Im Lichte der Auferstehung Pfingsten entgegen …

Lichtweg-Ikone von Leo Pfisterer.

Stille 1/2 Stunde

mit Meditationen
zu der „Lichtweg“-Ikone von Leo Pfisterer

jeden Mittwoch Abend um 18 Uhr
(vom 7. April bis zum 19. Mai 2021)

in der Lutherkirche Stockerau

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Geistliches Wort zu Ostern

Wer sich in Gott einwurzelt, wer sich an Jesu Leben orientiert, stellt sein Lebenshaus auf festen Grund und kann sich darin frei entfalten. Er oder sie kann die Türen und Fenster des Lebenshauses öffnen und die Balance zwischen außen und innen auf gute Weise halten lernen.

Dr. Anna Hennersperger

Fürchtet euch nicht!

Eine Aufforderung, die vom Anfang bis zum Schluss immer wieder in der Bibel vorkommt.

Mit großem Interesse habe ich Ende Jänner die Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten verfolgt, liebe Leserinnen und Leser.

Anders als sein Amtsvorgänger, der – völlig überfordert mit seiner Leitungsfunktion – mit katastrophalen Folgen die ihm anvertrauten Bürger gegeneinander aufgewiegelt hat, wirbt Joe Biden für Einheit und Zusammenhalt statt Gewalt und Verschwörungstheorien in den arg gebeutelten, ganz und gar nicht vereinigten Staaten von Amerika. Er verspricht ein Präsident für alle Amerikanerinnen und Amerikaner zu sein und lädt die Menschen ein, offen und tolerant gemeinsam nach Lösungen für die Probleme zu suchen, statt zornig aufeinander loszugehen und so die Gräben noch zu vertiefen.

Nun ja – Offenheit, Toleranz und Demut stünden nicht nur Amerika und den Amerikanern gut zu Gesicht; diese Tugenden sind mehr denn je weltweit gefragt, weil sie bei der Bewältigung der großen Herausforderungen, vor denen wir alle stehen, unerlässlich sind. 

Mir ist durchaus bewusst, dass mein geistliches Wort nicht die Weltprobleme lösen wird, doch ich möchte unseren Blick weiten und das Lob der Vielfalt anstimmen, die dem Schwarz-Weißdenken im Blick auf nachhaltige Lösungen weit voraus ist.

Die Autoren der Bibel erzählen uns Gott sei Dank immer wieder Geschichten von überraschenden Grenzüberschreitungen in Richtung Andersdenkender und Andersglaubender. So berichtet der Evangelist Matthäus von einer denkwürdigen Begegnung Jesu mit einem römischen Offizier: Als Jesus wieder einmal in dem Fischerdorf Kapernaum am See Genezareth ist, kommt ein Hauptmann auf ihn zu und bittet ihn um Hilfe für seinen kranken Knecht. Dazu muss man wissen, dass die römischen Besatzer in Israel verhasst waren. Sie galten als Heiden, die keinen richtigen Glauben hatten. Kein gläubiger Mensch wollte etwas mit ihnen zu tun haben. Aber dieser römische Offizier bittet demütig: Herr, sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund! Jesus staunt über die Liebe, die hinter dieser Bitte steht, über das Vertrauen und die Demut, die der Bittsteller aufbringt und er erfüllt dem Fremden seine Bitte und heilt den Kranken für ihn.

Für mich leuchtet in dieser wundersamen Geschichte ganz hell auf, was ich für das Evangelium halte, das ich gerne mit den Menschen um mich teile: dass nämlich Gott alle seine Menschen liebt und seine freundliche Zuwendung zu uns keine Schranken und Grenzen kennt. 

Wo wir aus Liebe zum Nächsten über den Tellerrand blicken, unsere Angst vor allem Fremden, vor anders denkenden, anders glaubenden und anders handelnden Menschen überwinden, rühren wir Gottes Herz an und er segnet unser Tun. Wenn wir den Mut haben ihre Andersartigkeit aushalten und gelten zu lassen, hilft Gott uns Gutes zu tun. 

Das ist auch die Erfahrung, die wir als Pfarrgemeinde immer wieder machen, wenn wir den Mut haben unsere Grenzen zu überschreiten:

Ich denke dabei an das Haus Ibrahim, in dem minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge der großen Flüchtlingswelle vor 6 Jahren Schutz und Hilfe fanden.

Ich denke an unsere Friedensgebete mit den Vertretern anderer Konfessionen und Religionen, die uns einen interreligiösen Dialog bescheren, der uns davor bewahrt die anderen so machen zu wollen, wie wir sind. Die Vielfalt der Zugänge zu Gott lässt uns staunen und immer wieder kommt es dazu, dass aus Fremden Freunde werden.

Ich denke an schwule und lesbische Gemeindeglieder, die mit ihrer sexuellen Orientierung in unserer Gemeinschaft willkommen sind und viel Gutes zum Miteinander beitragen.

Wann immer unser christlicher Glaube zu mehr Offenheit und Weite führt, wann immer wir anfangen andere so anzunehmen, wie sie sind und Vielfalt der ängstlichen Abgrenzung vorzuziehen, machen wir neue, wichtige – und in der Regel gute Erfahrungen. 

Denn Gott liebt alle seine Menschen – folgen wir ihm nach!

In diesem Sinne wünsche ich uns ein helles, freundliches und gesundes Frühjahr. 

Ihr Pfarrer Christian Brost

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Abstandsregel schafft Nähe

Pfr, Brost und Pfr. Schipfer (v.l.n.r.)

Da die coronabedingten Abstandsregeln bei den Gottesdiensten in der katholischen Gartenstadtkirche viel leichter einzuhalten sind als in der relativ kleinen evangelischen Kirche in Hollabrunn, sind die beiden Pfarren zusammengerückt. Am Heiligen Abend haben sie in der Gartenstadtkirche gemeinsam die Christvesper gefeiert.

Der evangelische Pfarrer Christian Brost und der katholische Pfarrer Eduard Schipfer leiteten gemeinsam diesen Gottesdienst. Das Bethlehemlicht wurde am Beginn der Feier ausgegeben und erleuchtete die spärlich beleuchtete Kirche. Gerade zu Weihnachten gehört das gemeinsame Singen zur Stimmung dazu, was aber heuer nicht möglich war. Manuela Priester und Markus Hochgerner übernahmen den Kantorendienst und sangen stellvertretend für die Gemeinde. Thomas Priester zauberte an der Orgel Weihnachtsstimmung in den Gottesdienst.

Pfarrer Brost bedankte sich sehr herzlich bei Pfarrer Schipfer und der katholischen Pfarre für die Einladung zur gemeinsamen Feier des Weihnachtsfestes und für die Ermöglichung der beeindruckenden Feier, in der viel Gemeinsamkeit spürbar wurde.

Mag. Eduard Schipfer

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Was machen die Corona-Maßnahmen mit uns?

Und welche Möglichkeiten finden wir, damit gut umzugehen?

Die Pandemie und die von der Regierung gesetzten Maßnahmen beeinflussen unser Leben auf sehr unterschiedliche Art und Weise. So unterschiedlich sie uns betreffen – so unterschiedlich erleben wir sie auch. Wir haben 3 Frauen zur aktuellen Situation befragt. Herta Klune – stellvertretend für die ältere Generation, die schon in Pension ist, häufig alleinstehend mit oder ohne Enkelkindern; Karin Brost – stellvertretend für eine Berufsgruppe, die derzeit ganz besonders gefordert ist, nämlich die KrankenpflegerInnen. Sie arbeitet in einem Landespflegeheim; und schließlich Tina Lauermann – stellvertretend für die kleinen Kinder und auch für ihre KollegInnen, denen die Kinder anvertraut sind. Sie ist Leiterin eines 4-gruppigen Kindergartens in Wien. Die Interviews wurden Anfang Jänner durch Irmi Lenius geführt.

Herta

Wie erlebst du in deinem Umfeld den Einfluss der Corona-Situation und der Corona-Maßnahmen auf die jeweiligen Personen, vor allem, was das soziale Leben betrifft?

HERTA: Ich muss sagen, Corona hat Positives und Negatives. Positiv habe ich es besonders im 1. Lockdown gesehen, dass z.B. meine Nachbarn über den Zaun oder auf der Straße viel offener und freier sprechen konnten. Das war für mich tröstlich.

Was weißt du von anderen? Auch Alleinstehenden?

HERTA: Bei den älteren Leuten sind wenige so positiv eingestellt wie ich. Die meisten waren schon früher negativ und sind es jetzt in der Corona-Zeit geblieben.
Es gehen ihnen Konzerte ab; sie klagen, dass sie die Enkelkinder nicht sehen können, dass sie nicht so reisen können. Ich finde, dass da die älteren Menschen viel kritischer sind als die Jugend. Sie beklagen sich mehr.
Mir gehen schon gewisse Sachen ab, aber ich sage mir, das ist halt jetzt so und so finde ich mich auch zurecht. Meine grundpositive Einstellung ist das, was mir am meisten hilft. 

Warum glaubst du, sind Menschen negativ?

HERTA: Die glauben, dass sie etwas im Leben versäumt haben. Oder sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie an einem Tag etwas nicht erledigen. Ich sage zu meinem Leben, es war ok so, wie es war.

Karin

Wenn du an eure Teamarbeit denkst: Leidet das Miteinander? 

KARIN: Was die Besetzung mit Pflegekräften betrifft, waren wir schon vor Corona am Limit. Das heißt die Besetzung ist nicht krisenfest. Und jetzt in der Ausnahmesituation kommt das zum Tragen.
Unser Miteinander leidet daher extrem. Wir sind gewohnt in einem bestimmten Tagesablauf zu arbeiten, in einer bestimmten Struktur.
Gut, der Tagesablauf ist eigentlich gleich geblieben. Aber der Betreuungsablauf verändert sich jeden Tag. Die Routineabläufe fehlen – und damit die individuelle Betreuung für die Bewohner.

Wieso ist das so?

KARIN: Es werden die Bewohner ständig verlegt; Infizierte in die Quarantäneabteilung, die Gefährdeten woanders hin usw. Die Belegungspositionen verschieben sich ständig.
Das geht so weit, dass manche PflegerInnen sagen, sie können nicht mehr schlafen, weil sie nicht wissen, was sie am nächsten Tag erwartet. Unter dem Druck kommt das Personal schon ins Haus. 
Und bei den vielen positiv Getesteten können wir uns schon ausrechnen, wer das nicht überlebt. Das zehrt auch an der Kraft. Da sind Bewohner, die wir jahrelang betreut haben. Wo wir schon wissen, das sind zarte Pflänzchen. Und jetzt kommt der blöde Virus und … weg sind sie. Das ist echt schiach. Das kommt als psychische Belastung für das Personal noch dazu. 
Das Schlimmste, was dann noch dazu kommt, ist: viele Bewohner sind schon aggressiv auf uns. Wir rennen dauernd mit Masken herum, ständig verkleidet. Sie wissen nicht mehr, mit wem sie es zu tun haben und sind in ihren Zimmern isoliert.
Wenn keine Sonne scheint, so wie es viele Wochen war, sitzen sie im Finstern in ihren Zimmern. 

Tina

TINA: Ich arbeite im Kindergarten mit sehr jungen Kindern ab einem Jahr. Grundsätzlich kann ich sagen, die Kinder sind so drauf, wie ihre Eltern. Sind die Eltern entspannt, dann sind es die Kinder auch. 
Im ersten Lockdown waren nur wenige Kinder da. Ich habe alle Eltern angerufen und die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Von: wir haben noch nie so viel Zeit miteinander gehabt und das ist super bis zu den extrem überforderten Eltern, die an ihre Grenzen gelangt sind. Für Eltern, die ein 2-jähriges Kind bei sich haben, ist es schwierig daneben zu arbeiten. Diese Anspannung spüren alle. Manche Eltern waren damals den Tränen nahe. 
Im 2. Und 3. Lockdown war das anders, da hieß es, jeder darf seine Kinder bringen. Da hatten wir von 21 Kindern pro Gruppe etwa 18. Ich glaube, da haben die Kinder viel Normalität erlebt. Einige, wenige Eltern sind noch panisch, aber das ist eine Minderheit. Die anderen sind eher zu entspannt. Sehen also kaum ein, warum wir Maßnahmen beibehalten.

Welche Auswirkungen bemerkst du im Miteinander der Pädagoginnen?

TINA: Die KollegInnen untereinander haben jetzt weniger Kontakt – sie sehen einander nur bei Online-Besprechungen. Das macht den Austausch, die pädagogische Planung und die kollegiale Beratung schwierig. 
Die Pädagoginnen müssen Schichtdienste machen, weil es keine Sammelgruppen geben soll und daher jede Gruppe während unserer Öffnungszeiten besetzt sein muss. Für die Pädagoginnen ist es also weitaus anstrengender als bisher, weil sie oft mit den Kindern alleine sind. 
Daneben erleben wir, dass Eltern ihre Kinder abholen, um die Ecke gehen und gemeinsam bis zum Abend am Spielplatz bleiben, was unsere Trennung ad absurdum führt.
Den Babyelefanten gibt es im Kindergarten nicht. Unsere Pädagoginnen tragen keine Masken, da die Mimik für junge Kinder besonders wichtig ist. Die Kinder werden getröstet wie bisher. Die Pädagoginnen putzen laufende Nasen und werden von den Kindern angehustet. Trotzdem gibt es derzeit keine regelmäßigen Testungen.
 

Inwiefern verändert Corona die gewohnten Strukturen des Alltags und liebgewonnener Rituale?

HERTA: Dass ich nicht mehr so unbekümmert jemandem begegnen kann. Die Unabhängigkeit beim Inkontaktkommen fehlt mir. Zum Glück habe ich meine Söhne, die mich unterstützen. Das finde ich lieb.
Jeden Tag gehe ich in die Natur. 1 bis 1,5 Stunden gehe ich da den Weg, der mein Schulweg war. Wir haben am Grummethof gewohnt. Da sind die Gedanken frei und ich bin froh, dass ich das machen kann.

Ist das eine Kraftquelle?

Ja, dieses Ritual hat sich intensiviert. Auch wenn man Leute trifft, man grüßt sich. Das ist nett. Man ist nicht so allein.

Wie geht es anderen, was weißt du?

Dass keine GD sind, ist für andere ein Problem. Nicht nur wegen Corona, auch aus gesundheitlichen Gründen.

KARIN: Wir dürfen als Personal zwar gemeinsam Pause machen, aber sitzen dann 3 m entfernt voneinander. Quasi wie isoliert. Uns als Personal wird das Gemeinschaftsgefüge genommen. Und die Bewohner sind seit 31. Dezember alle in ihren Zimmern. 
Über Weihnachten war das noch lockerer. Wir haben als einzige Station Weihnachten miteinander gefeiert. Da haben wir zur Gitarre gesungen, das Weihnachtsevangelium gelesen und die Krippe aufgebaut, Bewohner haben Geschichten oder Gedichte gelesen. Das war echt nett. Aber das war das letzte gemeinschaftliche Ereignis, das wir gehabt haben. Dann haben wir uns noch bemüht, Besucher herein zu lassen. Da ist ein extra Team abgestellt worden – auf unserer Station, damit die Angehörigen Weihnachtsbesuche machen konnten. Da wurden alle getestet zwischen 13 und 18 Uhr und im Halbstundentakt sind die Besucher hereingelassen worden. Damit ein bisschen das Gefühl von Normalität erhalten blieb.

TINA: Hände schütteln zur Begrüßung gibt es nicht mehr. Stattdessen beginnt der Kindergartenalltag mit dem Händewaschen. Das war anfangs irritierend, vor allem für große Kinder, die es schon lange anders gewohnt waren. Jetzt ist es problemlos.
Derzeit haben wir kein offenes Haus, wo Kinder Räume wechseln können. Das hat unser Konzept der Kindergartenpädagogik grundsätzlich etwas verändert. (Anm.d.Red.: alle Kinder konnten sich im ganzen Haus bewegen und auch Kinder der anderen Gruppen treffen – jetzt sind die einzelnen Gruppen isoliert). In jedem einzelnen Gruppenraum muss sich jetzt jeder pädagogische Schwerpunkt wiederfinden. Für die Erwachsenen ist die Veränderung stärker spürbar als für die Kinder, die sich überraschend schnell umgestellt haben. Bereits nach 2 Tagen haben sie nicht mehr nachgefragt, ob sie z.B. in das Bauzimmer gehen dürfen. 

Was kann helfen die Rituale zu halten?

Alle Änderungen funktionieren besser, als wir es vermutet haben.
Die Kinder sind viel anpassungsfähiger als wir Erwachsenen. Wichtig ist, dass man ihnen erklärt, warum was gemacht wird und dass man keine Panik verbreitet. Der wichtigste Job der Erwachsenen ist es, der Fels in der Brandung zu sein, Sicherheit zu vermitteln. Ja schau, wir haben diese Situation, aber das wird auch wieder vorbeigehen und dann können wir wieder so wie früher. Auch wenn es sich zäh anfühlt – irgendwann wird das vorbei sein.

Können das alle Pädagoginnen? Oder gibt es auch unter ihnen die Besorgten, Panischen?

Die gibt es sicher. Die stecken sich gegenseitig mit der Panik an. Ältere Kolleginnen mit Vorerkrankungen betrifft es eher. Aber ich erlebe, dass auch die, die privat panisch sind, das den Kindern gegenüber nicht zeigen, Gott sei Dank.
Klare Ansagen, was zu machen ist, stündliches Lüften usw. ist hilfreich. Es gibt Hygienevorschriften, die so gut wie möglich zu erfüllen sind. Klare Handlungsanweisungen geben Sicherheit.

Wie stark erlebst du Antriebs- und Perspektivenlosigkeit in deinem Umfeld? Kennst du das?

HERTA: Ja, doch, das erlebe ich manchmal bei anderen. Antriebslosigkeit hört man immer wieder heraus.
Noch eher Unzufriedenheit, die hört man, so wie: Das haben wir nicht gebraucht.
Ich selbst habe sie nicht erlebt. Im Gegenteil: ich suche mir immer eine Beschäftigung oder lese. Ich hoffe, dass die Menschheit mit Corona etwas lernt: Aufmerksamkeit den Nächsten gegenüber, dass der Konsumrausch auch nicht glücklich macht und umweltbewusster leben.

Was kann helfen Zuversicht und Optimismus zu erlangen?

HERTA: Man kann nicht direkt raten. Das ist schwierig. Ich rede von mir, wie ich das sehe. Am wichtigsten ist es, miteinander zu reden und einander zuzuhören.

In deinem Leben bist du auch nicht immer auf die Butterseite gefallen?

HERTA: Und dennoch, was jeder daraus macht, das ist unterschiedlich.
Dass man etwas macht ist wichtig. Dass man etwas unternimmt. Wenigstens anrufen.
Wenn man die Menschen mitnimmt, mit ihnen in Kontakt bleibt, wenn Menschen etwas bewegen können, geht es ihnen besser.

KARIN: Jeder kämpft und jeder hofft, dass das Impfen etwas verändern wird; dass es besser wird. Die Impfung ist unsere große Hoffnung.

Der Strohhalm ist die Impfung und andere Strohhalme gibt es gar nicht? Gibt es auch ein „Gemeinsam schaffen wir das“?

KARIN: Schon, da haben wir eine gute Chefin, die sagt, das ziehen wir jetzt durch. Die stärkt uns allen den Rücken. Es gab Kolleginnen, die zusammengebrochen sind. Die sind dagesessen und haben geweint. 

Wie wird dann damit umgegangen?

Dann darfst du einmal heulen und es kommt jemand, der dich tröstet und dann geht es einfach wieder weiter. Es ist ein funktionierendes Team.

Gelingt es dir gegenüber den BewohnerInnen deinen eigenen Frust nicht heraushängen zu lassen?

Das hoffe ich! Ich bemühe mich positive Stimmung zu verbreiten – gerade, weil die Situation so angespannt ist. Aber das ist nicht leicht.

Was hilft dir, Karin, das auszuhalten? Was ist deine Ressource?

KARIN: Das hört sich wie Vertrösten an oder wie Ausblenden, aber so wie ich die Weihnachtstage für mich genossen habe, die Krippe aufgestellt habe in der Kirche und in den Raunächten geräuchert habe. Dieses Ganze, den ganzen Ballast nicht so wichtig nehmen. So wie den Rauch aufsteigen und etwas Neues kommen lassen.
So bleibe ich zuversichtlich, richte mich neu aus und arrangiere mich. Es ist wie ein Erneuerungsprozess – wie beim Räuchern – ich lasse Altes gehen und Neues kommen.

Es ist dieses uralte Ritual, das dir da konkret hilft?

KARIN: Ja, so verliere ich nicht die Bodenhaftung. Ich bleibe geerdet und ausgerichtet. Und das auch im Gebet mit Psalmen, mit meiner täglichen Meditation oder mit Weihnachtsliedern. Auch die stimmungsvollen Weihnachtsgottesdienste in unserer Gemeinde haben mir geholfen. 
Da bin ich reich beschenkt, wenn ich diesen Rückhalt habe. Das ist meine Kraftquelle.

Wie stark erlebst du Antriebs- und Perspektivenlosigkeit in deinem Umfeld?

TINA: Ich habe das nicht beobachtet. Das mag aber auch daran liegen, dass für die Kinder bei uns fast alles normal ist. Auch bei den KollegInnen nicht, weil die ja besonders gefordert sind. Unser Ziel ist es, den Kindern Normalität zu bieten, so weit wie nur möglich.
Mit diesem Ziel kommt es nicht zur Antriebslosigkeit.
Perspektivenlosigkeit ist bei Kindern kein Thema. Bei den KollegInnen schon, weil die Arbeit im Schichtdienst sehr anstrengend ist, da ist man am Limit. Und keiner weiß, wie lange das noch so gehen wird.
Aber: Nicht jeden Tag muss alles perfekt sein. Hauptaugenmerk ist, dass die Atmosphäre für die Kinder stimmt. Entspannte Atmosphäre ist wichtiger als ein toll geplantes Angebot.

Was kann helfen Zuversicht und Optimismus zu erlangen? Was hilft?

TINA: Es hilft, sich klar zu machen, dass es eine Ausnahmesituation ist. Und dass wir im Team füreinander da sind. Wir schauen, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Die Situation wird auch irgendwann zu Ende gehen. 

Was hilft denn dem Team zur Stabilität?

TINA: Wichtig ist, dass jede/r weiß, er/sie ist nicht allein. Wir sitzen alle im selben Boot und wir helfen einander. Jede/r darf kommen und sagen: ich schaffe es nicht mehr. Dann finden wir gemeinsam eine Lösung.
Wir waren schon vorher ein starkes Team. Das hilft uns jetzt sehr.

HERTA: “Darum hoffe auf den Herrn! Sei stark und fasse neuen Mut! Setze deine Hoffnung auf den Herrn.“ (Ps.27,14)

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Stockerau hat einen Friedensplatz

… und er liegt genau vor unserer Kirche.

Wir sind dankbar, dass der Gemeinderat diese offizielle
Namensgebung einstimmig ermöglichte.

Angesichts der Geschichte unserer Kirche als ehemalige und im Nationalsozialismus enteignete Synagoge glauben wir, dass besonders dieser Platz geeignet ist, die Sehnsucht der Menschen nach Frieden widerzuspiegeln.

Unsere pfarrgemeindliche Haltung wird so noch deutlicher nach außen sichtbar: Der Friede beginnt in dir, in mir, in jedem und jeder von uns. Frieden wird nicht ausgerufen, er muss laufend erarbeitet
und gepflegt werden, damit er wachsen kann.

Auf dem Friedensplatz steht die Friedenssäule mit dem Textband: „Es möge Frieden auf Erden werden“. Auf dieser Säule haben schon dutzende Menschen ihrem Friedenswunsch durch das Kleben eines Mosaiksteinchens Ausdruck verliehen. So ist der Friedensplatz auch ein Platz der Hoffnung.

Kurator Gert Lauermann

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Aus dem Presbyterium

Zwar freuen wir uns immer, einander zu sehen, allerdings sind der Kommunikation und der Kreativität im Rahmen von Zoom-Konferenzen auch merklich Grenzen gesetzt.

Im Gemeindeleben mangelt es an öffentlichen Veranstaltungen und daher auch meistens an besonderem Gesprächsbedarf über das aktuelle Gemeindeleben. Dafür aber haben wir deutlich mehr Zeit, uns mit richtungsweisenden Grundsatzfragen zu beschäftigen.

Die Frage nach einer „zeitgerechten“ Verkündigung und der kirchlichen Sprache im Spannungsfeld zur Lebenswirklichkeit in der Gesellschaft hatten wir uns schon oft gestellt. In diesen Monaten erkannten wir, dass Gottes „hauchdünnes Schweigen“ (Wilhelm Bruners) uns eine andere Fragestellung nahe legt: Wo und wie wirkt Gott heute? Wie redet er/sie zu den Menschen?

Für das erste Halbjahr planen wir eine Presbyteriumsklausur zu derartigen Fragen und anderen „Evangelischen Basics“ abzuhalten. Ich bin gespannt, wohin uns das Hören, das Zuhören, führen wird.

Kurator Gert Lauermann

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Weihnachten in Stockerau

Manchmal entstehen unter schwierigen Bedingungen gute neue Lösungen. Solche waren durchaus gefragt, denn auch Weihnachten stand unter den Vorgaben des Corona-bedingten Lockdowns: Abstand-Halten, Maske tragen …

Eine schöne Idee ward bald geboren: Feiern wir Weihnachten doch im Freien! Rasch war der ideale Ort dafür gefunden: der Park des Belvedere-Schlössl, ganz in der Nähe unserer evangelischer Kirche. 

Die Stadtgemeinde unterstützte dankenswerterweise dieses Vorhaben tatkräftig, und so musste „nur“ noch das Wetter mitspielen. Von Früh an regnete es am 24. Dezember, doch eine Stunde, bevor es losging, hörte es auf – die Außentemperaturen waren durchaus erträglich – der Weihnachtsgottesdienst konnte beginnen!

Der Weihnachtsgottesdienst

Also so ein klassischer Gottesdienst war es eigentlich gar nicht, denn wann kann man dabei schon zwei lebendige Eseln begrüßen? Von ziemlich weit her sind diese beiden gekommen (begleitet von der Familie Halbwirth) und haben neben der Krippe Aufstellung genommen – einer Krippe, die ebenfalls lebendig war: Maria und Josef hießen mit Zweitnamen Lisi und Norbert, wie wir im Gespräch der beiden mit unserer Lektorin Irmi Lenius erfuhren.

Aber natürlich wurde auch auf die beiden Eseln Bezug genommen, als Pfarrer Christian Brost eine Weihnachtsgeschichte erzählte, in der zwei ihrer Artgenossen eine wichtige Rolle spielten – so wie auch am Ende dieser Halben Stunde, als sie von den zahlreichen BesucherInnen noch gestreichelt werden durften.

Die Christmette

Sieben Stunden später war es schon längst dunkel geworden, doch das Belvedere-Schlössl war von innen heraus wunderschön beleuchtet. Am Balkon hatte ein Bläserensemble Aufstellung genommen und stimmte uns mit Weihnachtsmusik auf die Christmette ein.

Wir BesucherInnen bekamen Fackeln, die uns ein stimmungsvolles Licht spendeten. Pfarrer Brost hatte anfangs auch eine in der Hand, doch während seiner Ansprache tauschte er diese gegen ein kleines Licht aus. Damit unterstrich er auch symbolisch, dass Jesus nicht als strahlender Held, sondern als ein kleines Licht erschienen ist, um uns Menschen auf Augenhöhe begegnen zu können. 

Zum Abschluss begleiteten die Bläser uns noch bei einem „Stille Nacht“, das in diesem Ambiente – Dunkel, Stille, Fackelschein – die Christmette zu einem stimmungsvollen Abschluss brachte.

Der Weihnachts-Festgottesdienst

Der Weihnachtsgottesdienst am 26. Dezember hat gute Tradition bei uns, für manche ist es DER Gottesdienst zu Weihnachten: Der Trubel ist vorüber, der 24. Dezember klingt noch nach, die Weihnachtsfesttage kommen zu ihrem Abschluss – und zu ihrem Höhepunkt, wenn wir einen solchen Gottesdienst feiern können.

Noch einmal vor dem mehrwöchigen Lockdown waren wir in unserer evangelischen Kirche zusammengekommen, konnten gemeinsam Abendmahl feiern – und wir nahmen Anteil an einer ungemein tollen Predigt, die sich immer wieder wie ein vertrautes Gespräch unserer Pfarrers mit seiner Gemeinde anfühlte, so unmittelbar „traf“ sie uns. 

Wir alle hoffen natürlich, dass wir zu Weihnachten 2021 unsere gottesdienstlichen Veranstaltungen an keinen Lockdown-bedingten Rahmenbedingungen ausrichten müssen, aber wer weiß: Vielleicht wird die eine oder andere so schön gelungene „Besonderheit“ von 2020 uns auch in den kommenden Jahren wieder einmal begegnen.

Andreas Andel

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Menschen des Friedens: Sophie Scholl

In der Rubrik Menschen des Friedens möchten wir Ihnen diesmal eine junge Frau vorstellen, die unerschrocken und charakterfest gegen die furchtbare Ideologie des Nationalsozialismus gekämpft und dafür mit ihrem Leben bezahlt hat. Gemeinsam mit ihrem Bruder Hans gehörte Sophie Scholl (9. Mai 1921 – 22. Februar 1943) zur Widerstandsgruppe der Weißen Rose, die mit der Hinrichtung ihrer Mitglieder 1943 zerschlagen wurde. 

Vor 100 Jahren, im Mai 1921, kommt in dem schwäbischen Städtchen Forchtenberg Sophie Scholl zur Welt. Sie ist das vierte Kind der ehemaligen Diakonisse Lina und ihres zehn Jahre jüngeren Ehemannes, des Verwaltungsbeamten und frisch zum Bürgermeister gewählten Robert Scholl. Sophie wächst gemeinsam mit ihren Geschwistern Inge, Hans, Elisabeth und Werner, sowie ihrem Halbbruder Ernst in der nicht leichten Zeit nach dem 1. Weltkrieg auf. Beide Eltern sind entschiedene Kriegsgegner, dass ihr Mann sich von der Kirche gelöst hat stört Lina nicht – sie betet mit den Kindern und geht mit ihnen am Sonntagvormittag zum Gottesdienst in die evangelische Michaelskirche. So ausgerüstet können die Kinder als junge Erwachsene das Christentum neu für sich entdecken.

Als Jugendliche tritt die burschikose Sophie feierlich dem Bund Deutscher Mädel (BDM) bei. Sie glaubt an das von den Nationalsozialisten propagierte Gemeinschaftsideal, bringt es bis zur Gruppenführerin und ist für 120 Mädchen verantwortlich. Ob die Hiltlerjugend ihr außer der Möglichkeit sich auf Fahrten auszutoben noch etwas anderes gibt, wissen wir nicht. Schon wenige Jahre später spielt sie jedenfalls für ihr Leben keine entscheidende Rolle mehr. Als Erwachsene wird sie zur entschiedenen Gegnerin des Hitlerregimes.

Ein harter Geist und ein weiches Herz

Das Jahr 1937 ist ein wichtiges Jahr für Sophie Scholl: sie wird konfirmiert und beginnt mit dem Tagebuchschreiben. Ihre Aufzeichnungen spiegeln das Bild einer jungen Frau, die die Natur liebt und für ihre Schönheit empfindsam ist. Ihr christlicher Glaube spielt für sie eine wichtige Rolle, doch er ist umkämpft: immer wieder hadert sie mit Gott und ringt verzweifelt um ein Zeichen von ihm. In diesem Jahr verliebt sich die 16-jährige in Fritz Hartnagel, den vier Jahre älteren Sohn eines Ulmer Kleinunternehmers. Während seiner Offiziersausbildung und auch später als er im Feld ist, blieben beide brieflich in Verbindung. 

Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist aus dem fröhlichen und lebenshungrigen Mädchen eine junge Frau geworden, die ganz klare Vorstellungen von dem hat, was richtig und was falsch ist. In den Briefen an ihren Freund wird Sophies bedingungsloser Pazifismus sichtbar: 

Nun werdet ihr ja genug zu tun haben. Ich kann es nicht begreifen, dass nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und finde es entsetzlich. Sag nicht, es ist fürs Vaterland.

Aus einem Brief Sophies an ihren Freund

Sie schreibt ihm auch, er solle den Krieg überstehen „ohne sein Geschöpf zu werden“. Immer wieder taucht in ihrer Korrespondenz ein Zitat des französischen Philosophen Jacques Maritain auf: ‚Il faut avoir l’esprit dur et le cœur tendre.‘ (‚Man muss einen harten Geist und ein weiches Herz haben‘). 

Im März 1940 macht Sophie Scholl ihr Abitur und beginnt anschließend eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Weil diese Ausbildung aber nicht als Ersatz für den Reichsarbeitsdienst (RAD) anerkannt wird, muss sie im Frühjahr 1941 zum RAD nach Krauchenwies bei Sigmaringen und anschließend zu einem sechsmonatigen Kriegshilfsdienst, in dem sie einen NS – Kindergarten in Blumberg bei Donaueschingen leitet.

Das Krisenjahr 1941

Das Jahr 1941 ist für Sophie ein Krisenjahr. Der Zweite Weltkrieg tobt und beunruhigende Nachrichten von Kriegsgräueln erreichen die Menschen, die sie hören wollen.

Lesend sucht Sophie Orientierung, und Antwort auf ihre Lebensfragen in schwieriger Zeit. 

Sie liest die Werke von Autoren, die nicht mit den Nationalsozialisten gemeinsame Sache machen, jedoch in Deutschland geblieben sind: Hans Carossa, Werner Bergengruen und Reinhold Schneider. Neben ihrer Augustinus-lektüre beeindruckt Sophie auch das Buch ‚Tagebuch eines Landpfarrers‘ von Georges Bernano. Sie will den Glauben, den das Buch vermittelt, „für ihr Leben erschließen“. Doch es fällt ihr nicht leicht Gott zu vertrauen. 

Das Jahr endet für sie in tiefer Verzagtheit. Ihrem Tagebuch vertraut sie an: 

Ich kann es nicht, Gedanken nüchtern aufzeichnen; das alles, was ich früher besaß, das kritische Sehen, ist mir verloren gegangen. Bloß meine Seele hat Hunger, o das will kein Buch mehr stillen.

Aus dem Tagebuch

Die Flugblätter der Weißen Rose

Im Juni 1942 bezieht Sophie eine Studentenzimmer in München nahe dem Englischen Garten und beginnt Biologie und Philosophie zu studieren. Ihr Bruder Hans, der an der Ludwig-Maximilians-Universität Medizin studiert, ist ihr eine große Hilfe beim Einleben in dieser neuen Welt. Hans ist „ein guter Bruder für mich, ich gewinne ihn immer lieber“.

Durch Hans lernt Sophie Studenten kennen, die sie in ihrer Ablehnung der NS-Herrschaft bestärken. Obwohl ihr Bruder sie aus dem Zirkel der Widerständler gegen das national-sozialistische Regime heraushalten will, gelingt es Sophie, sich der Gruppe anzuschließen. 

Als Sophie zum ersten Mal ein Flugblatt der ‚Weißen Rose‘ in der Hand hält, liest sie endlich das, was sie selbst auch denkt: die Deutschen leben unter einer verbrecherischen Diktatur, gegen die sie sich wehren müssen. Sophie braucht nicht lange, um herauszufinden, dass das Flugblatt von ihrem Bruder Hans stammt. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Alexander Schmorell hat Hans vier Flugblätter verfasst, die zu klaren Entscheidungen gegen die Diktatur Hitlers aufrufen. Auf Matrizen getippt, werden diese anfangs in einer Auflage von 1000 Stück an Freunde, Bekannte und an Münchner Bürger geschickt, deren Adressen aus dem Telefonbuch stammen. Die Autoren hoffen, dass die Flugblätter weitergeben werden; sie rechnen nicht damit, dass ein Drittel der Empfänger diese sofort zur Polizei bringt.

Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique regieren zu lassen. Ist es nicht so, dass sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung schämt, und wer von uns ahnt das Ausmaß der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten? 

Der erste Satz des ersten Flugblatts

Als einzige Widerstandsgruppe in der NS Zeit klagt die Weiße Rose den Holocaust öffentlich an: „… als Beispiel wollen wir die Tatsache anführen, die Tatsache, dass seit der Eroberung Polens dreihunderttausend Juden in diesem Land auf bestialischste Art ermordet worden sind… Auch die Juden sind doch Menschen – man mag sich zur Judenfrage stellen, wie man will – und an Menschen wurde solches verübt.“

Im Widerstand

Die Mitglieder der Weißen Rose verschicken ihre Flugblätter per Post, legen sie in Telefonzellen und geben sie zur Verteilung an Kommilitonen in anderen Städten. 

Im Januar 1943 ist Sophie Scholl, die inzwischen gemeinsam mit ihrem Bruder eine kleine Hinterhauswohnung bezogen hat, erstmals an der Herstellung eines Flugblattes beteiligt. 

Das neue Domizil der Scholls wird schnell zum beliebten Treffpunkt des Freundes- und Widerstandskreises. Sophie hat inzwischen eine wichtige Funktion in der Weißen Rose: sie besorgt Papier und Briefmarken und tippt die Adressen auf die Umschläge. 

Das fünfte Flugblatt beginnt mit einem Aufruf an alle Deutschen „den Mantel der Gleichgültigkeit“ zu zerreißen und endlich Widerstand zu leisten. Es wird in einer Auflage von 6000 bis 9000 Stück hergestellt und auch in Köln, Stuttgart, Berlin und Wien verteilt. 

Die Flugschriften erregen inzwischen Aufsehen und führen zu einer intensivierten Fahndung nach den Urhebern. Die Gestapo vermutet die Autoren der Flugblätter in Münchner Studentenkreisen. 

Die Katastrophe von Stalingrad Anfang Februar 1943 ist der Auslöser für das sechste Flugblatt: „Im Namen der ganzen deutschen Jugend fordern wir von dem Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut des Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat.“ Die Begriffe Freiheit und Ehre müssen den Nazis entrissen werden, die sie „bis zum Ekel ausgequetscht, abgedroschen, verdreht“ haben. Durch Helmuth James Graf von Moltke gelangt das Flugblatt nach Großbritannien. 

Im Herbst 1943 wird es dort nachgedruckt und hunderttausendfach von britischen Flugzeugen über Deutschland abgeworfen.

Das Ende der Weißen Rose

Am 18.2.1943 verteilen Sophie und ihr Bruder 1700 Exemplare des Flugblattes in der Münchner Universität, „weil wir die Auffassung vertraten, dass die meisten Studenten revolutionär und begeisterungsfähig sind, sich vor allem aber etwas zu unternehmen getrauen“. Bei ihrer Aktion werden sie vom Hausschlosser und Hörsaaldiener Jakob Schmid entdeckt und festgehalten. Nach mehrstündigem Verhör durch den Universitätssyndikus Ernst Haeffner und den Rektor der Universität, Professor Walther Wüst, werden beide von der Gestapo festgenommen und inhaftiert.

In der Münchner Gestapo-Zentrale im Wittelsbacher Palais in der Brienner Straße wird Sophie Scholl durch Kriminalobersekretär Robert Mohr vom 18. bis 20. Februar verhört. Wie sich aus dem Vernehmungsprotokoll der Gestapo ergibt, versucht sie konsequent, ihre Freunde zu schützen, indem sie sich und Hans als die Hauptakteure darstellt.

Allerdings ist inzwischen Christoph Probst verhaftet worden – nachdem Polizeibeamte den Entwurf des 7. Flugblattes der Weißen Rose, den Hans Scholl bei seiner Verhaftung bei sich gehabt und zu vernichten versucht hat, wieder zusammengesetzt hatten.

Am Montag, den 22. Februar, werden Sophie und Hans Scholl, sowie Christoph Probst vom Präsidenten des Volksgerichtshofes Roland Freisler wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Die 21-jährige Sophie Scholl schreibt in schönster Schrift das Wort ‚Freiheit‘ auf die Rückseite ihrer Anklageschrift und stirbt wenige Stunden später unter dem Fallbeil.

P.S.: Im April fand der zweite Prozess gegen die Weiße Rose statt, nach dem Alexander Schmorell und Professor Kurt Huber in Stadelheim enthauptet werden. Im Oktober wird Willi Graf von den Nazis ermordet. Bis zuletzt hat die Gestapo erfolglos versucht, mehr Informationen aus ihm herauszupressen.

Dieses Portrait ist in Anlehnung an die sehr lesenswerte Biographie von Maren Gottschalk ‚Sophie Scholl – Wie schwer ein Menschenleben wiegt‘ (erschienen bei C.H.Beck) entstanden.

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Biodiversität im Ackerbau – geht das?

Die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde – dazu zählt die Vielfalt der Lebensräume, die Vielfalt der dort lebenden Tiere und Pflanzen und deren genetische Vielfalt- nennt man „Biologische Vielfalt“ oder kurz genannt „Biodiversität“. Vielfalt heißt Leben, Vielfalt  heißt Stabilität, Vielfalt heißt Vorsorge. Biologische Vielfalt ist die Voraussetzung für unser Leben und Überleben.

Und was kann die Landwirtschaft dazu beitragen?

Stockerau zählt zu den Trockengebieten Niederösterreichs, mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 520 Liter (mm) pro Quadratmeter. Diese geringen Regenmengen erfordern eine Minimierung der Bodenbearbeitung, Maximierung der Pflanzenvielfalt, die den Boden geschützt und das ganze Jahr lebende Wurzeln im Boden halten.

Unsere Schwerpunkte im Ackerbau sind Frühkartoffel, Kürbis, Mais und Getreide für Lebensmittel sowie Saatguterzeugung (Weizen, Mais und Leguminosen). Wir achten auf eine abwechslungsreiche Fruchtfolge.

Wie werden Nützlinge im Ackerbau geschützt?

Ca. 50 % der Flächen werden nach der Ernte der Hauptfrüchte mit Begrünungsmischungen aus verschiedenen Arten von Leguminosen (Hülsenfrüchte), wie Wintererbse, Platterbse, Sommerwicke und Winterackerbohne und vielen anderen Pflanzen „begrünt“. Diese Gemenge sind vitaler und stabiler als Monokulturen. Der Rest wird mit Wintersaaten (Winterungen) wie Weizen, Roggen oder Triticale bebaut. Das heißt, unsere Felder überwintern praktisch zur Gänze bewachsen. Genau damit wird das Bodenleben – von Regenwürmern bis zu den Pilzen und Bakterien – auch über den Winter „gefüttert“. Nährstoffauswaschung und Bodenerosion werden damit verhindert und das Grundwasser wird geschützt.
Unsere großen Felder werden in Schläge geteilt. Zwischen diesen Schlägen wird Nützlingen durch Blühstreifen eine Heimat gegeben. Randstreifen werden gezielt angelegt und Waldbegleitstreifen stillgelegt. Damit wird der natürliche Pflanzenschutz gefördert und vielen Wildtieren und Insekten eine Heimat gegeben. 

Behutsame Bodenbearbeitung ist wichtig!

Die Bodenbearbeitung erfolgt nach der Ernte so oft wie notwendig und so flach wie möglich, um die Ernterückstände gut in den Boden einzumischen. Die „wichtigsten“ Geräte dabei sind ein Spaten und eine Sonde zur Überprüfung der Notwendigkeit von Maßnahmen. Der Herbstanbau der Winterungen erfolgt sehr oft in Direktsaat, eine tiefere Bearbeitung mit dem Pflug kommt nur mehr im Notfall zum Einsatz. Im Spätherbst oder im zeitigen Frühjahr werden die abgefrosteten Begrünungen gewalzt, um die Pflanzen für die bessere Verrottung mürbe zu machen. Gibt es im zeitigen Frühjahr noch Bodenfrost kann auf den Böden ohne Bodenverdichtung ein Grubber (eine Art schwere Egge) zum Einsatz kommen, um die Reste der Zwischenfrüchte in den Boden einzumischen. Sind die Begrünungen sehr stark entwickelt, erfolgt auch ein flacher Umbruch mit der Fräse.

Wir düngen mit Pferdemist, Luzernegrünschnitt und zugekauftem Biodünger. Außerdem bringen die angebauten Leguminosen Stickstoff in den Boden. „Wir düngen nicht die Pflanzen, sondern den Boden“ (W.Hartl, Bioforschung Österreich)

Beim Pflanzenschutz steht das Vorbeugen im Vordergrund. Alle Kulturmaßnahmen sind so gewählt, dass die Pflanzen gesund und widerstandsfähig sind. Es kommen lebende Organismen (Nützlinge, Bakterien), biologische Präparate und Pflanzenstärkungsmittel zum Einsatz.

Bei Un(Bei)krautregulierung gilt der wichtige Grundsatz: Ursachen beheben statt Symptome bekämpfen. Besonders mit durchdachter Fruchtfolge, kombiniert mit sorgfältiger Bodenbearbeitung kann man massenhaftes Auftreten von Beikräutern verhindern. Neben den vorbeugenden Maßnahmen kommen mechanische Maßnahmen zum Einsatz, hauptsächlich mit Striegel und Hackgeräten, im Notfall auch mit „menschlicher“ Hacke, bei uns sch(m)erzhaft „Scheronal“ genannt. Im Biolandbau wird aber nicht der „reine Tisch“ angestrebt. Man muss nicht immer das Neue suchen. Oft reicht es, das Bestehende zu verbessern und etwas Vergessenes frisch zu etablieren!

Einer unserer Grundsätze, frei nach John F. Kennedy, lautet: Frage nicht, was dein Boden für dich tun kann, sondern was du für deinen Boden tun kannst.

Die Biodiversität dankt es uns. Zwar nicht mit Rekorderträgen, aber mit zunehmend krisenfesten Ernten in schwierigen Zeiten eines spürbaren Klimawandels.

Unsere Familie bewirtschaftet schon in 5. Generation einen Ackerbaubetrieb in Stockerau, der 1999 auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt wurde. Die Betriebsführer sind unser Sohn Stefan und seine Frau Doris. Mein Mann und ich sind mittlerweile in Pension.

Renate Schmidt

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Wir feiern wieder Gottesdienst!

Wir feiern Gottesdienst – endlich ist das wieder möglich!

Selbstverständlich halten wir alle Corona-bedingten Schutzmaßnahmen strikt ein.
Bitte nehmen Sie daher Ihre FFP2 Maske mit!

Die Gottesdiensttermine finden Sie wie immer in unserer Terminübersicht.

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