Geistliches Wort

(Foto: pixabay.de)

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Matthäus 6,6

Kein Whatsapp, keine SMS, keine Musik, kein Anruf
kein Fernsehen
kein Buch
überhaupt nichts tun
nur dasitzen
da sein
untätig und unnütz
nicht weglaufen
bleiben
standhalten
aushalten
wie der Fels in der Brandung
ein Grashalm im Herbstwind
der Baum im Winter
oder das Tau beim Ziehen.
Der flüchtigen Seele den Schritt verbieten:
Bleib hier,
um Gottes willen!
Der Schatz liegt tiefer
als alles, was Angst macht.
Die Lösung
liegt hinter dem Sturm
und hinter dem Beben
und hinter dem Feuer.

Johannes Lieder: Stille Nacht
(aus: herzoffen – Inspirationen zur Zukunft der Religionen)

Mit diesen beiden Texten möchte ich Sie alle herzlich grüßen und Ihnen auch im Namen das ganzen Redaktionsteams einen gesegneten Advent und ein fröhliches Weihnachtsfest wünschen!

Durch Zufall bin ich auf ein wunderbares Buch gestoßen mit dem Titel „Slow – die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben“, und weil meine Frau immer mahnt: „Mach langsam!“, hab ich mir’s gekauft und diesen Kauf keine Sekunde bereut.

Kurzweilig und treffend analysiert Winfried Hille, der Autor des Buches, das Immer-mehr, Immer-schneller-in-immer-kürzerer-Zeit und das Möglichst-viel-auf-einmal in unserer schnelllebigen Zeit und Welt.

Wir leben im Online-Zeitalter und sind dabei zu verlernen, offline zu gehen.

Wir schaffen es immer schlechter, die Bedürfnisse unserer Seele zu ihrem Recht kommen zu lassen. Längst ist es soweit, dass Viele dem normalen Bedürfnis nach Erholung nicht mehr ohne schlechtem Gewissen nachgehen können. Wer so lebt, in dessen Alltag werden Momente der Lebensfreude immer seltener.

Wie schaffen wir es wieder, offener für das Leben zu werden?

Offener für das Leben in seiner ganzen Fülle, für unsere Freunde, für uns selbst, für die Natur? Wie schaffen wir es, uns den Wundern der Offline-Welt hinzugeben, einen eigenen Zeitrhythmus zu finden, das Hamsterrad zum Stillstand zu bringen? Davon erzählt der wunderbare Text von Johannes Lieder.

Es geht darum, im Alltagsgetriebe innezuhalten und unsere tiefsten Bedürfnisse wahrzunehmen. Still werden, zur Ruhe kommen, entdecken, dass alles, was ich an guten Gedanken brauche, längst da ist in mir. Es geht darum, in der Stille Kontakt aufzunehmen zu Gott, der in jedem Menschen wohnt. Den eigenen Atem zu spüren als Lebenskraft und die Nähe Gottes, seine Liebe, seinen Geist.

Es geht darum, den Schatz zu heben, der im Gottvertrauen liegt. Als Gottes Kinder dürfen wir mit seiner Hilfe rechnen, Angst und Enge abschütteln und frei werden zum Handeln in unserer Zeit und Welt.

Dabei spielt die Gemeinschaft mit anderen eine wichtige Rolle.

Sie gibt uns Rückhalt und Zuversicht. Gemeinsam entwickeln wir Ideen, miteinander setzen wir um, was wir als gut erkannt haben.

Ich wünsche uns von Herzen, dass es uns gelingen möge, im neuen Jahr 2020 den Schatz der Gottesnähe zu entdecken und miteinander zu heben.

Einen guten Start in dieses neue Jahr wünscht
Ihr Pfarrer Christian Brost

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DEMNÄCHST: Vorweihnachtliches Musikschulkonzert am 6. Dezember

Zum nunmehr sechsten Mal lädt die Musikschule Stockerau am Freitag, den 6. Dezember 2019 um 19 Uhr zum mittlerweile Tradition gewordenen vorweihnachtlichen Konzert in die Evangelische Lutherkirche ein.

Ensembles aus Lehrern und Schülern und Instrumentalisten werden mit Blockflöten, Gitarre, Klavier, Klarinette u.a. traditionelle weihnachtliche wie auch barocke, klassische und zeitgenössische Musik im stimmungsvollen Ambiente der Kirche zum Besten geben.  

Musikschule und Pfarrgemeinde freuen sich auf zahlreichen Besuch!

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Der Friede wächst

Bläst du in die Funken, wird ein Feuer daraus; doch spukst du auf sie, verlöschen die Funken; und beides kann aus deinem Munde kommen. 

Sirach 28, 12

Ist Ihnen aufgefallen, dass die farbigen Steine auf unserer Friedenssäule immer mehr werden? Das bunte Mosaik zeugt inzwischen von einer ganzen Menge Menschen, in deren Herzen der Wunsch nach Frieden wächst.

Einige Steine kamen im September dazu, als der Gemeinderat der Stadt Stockerau über Einladung der Bürgermeisterin Andrea Völkl an einer interreligiösen Friedensandacht teilnahm. Am Ende der Andacht klebten ganz verschieden denkende Menschen verschiedenster Religionen und Weltanschauungen „ihren“ Stein auf die Säule – als gemeinsames Zeichen, sich für Frieden in Stockerau und in der Welt einsetzen zu wollen.

Von jeder im Gemeinderat vertretenen politischen Partei war jemand da, als der katholische Pfarrer Tom Kruczynski und der evangelische Pfarrer Christian Brost für das Christentum sprachen. Der Friede will in uns beginnen, um von da aus ausstrahlen zu können.

Der als Gast in Stockerau weilende tibetische Mönch Lama Nima wünschte der Welt und Stockerau auf Englisch Frieden. Im orangegelben Mönchsgewand stand er vor uns, die personifizierte Freundlichkeit und mit offenem Herzen. Dann schloss er die Augen, und ungewohnter Gesang erfüllte den Platz vor der evangelischen Kirche. Der Mönch betete singend um Segen und Frieden. 

Ali Öktem sprach für den Islam. Und es war schon etwas Besonderes, als der moslemische Hodscha (Imam) Naim Gümüser anschließend singend Koranverse auf Arabisch rezitierte.

Ich fragte mich, ob es so etwas Ähnliches in Stockerau bisher jemals gegeben hatte: die hohe Politik einem musikalisch betenden, tibetischen Mönch und einem zur Ehre Gottes singenden Imam und christlichen Worten der Bibel andächtig lauschend, vor einer ehemaligen Synagoge im Wunsch nach Frieden vereint.

Alle drei Weltreligionen Islam, Buddhismus und Christentum treten für den Frieden ein.

Alle beteten dafür, dass bei uns und in uns Friede beginnen möge. Jede Religion tat das auf ihre Art, ohne den anderen Religionen dabei ihre Berechtigung abzusprechen. Es war offenbar, dass in diesen Minuten alle dankbar dafür waren, dass (auch) „die Anderen“ da waren und mitfeierten, Christen und Moslems, Freiheitliche und Grüne, Sozialdemokraten und türkis-schwarze Volksvertreter, Männer und Frauen usw.

An diesem Nachmittag wuchs der Friede tatsächlich – nicht an der Säule, sondern in den Herzen.

Es freut uns sehr, dass der Stadtrat unter dem Eindruck der Friedensandacht tags darauf dem Platz vor der evangelischen Kirche über unseren Wunsch offiziell den Namen „Friedensplatz“ gab.

Kurator Gert Lauermann

Veröffentlicht unter Gott & die Welt, Oekumene

Erntedank – macht Ernte krank?

Alex Wanas

Wenn man – so geschehen beim Vortrag „Erntedank – macht Ernte krank“ von Alex Wanas – vor Augen geführt bekommt, was Agrar- und Lebensmittelindustrie konkret bedeuten und verursachen, dann könnte man vor Verzweiflung den Kopf in den Sand stecken. Zu groß ist der Zweifel, sinnvolle Maßnahmen setzen zu können, die die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen. Aber gleich vorweg: Jede und jeder von uns trägt mit seinem Konsumverhalten zu einer mehr oder eben weniger belastenden und ressourcenvernichtenden Agrar- und Lebensmittelindustrie bei. Ob uns das bewusst ist oder nicht.

Es wird das produziert, was wir kaufen.

Was ist denn das Bedenkliche und umweltschädigende an der modernen Agrarindustrie und Lebensmittelproduktion?
Da ist zuallererst die Inanspruchnahme von Land, auch von Regenwald, für Monokulturen wie Soja- oder Palmölplantagen. Nicht nur, dass diese Monokulturen die Biodiversität zerstören, oftmals massiver Einsatz von Pestiziden und synthetisch hergestellten Düngemittel erfolgt, werden dadurch oft auch Kleinbauern ihrer Existenzgrundlage beraubt.

Und dann ist die Sache mit der wertvollsten Ressource der Natur, der Energie – einem Herzensthema von Alex.

Wir alle sind uns einig, wenn wir mit etwas äußerst sorgsam und sparsam umgehen müssen, dann ist das Energie. Und dennoch nehmen wir in Kauf, dass die weltweite Intensivtiermast eine der am meisten Energie verschwendenden Industrien überhaupt ist. Bei der Umwandlung von pflanzlicher Nahrungsmittelenergie in tierische Nahrungsmittelenergie – und das ist die Fleisch- und Michproduktion – geht der größte Teil der Nahrungsmittelenergie verloren. Soviel, dass man laut der Organisation „Brot für die Welt“ mit dieser verlorenen Energiemenge Jahr für Jahr 3,5 Milliarden (!) Menschen ernähren könnte. Wir könnten mit rein pflanzlicher Ernährung knapp die Hälfte der Menschheit zusätzlich ernähren.

In konkreten Zahlen heißt das, dass von 100 Kalorien pflanzlichen Ursprungs bei der Produktion eines klassischen und saftigen Schnitzels rund 80 % dieser Energie verloren gehen, weil dieses Schnitzel uns dann nur mehr 20 Kalorien liefert. So gesehen eine verantwortungslose Energieverschwendung, tagtäglich auf unseren Tellern.

Was können wir tun?

Einmal mehr hörten wir: möglichst wenig tierische Produkte, und wenn, dann BIO – SAISONAL – REGIONAL!

Und Alex plädierte für eine Werteverschiebung: weg von „mein Haus, mein Auto, meine Yacht“ hin zu „mein Gärtner, mein Bäcker, mein Bauer“: je regionaler und kleinstrukturierter, desto so besser!

Er stellte auch Initiativen, wie Urban Gardening, Transition Towns, Gemeinschaftsgärtnerei, Solidarische Landwirtschaft vor, wo Menschen sich zusammentun, um selber Gemüse anzubauen oder Strukturen entstehen, die kleinbäuerlich, lokal erzeugte Nahrung für ganze Ortschaften, ja sogar Städte ermöglichen.

Vielleicht gibt es ja auch in Stockerau kreative Menschen, die so ein Gemeinschaftsprojekt angehen. Aber jeder einzelne kann schon etwas beitragen: im eigenen Garten etwas anbauen, auf der Terrasse ein Hochbeet errichten. Es braucht nicht einmal einen Garten: Schon ein paar Töpfe auf dem Balkon können genutzt werden. Jeder Kilo selbst produziertes Bio-Gemüse entlastet die Umwelt in Bezug auf Transport, Verpackung, Pestizide und Bodenverlust und kann ein, wenn auch kleiner, Beitrag zum Klima- und Umweltschutz sein.

Ein herzliches Danke dem Vortragenden Alex Wanas, der mit viel Herzblut sein Wissen unter die Zuhörerschaft zu bringen verstand. Es braucht Anstöße und Aufklärung wie solche durch Alex, aber auch das Aufzeigen von Alternativen und Möglichkeiten und nicht zuletzt das Mutmachen für die notwendigen Veränderungen.

Irmi Lenius

Veröffentlicht unter Gott & die Welt, Veranstaltungen

Eine Reise nach Transsilvanien

Evangelische Kirche in Gürteln

Transsilvanien – zu Deutsch „Hinter dem Wald“ – ist die ursprüngliche Bezeichnung von Siebenbürgen. Diese Region im Karpartenbecken Rumäniens zählt zu den ältesten deutschsprachigen Siedlungsgebieten Europas. Als Bollwerk gegen feindliche Einfälle aus dem Osten wurden ab dem 12. Jahrhundert im mehreren Etappen deutschsprachige Bevölkerungsgruppen in dem bis dahin nahezu unbesiedelten Land ansässig.

Zur Geschichte Siebenbürgens

Die letzte große Besiedelungswelle geschah im Zuge der Gegenreformation. Da in Siebenbürgen weitgehend Religionsfreieit gegeben war, wurden aus den habsburgischen Ländern evangelische Christen dorthin zwangsweise abgesiedelt und konnten ihren Glauben relativ frei leben. Siebenbürgen wurde so zu einem überwiegend durch evangelische Bevölkerung geprägten Land.

Ab dem 19. Jahrhundert nahm die deutschsprachige Bevölkerung ständig ab. Nach dem 1. Weltkrieg und dem Zerfall der k.u.k Monarchie begann für die deutschsprachige Bevölkerung die allmähliche Auflösung der eigenständigen Kultur. Siebenbürgen wurde durch gezielte Ansiedelungspolitik aus dem Rest Rumänien seiner gewachsenen Kultur beraubt. In Folge des 2. Weltkrieges gerieten 30.000 Siebenbürger Sachsen in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Ende der 1950er Jahre setzte die Familienzusammenführung mit den schon in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen ein. Eine nicht endende Auswanderungskette entstand, die sich seit der Mitte der 1970er Jahre zu einer regelrechten Emigrationswelle steigerte. Vor der Revolution 1989 zählte Siebenbürgen noch 115.000 Sachsen. Binnen weniger Jahre wanderten davon 90.000, vor allem nach Deutschland, ab.

Die aktuelle Lage der evangelischen Gemeinden

Kurz vor Beginn des Gottesdienstes

Unsere Gemeinde hat seit Jahren Kontakt zur evangelischen Gemeinde von Großschenk im Kreis Brasov. Im September besuchten einige unserer Presbyter Großschenk für ein paar Tage und sammelten Ihre Eindrücke auch in den umliegenden Gemeinden.

Die 246 evangelischen Gemeinden haben insgesamt etwa 13.000 Mitglieder, durchschnittlich also 53, deren Altersdurchnitt weit über 60 liegt. Gerade in den dörflichen Gegenden ist damit ein Gemeindeleben nicht möglich. Gottesdienste finden selten statt. Verantwortliche in den Gemeinden setzen zwar all Ihre Kräfte ein, jedoch in dem Wissen, dass es keine langfristigen Zukunftsperspektiven gibt.

Orgel in Großschenk

Hinzu kommt vielerorts die finanzielle Belastung durch historische Bauwerke, bei denen oft Besitz- und Nutzungsrechte nicht geklärt sind. Von den 150 Kirchenburgen und Wehrkirchen stehen (nur) 7  unter Schutz als UNESCO-Weltkulturerbe. Viele der Kirchen, Schulen und Pfarrhäuser sind dem Verfall preisgegeben und werden nicht mehr genutzt.

Vereinzelt entsteht aus dieser Situation auch Neues.

So haben wir in Kleinschenk erleben dürfen, das mancherorts zukunftsorientiert nach vorne geschaut wird. Carmen Schuster startete vor einigen Jahren zusammen mit wenigen Idealisten damit, die alte Schule zu einem Seminarhotel umzubauen. Heute finden neben dem Hotelbetrieb auch Konzerte, Ausstellungen, Gottesdienste und Diskussionen statt. Bewusst in die Projekte involviert sind dabei auch neuangesiedelte Bevölkerungsgruppen, wie etwa Roma und Sinti. Schuster fasst Ihrer Vision mit knappen Worten zusammen: „Wir sind kein sächsisches Dorf mehr. Das kann  man jetzt bedauern oder nicht. Aber wir müssen nach vorne schauen und Neues aus der Situation machen!“

Leo Pfisterer

Veröffentlicht unter Gott & die Welt, Veranstaltungen

Gemeindereise nach Andalusien, oder: Was ist ein Sufi?

Vier Tage und 4  Nächte in Andalusien mit der Evangelischen Pfarre Stockerau

Ein Sufi ist ein islamischer Asket, ein Mystiker, ein Missionar, im weitesten Sinn ein Mönch in unserem heutigen Sprachverständnis. Es gibt viele Geschichten und Erzählungen von solchen Sufis. Jeden Tag hörten wir Mitreisenden eine davon bei der Morgenbetrachtung von dem einen unserer beiden Reiseleiter, Pfarrer Christian Brost. Feinsinnige, nachdenklich machende Aussagen zu tiefst menschlichen Situationen, treffend damals wie heute.

Die Wahl von Sufi-Geschichten lag nahe, denn wer in Granada, Cordoba und Sevilla unterwegs ist, der kann keine hundert Meter gehen, ohne über einen Stein aus der islamisch-maurischen Vergangenheit dieser Region zu stolpern, die sie fast 700 Jahre prägte, aber schon vor über 500 Jahren durch die „Katholischen Könige“ Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon 1492 endgültig beendet wurde.

Bauten für die Ewigkeit, erhalten, weil man damals schon deren Schönheit, Nützlichkeit und Dauerhaftigkeit erkannte und sie nicht dem Triumpf des Sieges des Christentums über den Islam opferte. Und das keine 40 Jahre nach dem völligen Untergang des oströmisch-christlichen Konstantinopel/Byzanz mit Feuer, Kanonen und Schwert, als Rache und Vergeltung eigentlich logische Konsequenz hätten sein können. So manchem von uns drängten sich da Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen auf…

Mittwoch, 9. Oktober: Sierra Nevada

19 Uhr: Landung in Malaga und Empfang durch unseren ständigen Reisebegleiter Raimund. Mit dem Bus ging es in Sichtweite der 100 km entfernten Sierra Nevada mit ihren Dreitausendern vom Meeresniveau auf die andalusische Hochebene, rund 750m hoch gelegen. Schon die ersten 100 km überwältigte uns der Rundumblick in ein geschlossenes, ökologisch völlig ausgeräumtes, 1 Million ha (!) großes Olivenanbaugebiet, weiter als das Auge reicht. (Ganz Österreich hat insgesamt rund 1,2 Millionen ha Ackerland.) Das Hotel Luna de Granada empfing uns mit einem exzellenten Abendbuffet. Einige von uns lernten schnell, dass die Andalusier nicht nur Olivenbauern, Stierkämpfer und Reiseführer sind, sondern auch hervorragende Biere brauen.

Donnerstag, 10. Oktober: Granada

Dass der Tourismus Spaniens wichtigster Wirtschaftszweig ist, erkannten wir spätestens beim minutiös getakteten Einlass in die Alhambra, dieser grandiosen maurischen Festungsstadt mit dem Nassridenpalast und den Gärten der Generalife, deren Wasserversorgung ohne Pumpen unverändert seit Jahrhunderten noch immer voll funktioniert. Mitten in dieser orientalischen Pracht begegneten wir auch zum ersten, aber nicht letzten Mal einem Stück Habsburger Geschichte, dem nie fertig gestellten Palast Karl des Fünften, ursprünglich als seine Residenz geplant.

Der anschließende Rundgang durch die malerische historische Altstadt führte uns auch zur mitten hinein gebauten Kathedrale, der Grabstätte der „Katholischen Könige“, für die Granada offensichtlich wichtiger war als die von ihnen finanzierte Entdeckung der Neuen Welt durch Christoph Columbus, die eigentlich in Sevilla ihren Ausgangspunkt hatte.

Beim Mittagessen machten wir Bekanntschaft mit „Tapas“, der spanischen Spezialität schlechthin. Diese ursprünglich als essbare Trinkgefäßdeckel zum Schutz gegen Fliegen entwickelten „Häppchen“ gibt es mittlerweile in unzähligen Variationen für kleinen und großen Hunger.

Gegen Abend ging es weiter zu unserem Nachtquartier, dem wunderschönen, im Oliven-Nirgendwo gelegenen Hotel MS Fuenta Las Piedras. Der noch in Betrieb befindliche Swimmingpool inmitten eines hoteleigenen Parks lud viele von uns zu einem gemeinsamen „Sundowner“ mit Frizzante am Poolrand, bevor wir uns zum abschließenden Abendessen im Hotelrestaurant zusammensetzten.

Freitag, 11. Oktober: Cordoba

Neuerlich ging die Fahrt durch schier endlos scheinende Olivenlandschaften direkt nach Cordoba, der Stadt mit der weltberühmten Moschee-Kathedrale.

Der neunschiffige Bau, dessen Decke von mehr als 1000 Säulen mit Doppelbögen getragen wird, erweckt einen fast unwirklich erscheinenden Eindruck. Man begann schon 1236, nach der Rückeroberung Cordobas, mit dem Einbau einer Kirche, die allmählich zu einer Kathedrale erweitert wurde.

Die beeindruckende Größe dieser Kathedrale geht aber in den umgebenden 23.000 m² der Moschee sowohl von außen als auch von innen beinahe unter. Mit diesen Ausmaßen ist sie weltweit die drittgrößte ehemalige Moschee und die größte ehemalige Moschee auf europäischem Boden. Nirgendwo sonst wurde der damalige Umgang der Spanier mit den so verschiedenen Religionen sichtbarer als in der Mezquita von Cordoba. Ursprünglich seit dem neunten Jahrhundert von Christen und Muslimen als Gotteshaus gemeinsam genutzt, wurde es mit der Zunahme der maurischen Bevölkerung zur Moschee, um sich schließlich ohne Zerstörung wieder zur christlichen Kathedrale zu wandeln. Ebenso beeindruckend war der anschließende Rundgang durch die Altstadt mit ihren weltberühmten Innenhöfen, den Patios.

Am Nachmittag ging es mit dem Bus weiter. Schon nach kurzer Zeit verschwanden plötzlich die Olivenhaine und machten abgeernteten Sonnenblumen-, Sojabohnen- und Weizenfeldern Platz, auch ein paar Weingärten bereicherten die herbstdürre Landschaft. Mitten drin erhob sich ein einzelner Hügel, gesäumt von dem Städtchen Carmona und hoch oben ein Palast Peter I., des „Grausamen“, König von Kastilien und Leon, einem Reconquistor des 14. Jahrhunderts, der das in der Nähe liegende Sevilla rückerobert hatte.

Dass Südspaniens Wirtschaft doch nicht nur aus Tourismus besteht bemerkten wir, als wir uns auf die kurze Fahrt nach Sevilla begaben. Immer mehr Handels- und Industriezonen begleiteten uns zu Andalusiens Hauptstadt, das Hotel Melia Lebreros wurde unser letztes Quartier, diesmal für zwei Nächte

Samstag, 12. Oktober: Sevilla I

Sevilla ist nicht nur die Stadt zweier Weltausstellungen (1929 mit dem Generalthema Aussöhnung und Neubeginn mit der Neuen Welt sowie 1992), sondern auch die Stadt des „Barbiers“, des „Don Juan“ und der „Carmen“. Sie ist aber auch die Stadt der Eroberung Amerikas, vor allem Zentral- und Südamerikas. Steht man heute am Ufer des Guadalquivir, kann man sich kaum vorstellen, dass hier die Segelschiffe des 16. und 17. Jahrhunderts jene Unmengen an Gold, Silber und anderer Wunderwaren entluden, die Spanien kurzfristig so unendlich reich machten.

Die gotische Kathedrale, die größte der Welt, beherbergt das Grabmal von Christoph Kolumbus. Die Giralda ist ein 1568 zum Glockenturm umfunktioniertes, ursprünglich 86m hohes Minarett aus dem 12. Jahrhundert, das bis zu einer Höhe von rund 60m mit Pferden beritten werden konnte.

Der Alcázar von Sevilla, der Königspalast Peters I., wurde im 14. Jahrhundert in einem 1170 errichteten maurischen Palastes erbaut und von Karl V. und Philipp II. erweitert. Er überwältigt durch seine maurische, gotische und barocke Architektur, seine Klimatisierung und die Gartenanlagen.

Beeindruckend sind auch die Parkanlagen mit den Bauten der Weltausstellung von 1929, vor allem der Plaza de Espana im Maria Luisa Park. Der Abend schloss mit einer Flamenco-Show – immerhin gilt Sevilla als seine Hauptstadt – und einem Tapas-Dinner.

Sonntag, 13. Oktober: Sevilla II

Nachdem wir in den vergangenen 3 Tagen rund 37 km zu Fuß durch die Straßen und über die Plätze gewandert waren, durften wir diesmal mit dem Bus zum „Parasol“ fahren, dem größten Holzbauwerk der Welt mit 125 x 60 x 26 Metern, das zwischen 2005 und 2011 an Stelle einer alten Markthalle errichtet wurde.

Nach einer abschließenden kleinen Busrundfahrt verabschiedete uns Raimund am Flughafen von Sevilla, von dem aus wir über Barcelona den Heimflug antraten.

Galt unsere Aufmerksamkeit am Anfang des Berichts unserem Pfarrer, so soll er am Ende unserem zweiten Reiseleiter Martin Lauermann gelten, der als organisatorischer und logistischer Betreuer diese Sonderreise der evangelischen Pfarre Stockerau zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle 44 Teilnehmer werden ließ.

Hannes Schmidt

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Ein Brief an unseren Kurator

Wer hätte das gedacht, was daraus erwachsen würde, lieber Gert, als du vom Presbyterium im Februar 2000 zum Kurator der Kirchengemeinde gewählt wurdest, um gemeinsam mit dem Pfarrer die Gemeinde zu leiten!

Seither ist viel passiert: Unsere Kirchengemeinde ist gewachsen und zusammen gewachsen. Wir feiern Gottesdienst in einer generalsanierten Kirche mit wunderbar gestalteten liturgischen Orten und einem Christus, der uns immer wieder einlädt, tröstet und herausfordert. Unsere Veranstaltungen finden in einem warmen, einladenden Gemeindezentrum statt, vor dem auf dem Friedensplatz eine Friedenssäule zum friedvollen Denken und Handeln auffordert. Der ökumenische und interreligiöse Dialog tun uns gut.

Wir sind eine fröhliche und gastfreundliche Gemeinde, die versucht, in einer zunehmend herausfordernden Welt Zeitgenossenschaft zu leben.

Dass wir so geworden sind und diesen Lebensraum anbieten können, daran hast du, lieber Gert, maßgeblichen Anteil. Vielen herzlichen Dank!

Vielen Dank, dass du deine vielfältigen Gaben in den Dienst unserer evangelischen Kirchengemeinde gestellt hast. Ich kenne wenige Menschen, die so schnell und hellwach in ihrem Denken und Argumentieren sind wie du. Du erfasst Dinge in Windeseile und ziehst treffende Schlüsse daraus. Du verlangst viel von dir und bist geduldig mit anderen Menschen, versuchst Brücken zu bauen und der Gemeinschaft zu dienen. Dir fällt es nicht schwer, Sachverhalte gut und verständlich zu formulieren – eine Begabung, die uns als Gemeinde in vielen Situation geholfen und Respekt verschafft hat.

Und – last but not least: Es macht Freude mit dir zusammenzuarbeiten.

Für die Zukunft wünschen wir dir und deinen Lieben Gesundheit und Frohsinn. Bitte bleib uns gewogen – das wünschen sich deine dankbare Kirchengemeinde und ihr Pfarrer und dein Freund Christian.

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Bruttonationalglück versus Bruttosozialprodukt

Tanja Shahidi

Kann eine Gesellschaft, die sich in erster Linie über Materielles und Leistung definiert, glücklich sein? Wäre unser Alltag mehr von Freude bestimmt, würden wir uns nicht nur darum bemühen, wirtschaftlich in dieser Welt möglichst gut zu leben und um das größere Kuchenstück für uns und unsere Familien zu kämpfen, sondern vielmehr darum, glücklich zu sein?Im asiatischen Königreich Bhutan hat bereits in den 70er Jahren der damalige Monarch dem Glück oberste politische Priorität eingeräumt. In Bhutan zählt man auf Bruttonationalglück und stellt damit der Definition des Wohlbefindens einer Nation über ihre finanzielle Lage ein ganzheitlicheres Weltbild gegenüber. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein – und schon gar nicht vom Geld, jedenfalls nicht, was sein Innenleben anbelangt. Wie aber werden wir glücklich?

David Steindl-Rast, ein aus Österreich stammender US-amerikanischer Benediktinermönch, meint, nicht das Glück sei die Quelle der Lebensfreude, sondern die Haltung der tiefen Dankbarkeit.

„Hetzen Sie nicht von Augenblick zu Augenblick durch das Leben“, so Steindl-Rast „sondern halten Sie inne und schauen Sie genau hin. Das Hinschauen ist wichtig, denn erst dadurch können wir diesen Augenblick nutzen. Es geht um Besinnung. Darum, sich zu fragen: „Was habe ich schon?“, anstatt immer nur: „Was fehlt mir noch?“

Dankbar sein können wir in unserer immer noch vergleichsweise heilen Welt täglich für tausend Dinge. So manches, das wir bemängeln und in gut österreichischer Manier bejammern, ist in Wahrheit nebensächlich, und – seien wir ehrlich – ein bisserl Egoismus schwingt da immer mit. Wo kämen wir denn da hin, wenn es irgendjemandem, den wir gar nicht kennen, besser geht als uns. Vielleicht wären wir glücklicher, vielleicht zufriedener, könnten wir unseren Blick dankbar auf das Positive richten und auch den anderen ein Stück vom Glück gönnen.
In der Verfassung des Königreichs Bhutan ist ein Recht auf Glück festgeschrieben, ein Recht, das auch wir jedem Menschen einräumen sollten. Ein Recht, das wir für uns in Anspruch nehmen sollten, damit diese Welt eine lebenswertere wird.

Tanja Shahidi, Vereinsvorstand und Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit im Haus der Stille, Heiligenkreuz am Waasen

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Neuer Glockenturm für Hollabrunn

Die evangelische Christuskirche in Hollabrunn soll einen neuen Turm bekommen, nachdem der alte nach über 50 Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Im heurigen Frühjahr wurde dazu ein Ideenwettbewerb an den berufsbildenden Schulen Hollabrunns durchgeführt, dessen Ergebnisse nun präsentiert und prämiert wurden.

Die PreisträgerInnen

Es war keine leichte Aufgabe für die Jury, aus den rund 50 eingelangten Arbeiten von Schülern der HTL, HAK und HLW die besten zu ermitteln. In Anwesenheit des Hollabrunner Stadtbaudirektors DI Stephan Smutny wurden am 7. Oktober 2019 die besten Arbeiten auf Einladung von Schuldirektor HR Mag. Leopold Mayer in der Zugsgarnitur der HLW von Pfarrer Mag. Christian Brost und den Jurymitgliedern Architekt DI Marting Kuchler und dem Künstler Leo Pfisterer präsentiert und ausgezeichnet.

Platz 3 erreichte der HTL-Schüler Daniel Marek, Rang 2 ging an Jasmin Rössler (HAK). Das Rennen machte das „Kreativwerkstatt“-Team der HLW Hollabrunn: Anna Botie, Juliane Frey, Sarah Petzelmayer und Elisabeth Pumpler. Mit einem sehr reifen Entwurf eines Turmes, der wie aus einem Guss zur Kirche passt, konnten die 4 Schülerinnen, begleitet von Mag. Werner Prokop und Mag. Leo Ertl (Religion), die Jury überzeugen. Als Preise gab es Blumen und Gutscheine für die SchülerInnen und „Lutherwein“ für die Lehrer.

Im Anschluss an die Präsentation des Glockenbauprojektes von Architekt DI Martin Kuchler waren die PreisträgerInnen sowie die Ehrengäste zu einem köstlichen Mittagmahl in den Räumlichkeiten der HLW geladen. Perfekt betreut durch SchülerInnen der Schule fand die Feier einen würdigen Ausklang.

Peter Nagl

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Aus dem Presbyterium

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Krankenhausseelsorge

Das Thema Krankenhausseelsorge beschäftigt uns weiterhin. Leider bekommen wir immer noch keine Information darüber, ob Evangelische in einem Krankenhaus liegen. Wöchentliche Besuche sind daher nicht mehr möglich. Der Oberkirchenrat ist mit dem Thema befasst. Sollten Sie einmal in einem Krankenhaus sein müssen, sind wir über Informationen darüber, was Sie im Hinblick auf seelsorgerische Besuche bei der Aufnahme genau gefragt wurden, dankbar. Selbstverständlich können Sie jederzeit Kontakt mit uns aufnehmen, sollten Sie einen Besuch wünschen.

Unsere Gottesdienst-Liturgie

Im Oktober haben wir die Überarbeitung unserer Gottesdienst-Liturgie beschlossen. Ganz im Sinne des reformatorischen Grundsatzes, dass die Reformation nie endet (semper reformanda), soll die Liturgie sprachlich verständlicher und musikalisch stimmiger werden. Wir erhoffen uns so, dass die bewährten Schätze des christlichen Gottesdienstablaufs wieder besser verstanden werden. Das neue Heftchen zum Gottesdienstablauf werden Sie ganz vorne im grünen Gesangbuch finden.

Gert Lauermann

Veröffentlicht unter Interna