finanziellen Verlust geschlossen. Auch sonst verringerte sich die Zahl der Flüchtlinge in Stockerau, sodass mit Ende Jänner/Anfang Februar 2019 auch das ehemalige Bezirksgericht als Flüchtlingsheim ausgedient haben dürfte. Der Verein Vor_allem_Mensch_Punkt! engagiert sich weiterhin unterstützend in Form z.B. von Zahlungen für Sprachkurse, Prüfungsgebühren und die Anmietung einer Wohnung für eine Familie, die nach mehreren Jahren noch immer keinen Bescheid in ihrem Asylverfahren erhalten hat.

Eine besondere öffentliche Veranstaltung im Jahr 2018 war das ausgesprochen „lebhafte“ Kabarett mit Alex Kristan im komplett ausverkauften Z2000. So viel zu lachen gibt es schließlich nicht immer!

Besonders waren auch die Begegnungscafés, wo sich Flüchtlinge mit allen Interessierten auf Kaffee und Kuchen trafen. Wir wollten der Angst die Gemeinschaft entgegensetzen und Vorurteile durch gute Erfahrungen entkräften. Bei diesen Treffen gelang es tatsächlich vielen, sehr unterschiedlichen Menschen, ihr Weltbild ein wenig zu erweitern und mehr über das Leben der „Anderen“ zu erfahren.

Treffpunkt 50+, Gemeindecafé, Chor, Konfirmandengruppe und ökumenische Bibelrunde fanden regelmäßig statt. Die TeilnehmerInnen der Gemeindereise ließen sich 2018 von den Farben, Gerüchen und Eindrücken Indiens verzaubern. Der Büchertisch lockte mit vielfältigen Werken. 

In Mitarbeiterkreisen zu ganz unterschiedlichen Themen wurden Projekte gestartet und Details mit viel Freude erarbeitet und umgesetzt. Beispielhaft erwähnt seien die Vorbereitungen des „Evangelischen Ecks“ im Bezirksmuseum in Stockerau, die Konfirmandentage oder richtungweisende Treffen zum Hollabrunner Glockenturm. Wir haben uns – vielen Dank an Andreas Andel – mit dem Datenschutz befasst. Lektoren, Mesner, Besuchsdienstmitarbeiter und das Redaktionsteam für die Gemeindenachrichten besprachen miteinander Organisatorisches, Kreatives und Seelsorgerliches.

Geprägt war die gemeindliche Arbeit 2018 auch von den Wahlen zur Gemeindevertretung. Die neue Gemeindevertretung konstituierte sich am 17. Juni und wählte das Presbyterium, dem neu auch Leo Pfisterer angehört. Vielen Dank an alle, die sich in den neuen Gremien engagieren! 

Auf diözesaner Ebene wurde Pfarrer Brost als Stellvertreter des Superintendenten wiedergewählt. Der nö. Lektorentag und ein nö. Diakonietag fanden 2018 in Stockerau statt.

Gottesdienst – also der Dienst Gottes am Menschen – ist das Zentrum unseres Gemeindelebens. Mit viel Liebe und Engagement gestalteten unsere LektorInnen Ingrid Oblak, Uta Vogel, Irmi Lenius, Andreas Andel sowie der inzwischen leider verstorbene Pfarrer i.R. Robert Kauer und Pfarrer Christian Brost auch 2018 mehr als 100 Gottesdienste und Kasualien. Auch für Gefangene fanden in der Justizanstalt Sonnberg 10 Gottesdienste und Gesprächskreise statt. Dafür möchte ich herzlich Dank sagen! 

Kindergottesdienste gab es 2018 mangels ausreichenden Interesses leider keine mehr, dafür wurden die Familiengottesdienste in Hollabrunn (4) und Stockerau (9) sowie der Gottesdienst im Grünen in Retz mit großer Begeisterung von Jung und Alt besucht. Die anschließenden Kirchenkaffees sind immer ein Treffpunkt für viele, gut gelaunte Menschen! 

Was wären Gottesdienste ohne Musik! Vielen Dank allen, die singend, Orgel spielend, als Gitarren- und Flötenensemble oder im Rahmen von Konzerten (z.B. Bläser, Chor, Lutherlieder, Singgottesdienst) für Leben in der Kirche sorgen!

Unsere Gemeinde zählt nun 1.328 Evangelische (2017: 1.336), davon 56 (2017: 61) mit helvetischem Bekenntnis. 8 Mal durften wir uns 2018 über eine Taufe freuen. Es gab 14 Beerdigungen, 12 KonfirmandInnen und 2 Trauungen. 3 Eintritten standen leider 20 Austritte gegenüber. 

Vielen herzlichen Dank an unsere ReligionslehrerInnen Sandra Böhm, Elke Jurkowitsch-Steidl, Terhi Korhonen, Hans Spiegl, Christian Weigele, Barbara Winter und Christian Brost für ihr einfühlsames und kompetentes Engagement für die Kinder!  

All denen, die als SeelsorgerIn Kranke, Gefangene und Bedürftige, zum Beispiel in den Krankenhäusern Hollabrunn und Stockerau, den Pflegeheimen und in der Justizanstalt Sonnberg, besuchen, Respekt und vielen Dank! 

Zum diakonischen Engagement unserer Gemeinde zählten 2018 aber auch Spenden, und zwar z.B. für die Katastrophenhilfe der Diakonie, Flüchtlingsprojekte wie Deutschkurse, an die Evang. Pfarrgemeinde Großschenk in Siebenbürgen (Seniorenarbeit) und für den Häftlingsunterstützungsverein Sonnberg. 

Wir sind immer auf der Suche nach Menschen, die sich gerne für andere einsetzen wollen und dafür bereit sind, Zeit zu investieren. Unsere Gefangenenseelsorgerinnen sind auf der Suche nach Unterstützung. Aber auch Interesse an Krankenhausseelsorge oder Mitarbeit im Besuchsdienst ist immer willkommen.

Abschließend ein Wort zu den Finanzen

Allergrößter Dank gilt 2018 unserer exzellenten Kirchenbeitragsreferentin Christine Andel, die in dieser Funktion Eva Zehetmayer und ihren Mann Herbert ablöste. Letzteren beiden sei an dieser Stelle nochmals für ihre hervorragenden, langjährigen Dienste Dank gesagt! 

Rechnungsabschluss 2018 und Budget 2019 werden am 8.3. der Gemeindevertretung zur Beschlussfassung vorgelegt. 

Allen, die haupt- und/oder ehrenamtlich 2018 an unserer Gemeinschaft nach ihren Möglichkeiten und Talenten mitgebaut haben, ein großes Dankeschön und vergelt´s Gott!

Ich finde, die Jahreslosung ist ein sehr passendes Motto für das Jahr 2019: 

Suche den Frieden und jage ihm nach!

Lassen Sie uns das in die Tat umsetzen! Gemeindlich wollen wir unter anderem auch einen Umweltschwerpunkt setzen und monatlich Gelegenheit bieten, sich mit Umweltthemen inspirierend auseinanderzusetzen. Wir wollen an unserem Umweltbewusstsein arbeiten und miteinander konkrete Schritte überlegen, damit unser ökologischer Fußabdruck kleiner wird und wir achtsamer mit den natürlichen Ressourcen umgehen. 

Aber auch die Friedensmeditationen und viele andere Veranstaltungen und Gottesdienste laden 2019 dazu ein, dem Frieden nachzujagen. Herzliche Einladung!

Kurator Gert Lauermann

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Aus dem Presbyterium

Die heurige Klausur im Jänner führte uns hinauf auf die Burg Kreuzen. Ein Wochenende arbeiteten wir – sozusagen zwischen Himmel und Erde – intensiv an der Vorbereitung der Visitation unserer Pfarrgemeinde Ende Februar. Wir beantworteten Fragen wie „Womit sind wir zufrieden?“ oder „Was brauchen Menschen bei uns?“ oder „Was wollen wir verbessern?“. Dabei stießen wir auf ganz spannende und sehr grundlegende Fragen. Unter anderem zu den Themen „Spiritualität“, „Friedensarbeit“, „Ökumene“ und „Diakonie“ haben wir das, was ist, angesehen und bedacht, was noch werden soll.

Aus den „gewöhnlichen“ Sitzungen darf ich Ihnen berichten: Personelles und Seelsorgerliches beschäftigte uns im Herbst überdurchschnittlich. Die Kirchenbeitragsbemessungsgrundlagen für all jene, die ihr Einkommen nicht nachweisen, wurden entsprechend den kirchlichen Vorgaben angehoben. Die letzten Entscheidungen und Vorbereitungen für die Präsentation des Evangelischen Ecks im Stockerauer Bezirksmuseum wurden ebenso besprochen wie die weitere Gestaltung des Projekts für einen neuen Glockenturm in Hollabrunn. Ein Ideenwettbewerb in den Hollabrunner höheren Schulen HTL, HAK und HLW läuft bereits. Die Umsetzung eines Siegerprojekts soll noch heuer starten.

Ein spannendes Thema wurde von der Synode allen Pfarrgemeinden zur Stellungnahme vorgelegt: die (kirchliche) „Trauung für alle“. Aufgrund einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs ist es bekanntlich seit Jahresbeginn homosexuellen Paaren erlaubt, die Ehe zu schließen und umgekehrt heterosexuellen Paaren, sich zu verpartnern. Unser Presbyterium hat seine Stellungnahme nach Redaktionsschluss beschlossen. Die Synode wird zu dem Thema im März entscheiden. Daher in der nächsten Ausgabe mehr dazu.

Kurator Gert Lauermann

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Nachruf auf unser Gemeindeglied Robert Kauer

Foto: BMUKK

Mit einem bewegenden Abschiedsgottesdienst in der Heilandskirche und dem anschließenden Begräbnis auf dem Evangelischen Friedhof in Wien-Simmering nahmen seine Familie und viele Freunde aus Kirche und Politik am 17. Jänner 2019 Abschied von dem Theologen und Juristen Prof. MMag.Robert Kauer, der am 4. Jänner im 84. Lebensjahr verstarb.

Der 1935 geborene Protestant studierte Jus und Theologie und war bis 1966 als Pfarrer in der Evangelischen Kirche aktiv. Bis 1976 war Kauer dann zunächst für die Österreichische Akademie der Wissenschaften und dann für die geologische Bundesanstalt tätig. Von 1978 bis 1991 war er ÖVP-Landtagsabgeordneter und Gemeinderat von Wien. Als Kultursprecher der Wiener ÖVP erzielte Kauer in der Erwachsenenbildung und dem Kulturmanagement große Erfolge.

Auch in seiner evangelischen Kirche engagierte er sich weiter: Er war ab 1981 Presbyter der Evangelischen Pfarrgemeinde Wien-Landstrasse, als Synodaler im Rechts- und Verfassungsausschuss und ab 1997 ehrenamtlicher Oberkirchenrat für juristische Angelegenheiten. Robert Kauer war leitend verantwortlich für die Errichtung des Evangelischen Zentrums und engagierte sich für den Ausbau der guten Beziehungen zu den Kirchen in den Nachbarländern.

2007 wurde er Gemeindeglied unserer Kirchengemeinde und engagierte sich bei uns als Pfarrer im Ruhestand ehrenamtlich. Mit dem ihm eigenen Gestaltungswillen brachte sich der in Groß wohnhafte Geistliche vor allem in Hollabrunn ein. Er hielt Gottesdienste, organisierte Veranstaltungen und machte sich Gedanken über die eine kommunikativere Innenraumgestaltung unserer kleinen Christuskirche. Schließlich griff er zu Säge und Hammer und machte sich gestalterisch selber ans Werk. Nur zu reden war nicht seins.

Er war stets bereit, das als richtig Erkannte engagiert umzusetzen.

Auch im diakonischen Bereich war Robert Kauer tätig. Ein Herzensanliegen war ihm die Seelsorge am Hollabrunner Klinikum. Wöchentlich besuchte er die evangelischen Patienten aus den unterschiedlichsten evangelischen Gemeinden. Als uns als Pfarrgemeinde im letzten Jahr in einem falsch verstandenen Datenschutz die Patientendaten vorenthalten wurden, hat er darum gekämpft, sie wieder zu bekommen.

Gerne denke ich an meine Besuche in Groß und unsere Gespräche über Gott und die Welt. Bei diesen Begegnungen habe ich einen humorvollen, blitzgescheiten Menschen erlebt, von dem ich viel gelernt habe. Ich werde Robert Kauer stets ein ehrendes Andenken bewahren. Als Kirchengemeinde danken wir Gott für das Wirken von Prof. MMag. Robert Kauer.

Pfr. Christian Brost

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Impressionen von unserem Ikonenmalkurs

Ikonenmalen macht Freude, und man ist nie am Ziel!

Alles begann mit einem weißen Brett, und wir ahnten zu Beginn noch nicht, wie weit, aber auch wie spannend und erfüllend der Weg zur gemalten Ikone sein würde.

Unter der fachkundigen Anleitung unseres „Meisters“ Leo Pfisterer stellten sich nach dem ersten Staunen bald schon kleine Erfolge ein: Pinselstrich um Pinselstrich nahm Marias Gesicht Gestalt an – bis hin zum goldenen Heiligenschein tasteten wir uns mit Achtsamkeit, Ausdauer und viel Freude voran.

Gemeinsame Mahlzeiten und gute Gespräche untereinander und mit unserem stets hilfsbereiten und geduldig motivierenden Lehrer trugen sehr zur unbeschwerten Atmosphäre des Kurses bei.

Viel zu schnell ist die Zeit vergangen. Wie gut, dass es weitergeht. Warten doch noch Jesus und Johannes darauf, zum „Leben erweckt“ zu werden…

Neueinsteiger sind herzlich willkommen!

Die nächsten Termine unseres Ikonenmalkurses sind:

  • Samstag 9.3.2019
  • Samstag, 13.4.2019
  • Donnerstag 30.5.2019
  • Samstag 29.6.2019

Anmeldung im Pfarramt oder bei Leo Pfisterer, tel. 02736-67004

Ich freu mich schon darauf!

Karin Brost

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Ehemaliger evangelischer Altar im Bezirksmuseum Stockerau

Am 9. März 2014 wurde das neue Gemeindezentrum der evangelischen Pfarrgemeinde nach Abschluss der Renovierungsarbeiten eröffnet und eingeweiht. Im Zuge dieser Renovierungsarbeiten wurde der Innenraum der Kirche neu gestaltet und der über viele Jahrzehnte verwendete Altar gemeinsam mit der alten Inneneinrichtung durch eine künstlerisch neu konzipierte Innenraumgestaltung ersetzt. Der Altar wurde zunächst behutsam im Depot einer Stockerauer Firma zwischengelagert, aber das war freilich keine Dauerlösung! Die Frage nach der Zukunft der Vergangenheit, die Frage nach dem zukünftigen Verbleib des Altars beschäftigte das Presbyterium der evangelischen Pfarrgemeinde. Denn eines war für Alle gewiss: Der Altar, der die evangelische Gemeinde in Stockerau über so einen langen Zeitraum begleitet hatte, musste auf jeden Fall erhalten werden.

Viele Ideen wurden geboren, doch erschienen diese immer wieder als kaum durchführbar. Die enorme Höhe des Altars mit einer Gesamthöhe von 4 m und 40 cm dezimierte die Auswahl an zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten auf fast Null. Im Jahr 2015 nahm man Kontakt mit Bezirksmuseum Stockerau auf, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Doch auch hier waren uns durch die vorgegebene Raumhöhe Grenzen gesetzt. Es galt einen Raum mit einer Mindesthöhe von 4,5 m zu finden, und er wurde schließlich gefunden: der Gang, der die beiden alten Kellergewölbe unter dem Belvedereschlössl und die unterirdischen Räume des Museums verbindet.

Nun lädt dieser Raum mit dem ehemaligen Altar der evangelischen Kirche und einem Teil der alten Kirchenbänke zum Verweilen und Rasten, zum Niedersetzen und Innehalten, zu einer Pause auf dem Rundgang durch das Museum ein. Und damit wollen wir auch Sie zu einem Besuch in das Museum und zur Präsentation des Altars und der evangelischen Pfarrgemeinde durch das Presbyterium und Pfarrer Mag. Christian Brost am 28. Februar 2019, 19 Uhr einladen.

Zum Altar selber kann man erzählen, dass er im Jahr 1896 nach Stockerau kam und, laut einer Inschrift am Altar, von den Wiener evangelischen Clubs- und Tischgesellschaften gewidmet wurde. Ursprünglich stand der Altar in der Sebastianikirche auf der Hauptstraße, die von der evangelischen Gemeinde angemietet und am 29. Juni 1892 als evangelische Kirche eingeweiht wurde. Vorher wurden die evangelischen Gottesdienste im Gasthaus Wild bzw. – als Übergangslösung bis zur Fertigstellung der Arbeiten in der Sebastianikirche – in der Jubiläumsturnhalle, dem heutigen Automobilmuseum, abgehalten. Im Jahr 1938, am 6. November, übersiedelte der Altar in die Lutherkirche (die kurz zuvor umgebaute ehemalige Synagoge) und war dort 75 Jahre in Verwendung. Im Februar 2017 fand er schließlich, nach einem letzten Umzug, seinen Platz im Bezirksmuseum Stockerau.

Mag. Gabriele Gruber-Redl

Eröffnungstermin

Präsentation durch das Presbyterium und Pfarrer Mag. Christian Brost am 28. Februar 2019, 19 Uhr im Bezirksmuseum Stockerau, Belvederegasse 3.

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Tanz als Gebet

Aufgrund der Erfahrungen, die an den regelmäßigen Übungsabenden mit dem Tanz als Gebet in Stockerau gesammelt wurden, entstand der Wunsch, diese Form des „Betens mit Leib und Seele“ in den Gemeindegottesdienst einzubringen. Also werden im aktuellen Kirchenjahr erstmalig auch Gottesdienste mit Sakralem Tanz gefeiert, die von Ulli Bixa mitgestaltet werden.

Den 2. Tanzgottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias durfte ich als Lektorin mit Ulli Bixa vorbereiten und mit der Gemeinde feiern. Das Thema war vorgegeben: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.

Das großteils unvoreingenommene Mitmachen der Gemeinde hat mich fast überrascht. Wenn Gottes Wort – dem wir uns verpflichtet fühlen – Fleisch werden soll, dann darf es auch der Körper sein, der betet. Das wurde doch von vielen angenommen.

Dabei muss ich gestehen, dass ich vor einigen Jahren noch äußerst skeptisch war. Was können denn einfache Schritte im Kreis getanzt schon bewirken?

Ich wurde eines Besseren belehrt. Dass man nämlich sakralen Tanz von außen gar nicht beurteilen kann. Der Tanz mit transzendentem Hintergrund erschließt sich nicht durch Zuschauen oder Sich-erzählen-lassen.

Erste Erfahrungen

Meine erste Erfahrung mit Sakralem Tanz war im Zusammenhang mit dem Thema Sterben auf einem Ausbildungskurs. Das ist ein schweres Thema, und in unserer 21-köpfigen Gruppe gab es einige Menschen, die von diesem Thema persönlich schwer betroffen waren. Sterben, wenn man so will die höchste Stufe des Abschiednehmens, kann man zwar ein Leben lang lernen, aber es ist immer noch tabuisiert. Es wird wenig darüber gesprochen, und daher wird es gerne verdrängt. Nun haben wir uns damals einen Tag lang mit diesem Thema auseinandergesetzt und es galt nun, einen guten Abschluss zu finden. Keine einfache Angelegenheit.

Es wurde ein Kreistanz getanzt. Einer, der den Weg des Lebens mit seinem vorwärts und rückwärts zum Inhalt hatte. Wo das Stehenbleiben vorkam und die Erfahrung, dass auch scheinbar rückwärtsgegangene Strecken uns weiterbringen.

Auf Wunsch der Gruppe wurde dieser Tanz 3 Mal wiederholt. Alle spürten, dass er irgendwie guttat.
Ich hatte folgende Erkenntnis: Da, wo Worte nichts mehr ausrichten können oder schon verbraucht sind, können wir durch unseren Leib Erfahrungen machen. Der Tanz, der das Leben mit all seinen Facetten spiegelte, ermöglichte eine ganzheitliche Erfahrung von Leben und Sterben. Das bedeutet, Trost zu finden.

Im Gespräch

Liebe Ulli, du bist seit vielen Jahren mit dem Sakralen Tanz befasst. Tanzen und Gott. Welche Verbindung gibt es da?

Tanz ist so alt wie die Menschheit selbst. In der hebräischen Bibel gibt es zahlreiche Hinweise auf den Tanz als kultisches Ereignis. Zum Lob Gottes oder als Dankopfer gehörten Musik und Tanz einfach dazu.
Vieles an religiöser Tanztradition ist im Laufe der Zeit verschwunden. Das Bewusstsein für die Bedeutung des Leibes ist verloren gegangen. Die Wiederentdeckung des Leibes gehört daher mit zu den spannendsten Aufgaben im Bereich der Spiritualität. „Eins zu werden mit dem Schritt oder der Gebärde, das hat die gleiche Wirkung wie das Eins Werden mit dem Atem oder dem Laut. Der Körper ist das Instrument in dem Gott erklingt“ (Willigis Jäger).

Noch eine Frage, die unsere Gottesdienstbesucher, die es noch nicht erlebt haben, interessieren könnte: Tanz als Gebet. Was kann man sich darunter vorstellen?

Sakraler Tanz bzw. Tanz als Gebet meint einen Übungsweg, der Gebet in der Bewegungssprache des Körpers lebendig werden lässt. Dieser Weg ist nicht von Leistung bestimmt. Ähnlich wie bei der Meditation liegt der Wert der Übung im Tun selbst. Es sind auch keinerlei Vorkenntnisse notwendig. Es geht um die Bereitschaft der Hinwendung zu Gott und um die Einübung in die leibliche Präsenz.

So wie Gesang gesteigerte Sprache ist, kann der getanzte Gesang höchster Ausdruck des Glaubens sein, indem er das Ausgespannt-Sein des ganzen menschlichen Wesens auf Gott hin verkörpert. Die Erlebniskräfte, die beim Tanzen freigesetzt werden, lassen den Menschen hinauswachsen über das rein Persönliche, indem sie ihn mit dem schöpferischen Grund verbinden. Alle Symbolformen des Sakralen Tanzes eröffnen in ihrem bewegten Nachvollzug die Möglichkeit einer Wandlung des Menschen, der so seine Verbindung mit Gott und das Eingebunden-Sein in die Schöpfung neu erfahren kann.

Für die Glaubenspraxis der christlichen Ökumene bietet der Tanz die Möglichkeit einer einfachen Gebärdensprache, die eingebunden ist in die Form des Kreistanzes. Der musikalische Rahmen, die Bild- und Bewegungselemente sind so aufeinander abgestimmt, dass sie die Glaubensinhalte ganzheitlich vermitteln. Die Erfahrung zeigt, dass auch Nicht-Tanzende am Geschehen teilhaben, sofern sie bereit sind, sich durch die gebotenen Inhalte und Formen innerlich berühren und bewegen zu lassen.

Liebe Ulli, ich danke für das Gespräch.

Wer neugierig geworden ist, kann am 10. März 2019 im Gottesdienst in der Lutherkirche Tanz als Gebet erleben und im Anschluss einige weitere Stunden Erfahrungen mit dem Sakralen Tanz sammeln.

Ulli Bixa, Irmi Lenius

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Vom Präludium zum Tango

Foto: Peter Nagl

Frau Maria Düchler spielt auf dem Akkordeon und Frau Melitta Ebenbauer, eine unserer Organisten, spielt auf der Orgel. Orgel und Akkordeon – davon habe ich noch nie was gehört, und es hat mich neugierig gemacht.

Die beiden Hauptakteurinnen erzählen mir, dass sie bereits im vergangenen Sommer die Idee dazu hatten und die Musikstücke selbst ausgesucht, zusammengestellt und für ihre beiden Instrumente adaptiert haben, da es Akkordeon und Orgel zusammen tatsächlich noch nicht gibt. Weiters erfahre ich, dass Frau Düchler eine Schülerin von Frau Ebenbauer in Orgel- und Kirchenmusik im Studium der Kirchenmusik am Konservatorium in Wien ist.

Und eine dritte Dame wird mir vorgestellt, Frau Olga Shenderman, ebenfalls eine Schülerin von Melitta Ebenbauer. Sie wird kurzfristig bei zwei der Musikstücke den Gesangsteil übernehmen.

Christian Brost gibt zu jedem Stück eine kurze Einführung und ein wenig Hintergrundinfo. Das erste Stück, das wir an diesem Abend hören, ist DER Klassiker der Orgelmusik schlechthin. Johann Sebastian Bach, Toccata in d-Moll, BWV 565. Dieses Stück präsentiert uns Maria Düchler auf der Kirchenorgel. Mit viel Einfühlungsvermögen für ihr Instrument und unter Mithilfe der guten Akustik in Stockerau reichen die erste 7 sehr bekannten Töne, um alle 16 Besucher an diesem Abend sofort in ihren Bann zu ziehen. 

Auf das zweite Stück an diesem Abend, Praeludium und Fuga in E-Dur von Vincent Lübeck, war ich nach dem Lesen des Programms persönlich am meisten gespannt. Vincent Lübeck nahm Unterricht bei so namhaften Lehrern wie Schnitger in Hamburg und hatte selbst wieder enormen Einfluss auf Persönlichkeiten wie J.S. Bach.

Melitta Ebenbauer präsentiert uns dieses außergewöhnliche Stück und bringt die Orgel dazu, Phantasien und Emotionen in ihren Zuhörern zu wecken, wie ich es kaum je von Orgelmusik gehört habe. Die schnellen Wechsel von fröhlich und heiter zu dunkel und traurig sind gekonnt in Szene gesetzt. Die Zuhörer sind versunken in der Musik und in die vor dem inneren Auge gemalten Bilder und können so für den Moment komplett abschalten und nur der Musik lauschen.

Nach diesen beiden klassischen Stücken kommt nun das Akkordeon, gespielt von Frau Düchler, das erste Mal zum Einsatz. Sie präsentiert uns Uttlykt med Damcykel von L. Hollmer. Bei den ersten Tönen des Akkordeons schreckt vielleicht noch so mancher zusammen angesichts der ungewohnten und fremdartigen Töne. Doch mit den typisch nordischen Klängen, der guten Akustik und einer gekonnten Präsentation des Instruments und der schnellen Übergänge des Stückes ist es nicht verwunderlich, dass Frau Düchler ihr Publikum schnell auf ihre Seite zieht und die Köpfe und Füße im Takt mitwippen.

Als nächstes wird „Mozart changes“ von Z. Gardonyi präsentiert. Der berühmte und bekannte Ungar nahm sich Mozarts Klavierkonzert in D-Dur vor und bearbeitete es für die Orgel und hat es gleichzeitig modernisiert und aufgepeppt. Dies ist nun das erste Stück, das beide, Düchler und Ebenbauer, Akkordeon und Orgel, präsentieren. 

Als fünftes Stück des Abends spielt Frau Ebenbauer eine von V. Bräutigam überarbeitete Version des Kirchenliedes „Nun freut euch, liebe Christen’gmein“. Die Sopranistin Olga Shenderman beginnt das Stück mit einem Solo-Gesang. Ihre unglaubliche Stimme in Verbindung mit der tollen Akustik unserer Kirche macht Gänsehaut! Dann setzt das Orgelspiel ein und präsentiert uns Bräutigams Interpretation. Gleichzeitig führt uns Frau Ebenbauer vor, was ein guter Spieler mit unserer tollen Orgel für ein breit gefächertes Repertoire erklingen lassen kann, denn Bräutigams Interpretation hat einen deutlichen Jazz-Einschlag. 

Im sechsten Stück, A. Pizzollas „Liber Tango“ und „Novi Tango“, das von vielen mit Spannung erwartet wurde, erklingen wieder Akkordeon und Orgel gemeinsam. Man kann sofort die deutlichen Tango Argentio-Klänge vernehmen, und so verwandeln sich bildlich Akkordeon und Orgel zu einem eng umschlungen tanzenden Pärchen, das federnd und wiegend auf der Straße in Boenos Aires tanzt- die beiden Instrumente verschmelzen in völliger Harmonie und werden gemeinsam zu etwas viel größerem. Diese Stück war das absolute Highlight des Abends.

Das nächste, weitgehend unbekannte Stück „In dich hab ich gehofft, o Herr“ von J. N. David beginnt wieder mit einer Solo-Einlage der Sopranistin, welche abermals Gänsehaut hervorzaubert. Das Stück selbst präsentiert Frau Ebenbauer auf der Orgel, und es wirkt im Vergleich zum vorigen Stück bleiern und trübsinnig. Doch dann wird es schneller und wird versöhnlich, ganz als wollte uns J. N. David das Bild eines klagenden Betenden beschreiben, der am Ende seines Gebetes mit sich Frieden geschlossen hat, nun da er seine Sorgen und Nöte Gott dem Herrn geklagt hat. So wird die Orgelmusik selbst zu einem Gebet und Ausdruck sowohl für Sorgen als auch für den Frieden.

Als Ausdruck von innerem Frieden und Freude kann man auch das nächste Stück bezeichnen. Frau Düchler präsentiert uns „The Klezmer’s Freilach“, wobei Freilach mit glücklich zu übersetzen ist. Das tolle Publikum heute Abend erkennt das sofort und wippt wieder spontan mit. 

Was Josef Rheinberger für eine Vision im Kopf hatte, als er das folgende Stück schrieb, weis man nicht. Der größten Erfolg hatte „Vision op. 156/6“ wohl in Amerika, wo es häufig in Konzerten gespielt wird. Dieses Stück ist durchaus als fröhlich und romantisch zu bezeichnen; gut, dass unsere Orgel auch solche Klänge zur Verfügung hat, ein Vorteil der Digitalorgel. 

Zum Schluss spielen uns Düchler und Ebenbauer den 3. und 4. Satz der Sonate Nr. 1 in f-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch diese beiden Sätze seiner Orgelsonate erzählen eine Geschichte. So plaudern anfangs noch 2 Stimmen, Akkordeon und Orgel, recht fragend und traurig miteinander, so werden sie doch immer öfter von prächtigen Klängen unterbrochen. Schließlich löst sich aller Zweifel im prächtigen letzten Satz der Sonate auf, aus der die Orgelstimme alleine hervorgeht, regelrecht jubelnd und triumphierend. Der Sieg über Verdruss und Zweifel, über Klagen und Raunzen, malt ein überschwängliches und überquellendes Bild der Freude.

Claudia Lambeck

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