DEMNÄCHST: Ein Abend mit Shura Lipovsky am 8. Dezember

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Sholem zol zayn, Sholem oyf der gantzer Welt!
(Es soll Frieden sein auf der ganzen Welt)

Freuen Sie sich auf Jiddische Lieder und Nigunim (mystische Melodien ohne Worte) sowie Einblicke in chassidische Lehren und Kabbalah – ein besinnlicher Abend zum Zuhören und Mitsingen.

Gestaltung: Shura Lipovsky, Amsterdam – Interpretin, Dichterin und Komponistin Jiddischer Lieder, ist eine der Schlüsselfiguren in der internationalen Szene zur Wiederbelebung der Jiddischen Musik und Gesang. Als unermüdliche Friedensarbeiteren leitet sie einen Chor für Jiddische Lieder in Paris und leitet Friedensprojekte u.a. im Rahmen der Vereinigung ‚Musicians without Borders‘.

8. Dezember 2016
19 Uhr
in der Lutherkirche Stockerau

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Geistliches Wort zum Advent

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Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1,14

Die Ikone ist wie eine Brille, die man aufsetzt, um den Himmel zu sehen.
Diarmaid MacCulloch

Nun hat sie wieder begonnen, die Adventzeit, die Zeit der Vorbereitung auf das Christfest.
Kitsch, Kommerz, Hast und Eile – alles Begleiterscheinungen dieses Festes, wohl wahr! Doch sie vermögen unsere Freude und unser Berührt-sein nicht zu schmälern, wenn wir anfangen darüber zu staunen: Gott ist Mensch geworden. Gott ist uns nahe. Er will unsere Herzen gewinnen und heil machen. Allen gilt die frohe Botschaft von der Geburt des Heilands im Stall von Bethlehem und in unseren Herzen. Ich lade Sie herzlich ein, dieses Wunder in der Advents- und Weihnachtszeit mit uns zu bestaunen und zu feiern!

Der Ausschnitt aus der Weihnachtsikone, den Sie hier sehen, deutet es an, dass wir uns dieses Jahr auf besondere Weise der Weihnacht nähern: mit Ikonen, Bildern des Glaubens. Sie erzählen Geschichten von Gott und vom Glauben und Leben der Menschen. Die frühchristliche Tradition der Ikonenmalerei ist besonders in den Kirchen des Ostens sehr verbreitet. Eine Ikone ist nicht einfach nur ein dekoratives Bild, sondern eine Möglichkeit, Gott im stillen Schauen und Meditieren zu begegnen.

Mit unserem Kirchenkünstler Leo Pfisterer haben wir im Advent einen Fachmann zu Gast, der nicht nur selbst Ikonen malt, sondern uns in die Welt der Ikonen einführt und uns die Möglichkeit beschert, in unserer Kirche Ikonen in stimmungsvoller Atmosphäre zu erleben.

Ikonen im Kerzenschein“ heißt die Veranstaltung am Samstag, den 3. Dezember um 19 Uhr in der Lutherkirche, zu der Sie herzlich eingeladen sind. Die Ikonen begleiten uns dann durch den Advent. Auch die Weihnachtsikone, aus der ein kleiner Ausschnitt abgebildet ist und die wir uns bei den „Stillen Halben Stunden im Advent“ am 7., 14. und 21. Dezember jeweils von 19 Uhr bis 19.30 Uhr bei meditativer Musik und mit nachdenklich stimmenden Texten näher ansehen werden.

Sie sehen, es gibt wunderbare Gelegenheiten, dem adventlichen Trubel zu entfliehen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Ich würde mich freuen, wenn wir uns bei einer der Veranstaltungen oder bei einem der Gottesdienste wiedersehen!

Einen besinnlichen Advent, ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein friedvolles neues Jahr 2017 wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

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Filmabende  „Weltreligionen“

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Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen.
Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen.
Kein Dialog zwischen den Religionen ohne Grundlagenforschung in den Religionen.

Diese drei Grundüberzeugungen formulierte der Theologe Hans Küng bereits 1990 in seiner Programmschrift  „Projekt Weltethos“. Und dieses Ethos für ein friedliches Zusammenleben aller Völker dieser Erde beinhaltet folgende Kernelemente: das Prinzip der Menschlichkeit, die „Goldene Regel“ der Gegenseitigkeit und die Verpflichtung zu Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und die Partnerschaft von Mann und Frau.

Genau diese Kernelemente sind bereits in allen Weltreligionen enthalten, aber dennoch wurden und werden auf unserer Erde Kriege geführt, es herrscht Hass, Vertreibung, Terror und Vergeltung – vieles im Namen der einen oder anderen Religion oder religiös motiviert.

Gerade in Europa ist die Situation momentan sehr angespannt, bedingt durch die Flüchtlingswelle aus vorwiegend muslimischen Ländern. Menschen aus anderen Kulturen, Andersgläubigen steht man oft aus Unwissenheit skeptisch, ängstlich oder sogar ablehnend gegenüber. Grundlegende Werte- und Moralvorstellungen, welche eigentlich Basis aller Weltreligionen sind, scheinen in unserem modernen, ziviliserten Europa abhanden gekommen zu sein.

Vor diesem Hintergrund organisierte unser Pfarrer Christian Brost im Monat Oktober vier Filmabende, in denen der Theologe Prof. Hans Küng die Weltreligionen Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam filmisch jeweils eine Stunde porträtierte.

Es war für mich die Möglichkeit, im diesem Rahmen die Weltreligionen kennen zu lernen: zu sehen, dass alle Religionen, so unterschiedlich sie für Laien erscheinen mögen, auf den selben Werte- und Moralvorstellungen basieren. Und dennoch – dies erscheint mir zutiefst menschlich – gibt es sogar in den einzelnen Religionen Abspaltungen, eigene Ausrichtungen von konservativ bis liberal, von zutiefst gläubig bis rein weltlich orientiert. Solange es in den einzelnen Religionen keinen Konsens, keinen Willen zu gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz, zur Zusammenarbeit und zu Frieden gibt, wird es schwer sein, dies unter den verschiedenen Religionen zu erreichen.

Nach den jeweilig gut besuchten Filmabenden hatten wir noch Gelegenheit, über das Gesehene zu diskutieren. Dieser Austausch war sehr anregend, konnten wir doch die eine oder andere Meinung äußern und vertreten, manchmal durchaus etwas kontroversiell.

Was mir persönlich an Inhalten und Werten in den verschiedenen Religionen fehlte, war das Bekenntnis zum sorgsamen und achtsamen Umgang mit der Natur und den anderen Geschöpfen Gottes, nämlich den Tieren. Als Mensch dürfen wir uns nicht „über“ der Natur stehend sehen, nein: wir leben in und von dieser. Der sorgsame Umgang mit den Ressourcen, die gerechte Verteilung von Rohstoffen, Wasser und Nahrungsmittel ist aus meiner Sicht ebenso ein Grundelement von Weltfrieden, gleichzustellen mit den Kernelementen von Hans Küng. Und gerade in diesem Bereich kann und muss jeder von uns einen, wenn auch kleinen, Beitrag leisten. Ich freue mich bereits schon jetzt auf einen Diskussions- und Filmabend über diese Thematik.

Abschließend möchte ich sagen, dass diese Filmreihe und der anschließende Meinungsaustausch sehr interessant, informativ, auch lustig und gesellig waren. Ein herzliches „Danke“ an unseren Pfarrer, der dies ermöglicht und gestaltet hat.

Alex Wanas

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SOMA-Spende

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Lieber Herr Pfarrer Brost,

nochmals herzlichen Dank für die Unterstützung durch Ihre Kirchengemeinde! Die Lebensmittel, welche Sie für unsere KundInnen gesammelt haben, helfen uns sehr, da sie zu einer Warengruppe gehören, die sich nicht so oft in unseren Regalen findet: Produkte mit einem langen Mindesthaltbarkeitsdatum. Diese finden sich nur selten in den von Handel und Industrie dankenswerterweise gratis zur Verfügung gestellten Warenspenden und sind darum umso begehrter!

Herzlichen Dank dafür!

Mag. Claudia Zwingl

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Gedenkdienst in Litauen

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„Vilnius? Wo is‘n des?“, seufzte Oma, als ich ihr von meinem Vorhaben berichtete, im jüdischen Museum besagter litauischer Hauptstadt meinen Gedenkdienst abzuleisten.

Einmal abgesehen davon, dass meine Großmutter keinen blassen Schimmer zu haben schien, was es mit diesem ominösen „Gedenkdienst“ überhaupt auf sich hatte (es hätte in ihren Augen genauso gut ein viertägiges Festival in Osteuropa sein können), war der Begriff auch in meinem Freundeskreis weitgehend unbekannt. Seit August bin ich nun also in Litauen, zwölf Monate insgesamt.

Doch vom Spaß zum Ernst: Litauen erlangte traurige Berühmtheit dadurch, dass 94 % der jüdischen Bevölkerung (insgesamt 200.000) während des 2. Weltkrieges ermordet wurden. Gemessen an der Bevölkerung waren das in keinem anderen Land so viele. Gewiss, jeder Tote, verschuldet durch das Nazi-Regime, ist einer zu viel, egal in welchem Land; jedoch lässt sich nicht leugnen, dass die Nationalsozialisten und die litauischen Kollaborateure hier besonders grausam gewütet haben.

Warum litauische Kollaborateure?

Dazu muss man wissen, dass der Völkermord an den Juden und Jüdinnen hier, im Gegensatz zu Teilen von Russland und anderen annektierten Staaten von Westeuropa, unterschiedlich war. Die sogenannten Einsatzgruppen agierten hinter der Front und hatten die Aufgaben das Hinterland zu „säubern“. Infolgedessen wurden in den ersten 6 Monaten des Nazi-Regimes bereits 70% der jüdischen Bevölkerung in Litauen ausgerottet.

Die Ermordungen fanden gleich neben den Dörfern im Wald oder auf dem Feld statt, nur ein vergleichsweise geringer Teil wurde in Konzentrationslager/Vernichtungslager deportiert. Eines dieser „Einsatzkommandos“ war Karl Jäger unterstellt. Das 300 Mann starke Kommando tötete über 137.000 Menschen in nur einem halben Jahr. An den Relationen lässt sich schon ablesen, dass die Ermordung so vieler Menschen ohne lokale Unterstützung nicht möglich gewesen wäre.

Nach der Besatzung durch die Sowjets im Jahre 1940 sahen große Teile der litauischen Bevölkerung die Nazis als eine Art Befreier. Mir ist jedoch wichtig zu betonen, dass natürlich auch viele Litauer und Litauerinnen den Verfolgten geholfen haben.

Die Arbeit im Jüdischen Museum

Auf genau diese Problematik stützt sich der größte Teil meiner Arbeit. In der litauischen Gesellschaft sind die Verbrechen der lokalen Bevölkerung noch immer ein Tabuthema. Das jüdische Museum von Vilnius stellt eine Bastion gegen das Verleumden und Vergessen der Verbrechen der Nationalsozialisten und der lokalen Bevölkerung dar.

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Konkret organisieren wir zum Beispiel diverse Veranstaltungen. Zuletzt etwa das sogenannte „names reading“, bei dem Passanten an öffentlichen Plätzen dazu eingeladen werden, abwechselnd fünf Minuten lang die Namen jener jüdischen Opfer vorzulesen, die an den jeweiligen Stellen ermordet wurden. Es geht dabei um eine Bewusstseinsbildung dafür, wie viele Menschen an vermeintlich unscheinbaren Orten ihr Leben lassen mussten. Dabei ergeben sich oft interessante Gespräche mit Passanten, aber auch politische Würdenträger beteiligen sich an solchen Gedenkversammlungen. Zuletzt nahmen etwa der Bürgermeister von Vilnius und der Vizeaußenminister teil. Sogar in die nationalen Nachrichten während der Primetime sind wir gekommen.

Die Arbeit im Museum ist sehr vielseitig; alles zu erwähnen würde leider den Rahmen sprengen. Unter anderem bereiten mein Kollege (ebenfalls ein österreichischer Gedenkdiener) und ich gerade ein Schulprojekt vor, welches wir in ein paar Monaten starten werden. Dabei werden wir verschiedene litauische Oberstufenschulen besuchen und den Jugendlichen in Workshops den Holocaust speziell in Litauen näher bringen, aber auch andere Themen wie Vorurteile behandeln. So wollen wir sowohl ein Bewusstsein für die Geschehnisse von damals schaffen als auch aufzeigen, wie schnell man Stereotypen an Personen eigentlich anwendet.

Zum Schluss möchte ich mich noch gerne bei der evangelischen Gemeinde von Stockerau für die finanzielle Unterstützung bedanken. Ohne zivile Hilfe wäre Gedenkdienst nicht möglich.

Aus dem fernen Litauen,

Sebastian Redl

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Gottesbegegnungen an ungewöhnlichen Orten

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Es war ein Tag besonderen Gäste, diese Tagung der niederösterreichischen Lektorinnen und Lektoren. Als Überraschungsgast kam unser neuer Superintendent Lars Müller-Marienburg, der nicht nur durch die persönliche Begrüßung jedes einzelnen Teilnehmers, sondern auch durch seine ganztägige Teilnahme ein Zeichen der Wertschätzung für diese ehrenamtliche Tätigkeit setzte. Freilich zahlte sich das auch für ihn aus, denn der zweite Gast – und auf den freuten sich alle, die ihn schon kannten – war Wilhelm Bruners.
Unser Pfarrer und NÖ Lektorenleiter Christian Brost stellte Bruners als seinen Lehrer, Mentor und Freund vor – einen katholischen Pfarrer, der viele Jahre in Israel verbrachte und auf ein reiches Leben theologischer Lehre, Arbeit und Begleitung zurückschauen kann. Beeindruckend, wie sehr er bei scheinbar jedem (theologischen) Thema aus dem Vollen schöpft, aber auch, wie er die große Schar seiner Zuhörer in seinen Bann zieht (meine Sitznachbarin meinte am Ende der Tagung: „Am liebsten würde ich ihm gleich noch fünf Stunden zuhören“).

Das Thema der Tagung war „Gottesbegegnungen an ungewöhnlichen Orten“. Der brennende Dornbusch, in dem Gott Moses begegnet – die wohl bedeutendste Gotteserfahrung des jüdischen/christlichen Glaubens – ist so ein ungewöhnlicher Ort. Ungewöhnlich war er ganz sicher schon für Moses selbst: Ihm, dem ägyptischen Königssohn, begegnet Gott in einem niedrigen, dornigen Strauch. Gott spricht aus diesem Strauch, er erniedrigt sich somit und macht einen „niedrigen“ Ort zu einem heiligen, an dem Moses aufgefordert wird, seine Schuhe auszuziehen. Der brennende Dornbusch ist ein für Gott unwürdiger Ort. Gott offenbart sich dadurch als ein Gott, der solidarisch ist mit den Menschen – mit dem Volk Israel, das sich wie der Dornbusch in der ägyptischen Gefangenschaft niedrig und unwürdig fühlen musste.

Gott im Dornbusch ist aber auch ein Gegenbild zu einem Gott im königlichen Palast. Die templischen Traditionen, wo die Vorhalle (Pro-Fanum) vom allerheiligsten Ort (Fanum) streng getrennt und letzerer nur einmal im Jahr vom obersten Priester betreten werden durfte, waren Moses vertraut. Jetzt erfährt er, dass wir in kirchlichen Inszenierungen einem Gott, der uns im Dornbusch erscheint, gerade nicht gerecht werden.

Dennoch: Das Spannungsverhältnis zwischen religiöser Inszenierung (Tempel) und dem Wort allein (Gott im Dornbusch) bleibt bestehen – und das ist auch notwendig, denn einen Verabsolutierung des Wortes führt direkt in den Fundamentalismus. Diesen Fundamentalismus vertreibt Jesus aus der Synagoge als unreinen Geist (die Geschichte der kanaanäischen Frau). Fundamentalismus – das ist ihm wesensimmanent – macht Angst. Die Pharisäer werfen Jesus vor, den Sabbat nicht zu heiligen; für Jesus aber bedeutet der Sabbat Befreiung, Durchatmen, Erleichterung, also das Gegenteil von Angst.

Und das war wohl so etwas wie die „hidden agenda“ im Vortrag Bruners, nämlich die Entwicklung eines Gottesbildes von der inszenierten Trennung (Pro-Fanum) hin zu einem befreienden, befreiten Gottesbild, das jede Trennung von einem exklusiv-elitären Gott aufhebt und einen Gott zeichnet, der zu den Menschen kommt und jede (fundamentalistische) Angst vertreibt. Im Augenblick von Jesu Tod zerreißt der Vorhang im Tempel, der Blick auf das Allerheiligste wird frei, die Trennung zwischen Pro-Fanum und Fanum wird aufgehoben. Jesus wird somit zum Schlussstein, der den ganzen Bau zusammenhält.

Andreas Andel

P.S. Noch ein paar Zitate, die hängengeblieben sind – Zitate von W. Bruners und auch welche, die er selbst zitierte:
„Man muss Gott ernst nehmen, aber nicht todernst.“
„Gott ist einen Schweißausbruch wert.“
„Wir hören viel zu früh zu fragen auf.“
„Wer zu weit geht (= Grenzen überschreitet), muss damit rechnen, dass er es mit Gott zu tun bekommt.“
„Die Bibel ist ein Stück orientalische Literatur, die eine Erzählgemeinschaft begründet. Sie stellt unterschiedliche Gotteserfahrungen nebeneinander.“
„Der drei-einige Gott erinnert daran, dass in Gott ganz viel los ist.“

Und hier können Sie den Vortrag von W. Bruners nachlesen.

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Aus dem Presbyterium

Im Herbst nahmen die PresbyterInnen an verschiedenen diözesanen und natürlich auch gemeindlichen Veranstaltungen teil. Der Austausch z.B. über nö. Kuratorentag, nö. Diakonietag, Amtseinführung des neuen Superintendenten, Reformationsempfang, Flüchtlingsarbeit in Stockerau und ökumenische Projekte und Ereignisse, wie etwa die Verabschiedung von Pfarrer Franz Forsthuber in Oberrohrbach und Spillern, war inspirierend.

Der leider renovierungsbedürftige Glockenturm von Hollabrunn beschäftigte uns und wird wohl noch öfter Thema sein müssen. Die Friedenssäule vor der Kirche in Stockerau erfordert Aufmerksamkeit und kreative Energien, ist aber auf einem sehr guten Weg. Viel Freude bereitete uns die Nachricht, dass die Familie Simperl neuerlich einen Geschenkemarkt in Stockerau machen wird und den Erlös den gemeindlichen, diakonischen Tätigkeiten zur Verfügung stellen möchte. Auch die Planung weiterer Veranstaltungen, wie „Ikonen im Kerzenschein“ und der Abend mit Shura Lipovsky sowie die Öffentlichkeitsarbeit unserer Gemeinde für das Reformationsjahr 2017 mussten besprochen werden. Einiges, was im Presbyterium sonst noch Thema war oder beschlossen wurde, finden Sie in gesonderten Artikeln in dieser Ausgabe.

Kurator Gert Lauermann

 

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Lars Müller-Marienburg

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Wir haben einen neuen Superintendenten!

Wir, das sind 40.000 Evangelische in Niederösterreich, die in 28 Pfarren in lebendiger Vielfalt Glaube gestalten.

Seit 1. September 2016 ist Lars Müller-Marienburg für unsere Diözese im Amt. In den vorliegenden Artikel fließen Aussagen von Müller-Marienburg vor der Superintendentialversammlung, Statements vom ORF Beitrag und seiner Predigt beim Einführungsgottesdienst vom 15.10.2016 in Wr.Neustadt ein.

Was für ein Mensch ist Lars Müller-Marienburg?

Der 1977 in  Ansbach (Mittelfranken) Geborene, mit mehreren Bezügen zu Österreich (Großmutter aus Graz, Sommerurlaube am Bodensee, Predigtseminar in Wien, Pfarrstellen in Burgenland, Linz und Innsbruck) bezeichnet sich selber als fröhlichen Menschen. Aus seiner Selbstbeschreibung heraus kann man ihn auch als neugierigen, sich immer wieder auf Neues einlassenden Menschen sehen. Ob das Aufenthalte in anderen Ländern sind oder Erfahrungen von und mit anderen Kirchen, Lars Müller-Marienburg ist neugierig auf das, was Gott vorhat.

Er ist musikalisch. Er ist ambitioniert und ehrgeizig, wenn es um Chorgesang geht und ist ein fröhlicher Dilettant an Klavier, Orgel, Akkordeon und Ukulele.

Und er ist sportlich. Sich auspowern ist für ihn Ausgleich sowie im Urlaub auch mal mit sich allein sein – in den Alpen oder irgendwo an einem griechischen Strand.

Lars Müller-Marienburg ist Österreichs erster offen schwuler Superintendent. Als er sich für das Amt bewarb und sich der Gemeinde vorstellte, sprach er offen über seine sexuelle Orientierung. Im ORF-Interview sagte Müller-Marienburg: „Ich habe zu den Leuten gesagt, sie müssen das nicht toll finden mit dem Schwulsein. Sie müssen mir nur meinen Glauben glauben. Sie müssen mir glauben, dass ich mit Gott unterwegs bin und dass ich auch eine Sehnsucht nach Gott habe und es gut meine mit der Kirche.“

Wie versteht der neue Superintendent sein Amt?

„Ich möchte das gute Miteinander in Niederösterreich pflegen. Ich möchte, dass wir einander ernst nehmen und voneinander lernen, damit die Evangelische Kirche in Niederösterreich als fromme und freie Kirche sichtbar wird“. In der Predigt zu seiner Einführung betonte er, dass Superintendent kein Titel, sondern Ruf für ihn sei. Als Superintendent sehe er seine Aufgabe darin, auf die Kirche zu schauen, damit sie ihrem Auftrag nachkomme, Kirche zu sein.

Aus Sicht Müller-Marienburgs geschehe Kirchenleitung durch Kommunikation und in demokratisch gewählten Gremien. Als Superintendent möchte er den Ton und die Grundhaltung der Kirche beeinflussen, er verstehe sich aber als eine gleichberechtigte Stimme unter mehreren Stimmen. Genauso wie sein Vorgänger will Müller-Marienburg aber nicht nur innerkirchlich wirken, sondern auch die Kontakte zum öffentlichen Leben pflegen.

In seiner Bewerbungsrede vor der Superintendentialversammlung legte er sein Amtsverständnis an Hand von vier Begriffen dar, die niederösterreichischer nicht sein könnten: Wein, Industrie, Wald und Most.

Wein als Zeichen der Freude: Die Gesellschaft soll von unserer Kirche wissen, dass sie ein Ort der Freude ist. Als Superintendent will er seine Freude zeigen, als einer, der gerne jetzt und da lebt und fröhlich ist mit Gott.

Industrie: lat. Fleiß; auch er will mit Fleiß denken und arbeiten; er will darum ringen, die biblische Botschaft von Gottes Liebe in die heutige Zeit zu übersetzen.

Wald: Wald steht für Vielfalt. Der Wald der evangelischen Kirche in Niederösterreich besteht nicht nur aus Laub- und Nadelbäumen, sondern es gibt auch Farne und Gräser. Gottes Vorname ist Liebe, sein Nachname ist Freiheit. Es ist unabdingbar, sagt er, dass wir uns gegenseitig unseren Glauben zutrauen, unsere Liebe und Hoffnung. Es ist unabdingbar, neugierig zu sein, wer wir sind und was wir zu sagen haben über den gemeinsamen Boden, auf dem wir stehen.

Most: Dem Äppelwoi (Frankfurter Version von Apfelmost) wird nachgesagt, dass das erste Viertel unerträglich sei. Aber nach 2 Vierteln ist Äppelwoi super und schmeckt ein Leben lang. Most steht daher für Gewöhnung. Als evangelische Kirche sollten wir uns schnell daran gewöhnen, als Teil der religiösen Vielfalt eine Rolle zu spielen, damit wir eine Rolle spielen. Und er hofft, dass der Most „Lars“ nach 2 oder mehr Vierteln schmeckt.

Ein Jahr lang war das Amt des Superintendenten vakant. Ein Jahr lang haben Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour und der Superintendentialausschuss die Geschicke der Diözese geleitet. „Wir sind unheimlich glücklich, Lars Müller-Marienburg als neuen Superintendenten der Diözese Niederösterreich begrüßen zu dürfen“, sagt Gisela Malekpour. Dem können wir uns nur anschließen. Dem neuen Superintendenten sowie der ganzen Diözese möge die Freude am Glauben den Weg zur gelebten Vielfalt und zum gedeihlichen Miteinander weisen.

Irmi Lenius

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Reformationsfest 2016

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499 Jahre Thesenanschlag!

Mit dem heurigen Reformationsfest beginnt sozusagen das Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation. Dass es nicht nur um die Erinnerung an Martin Luther geht oder um die Reformation der Kirchen – ja auch die katholische Kirche hat sich im Laufe der Jahrhunderte reformiert, besonders im 2. Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren -, wurde gleich zu Beginn des Gottesdienstes proklamiert.

Nach festlicher Eröffnungsmusik mit Orgel und Trompete, gespielt von Beate Kokits und Gezar Vörösmarti, begrüßte unser Pfarrer Christian Brost die versammelte Schar und im Besonderen unseren neuen Superintendenten Mag. Lars Müller-Marienburg.

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Dieser kam dann bei der Predigt zu Wort. Predigttext war Röm 3,21-28 – wenn man so will, ein Klassiker zum Reformationstag. Schon im ersten Satz hörten wir die Kernaussage der Rechtfertigungslehre:

„Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.“

Lars Müller-Marienburg bezeichnete die Aussage des Textes als dreifachen Dreh- und Angelpunkt.

Ein Beleg für die Grundüberzeugung Martin Luthers

Menschen werden nicht gerecht, weil sie gute Taten vollbringen, sondern allein aus Gnade Gottes, allein aus Glauben. So wie diese Erkenntnis Luther von seiner Höllenangst befreit hat, hat der neue Glaube vielen Menschen Gewissheit geschenkt, dass auch der fehlerhafte Mensch Hoffnung auf den Himmel hat. Dabei ist nicht zu vergessen, dass dieser Text nicht für die Reformation verfasst wurde, sondern schon vor 2000 Jahren.

Ein Gott für alle Menschen

Paulus geht es um die Einsicht, dass Gott für alle Menschen da ist. Er ist kein Nationalgott für die, die einem bestimmten Volk angehören. Gott ist Gott für Juden und Heiden. Damit legte Paulus den Grundstein dafür, dass sich eine Weltreligion entwickeln konnte.

Sowohl zu Zeiten des Paulus als auch des Martin Luther waren diese Gedanken nicht nur hochbejubelt. Da gab es Protest und Widerstand und sogar Krieg.

Heute haben Katholiken und Protestanten jedenfalls keine kämpferischen Auseinandersetzungen mehr. Man anerkennt, dass es ein Gott für uns alle ist und die Auffassung, dass der Mensch gerecht ist allein aus Gnade, hat auch schon in der katholischen Kirche Einzug gehalten.

Kann dieser Text denn für uns heute auch ein Dreh- und Angelpunkt sein?

Ja! Wie wäre es, wenn wir mit der Rechtfertigung ernst machten? Dass der Wert eines Menschen allein aus Gnade kommt? Nicht aus seiner Leistung, seinem Ansehen oder der Position, die er/sie erreicht hat?

Sehr persönlich schilderte der neue Superintendent, wie schwer ihm selber dieses radikale Ernst-Machen fällt. Wie schwer erträgt man doch seine eigenen Schwächen und Fehler – geschweige denn die der anderen. Und selber will man doch einfach der/die Beste sein. Welche Befreiung wäre der Römertext nicht nur von der Beschränkung auf einen Nationalgott (Paulus), nicht nur von der Höllenangst (Martin Luther), sondern auch für das Leben hier und jetzt.

So wie vor 2000 und vor 500 Jahren bleibt der Text eine Herausforderung.

Es stellt sich uns die Frage, wie es mit der Rechtfertigung allein aus Gnade weitergehen kann. Trauen wir uns, den Gedanken, dass alle Menschen bedingungslos von Gott geliebt sind, in unserem täglichen Leben Wirklichkeit werden zu lassen?

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Die Predigt endete quasi mit dieser offenen Frage, die nicht rasch zu beantworten ist. Umso dankbarer nahmen die Mitfeiernden die Einladung zum Abendmahl an. Gestärkt durch Jesu Mahl werden wir wohl an der Reformation weiter arbeiten. Der Gottesdienst endete wieder mit festlicher Musik. Im Anschluss konnte man mit Lars Müller-Marienburg ins Gespräch kommen.

Irmi Lenius

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Stellungnahme der Evangelischen Kirchen in Österreich

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