Zum Reformationsjubiläum 2017

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Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.« Römer 1,16f

Das Reformationsjubiläumsjahr 2017 hat begonnen. Die Lutherorte in Mitteldeutschland haben sich herausgeputzt. Luthers Gesicht ziert Andenken aller Art – vom T-Shirt bis zu Backformen! Luther als Quietschentchen, als Playmobilfigur und als Maskottchen am Schlüsselbund. Was er selber dazu sagt?

„Zum ersten bitt ich, man wollt meines Namens geschweigen und sich nicht lutherisch, sondern Christen heißen. Was ist Luther? Ist doch die Lehre nicht mein, so bin ich auch für niemand gekreuzigt. Sankt Paulus wollt nicht leiden, dass die Christen sich sollten heißen paulisch oder peterisch; wie käme denn ich armer, stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi sollt’ mit meinem heillosen Namen nennen.“

Lutherkitsch hin oder her – ich bin leidenschaftlich gerne Lutheraner.

Ich liebe unsere Gottesdienste nach lutherischer Agende, das frei ergriffene Wort der befreienden Predigt – an nichts gebunden als an Bibel und Verständlichkeit. Ich bin begeistert von Luthers nüchterner Sicht des Menschen, seiner Möglichkeiten und Grenzen, die aller Erfolgsvergötterung den Wind aus den Segeln nimmt.

Und – Ehre wem Ehre gebührt – in seiner Zivilcourage vor Kaiser, Papst, Fürsten und Reichstag, in seiner Beharrlichkeit, wenn es um Gottes Gnade und ihre Wirkungen unter uns geht, hat sich der Wittenberger Mönch und Professor als Held erwiesen. Seine Übersetzung der biblischen Texte aus den Ursprachen ins Deutsche, die zum Jubiläum eine gelungene Revision erfahren hat, hat sich mir so eingeprägt, dass ich andere Übersetzungen oft enttäuscht beiseite lege.

Zum evangelischen Heiligen taugt der Reformator dennoch nicht.

Denn bei all dem Guten und Wichtigen, das er erkannt, gelebt und verkündet hat: In seiner Wut auf die aufständischen Bauern hat er ebenso bitter versagt wie in seiner enttäuschten Hoffnung auf die Bekehrung der Juden. Der gereifte Reformator schrieb erschreckende Sätze, die bis in die Neuzeit eine höchst unrühmliche Wirkungsgeschichte haben.

Nein, zum evangelischen Heiligen taugt Martin Luther nicht. Und er wäre der erste, der unumwunden zugeben würde, dass der Glaubende kein fehlerloses Leben führt, sondern wie jeder andere Mensch auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen bleibt.

Gott muss auf krummen Linien gerade schreiben, wenn er durch uns etwas verändern möchte. Am Ende sind es Gottes Liebe und Barmherzigkeit, denen wir uns anvertrauen müssen, aber eben auch anvertrauen können, weil Gott in Ewigkeit nicht ohne uns sein will!

Freiheit und Verantwortung

Feiern wir also als evangelische Kirche unter dem wunderbaren Motto „Freiheit und Verantwortung“ das Reformationsjubiläum und laden wir unsere katholischen Geschwister zum Mitfeiern ein. Tanzen wir und singen wir neue Lieder, präsentieren wir uns auf dem Rathausplatz in Wien und marschieren wir mit breiter Brust in den ökumenischen Dialog. Aber lassen wir uns dabei das Evangelium immer wieder selber gefallen, dass es uns befreit von unseren angstbesetzten und sündentriefenden Gottesbildern, vom Wahn, wir müssten mit der Welt Schritt halten.

Wir sind nicht gerechtfertigt im Blick auf das, was wir tun. Erst wenn wir dieses Machen-wollen, dieses Leisten-müssen loslassen, erfahren wir, dass Gott uns trägt. Unser Denken, Reden und Handeln wird dadurch leichter, angstfreier und gelassener. Je weniger wir uns beabsichtigen, desto hellsichtiger werden wir für Gottes Plan mit uns, desto eher nehmen wir wahr, dass wir in vorbereitete Situationen kommen, desto eher fallen uns Begegnungen, Gespräche und gelingende Beziehungen zu.

Noch einmal Luther zum Schluss:

„Ein Christ lebt nicht in sich selbst, sondern in Christus und in seinem Nächsten – oder er ist kein Christ. In Christus lebt er durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe.“

In diesem Sinne wünsche ich uns ein erfreuliches und glaubensstarkes Jubiläumsjahr,

Ihr Pfarrer Christian Brost

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DEMNÄCHST: Ökumenischer Gemeindeausflug am 10. Juni

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Herzliche Einladung zu einem ökumenischen Gemeindeausflug der besonderen Art im Reformationsjubiläumsjahr!

Am Samstag, den 10. Juni geht’s um 7.30 Uhr los (Einstieg/Treffpunkt: Busbahnhof Brodschildstrasse). Wir – die evangelische und katholische Kirchengemeinde – fahren gemeinsam Richtung Höllental und Naßwald, wo vor über 200 Jahren Georg Hubmer, der sogenannte „Raxkönig“, gelebt und gewirkt hat. Wir besuchen miteinander die Hubmer-Gedächtnisstätte mit dem bezaubernden kleinen Holzfällermuseum und der Mini-Schwemmanlage, feiern ökumenischen Gottesdienst in der 1826 zunächst als Schul- und Bethaus erbauten Kirche und essen gemeinsam im „Wirtshaus zum Raxkönig“ zu Mittag!

Am Nachmittag geht’s dann weiter in den Naturpark Schwarzau/Falkenstein, den wir uns auf einem landschaftlich wunderbaren Spaziergang vorbei an Unterstandshütten mit Infotafeln zur Fauna und Flora, Tiergehegen (Rotwild, Gämsen, Mufflons, Murmeltiere) und an einer großen Wiese mit Kinderspielplatz erwandern.

Auf dem Heimweg kehren wir noch beim Heurigen ein und planen so gegen 20 Uhr wieder in Stockerau zu sein.

  • Die Kosten für Busfahrt und Eintritte belaufen sich auf 20€ für Erwachsene und 15€ für Kinder. Die Mahlzeiten sind jeweils individuell zu bezahlen!
  • Anmeldung bitte bis Ende März in den Pfarrämtern
    Evangelische Kirche: telefonisch unter 02266/62108 oder 0699/18877394 oder per Mail: evang.stockerau@gmail.com
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DEMNÄCHST: Kreativaktion Friedenssäule ab 2. März

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Unsere Friedenssäule soll bunt werden.

Dazu brauchen wir fleißige Hände von Menschen, die gerne einmal mit Ton arbeiten möchten.

Wir töpfern Mosaiksteine des Friedens am

  • Donnerstag, den  2.3.17
  • Donnerstag, den  9.3.17
  • Donnerstag, den 16.3.17
  • Donnerstag, den 23.3.17

jeweils 14-16 Uhr im Landespflegeheim „Arche“, Roter Hof 5.
Treffpunkt um 14 Uhr im Eingangsbereich.

Jedes Treffen kann einzeln besucht werden.

Zur Koordination (begrenzte Teilnehmerzahl!) bitte um telefonische Anmeldung bei

Karin Brost (Telefon: 0660-6950330)

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DEMNÄCHST: Eröffnung der Ausstellung „Luther und die Juden“ am 30. April

Für das Reformationsjahr 2017 haben wir als einen Schwerpunkt das Verhältnis Luthers zum Judentum gesetzt. Nicht nur, aber doch auch in besonderer Weise gibt die Geschichte unserer Lutherkirche, der ehemaligen Stockerauer Synagoge, dazu Anlass.

In Zusammenarbeit mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstaltet unsere Gemeinde einen Studientag zum Thema „Gesetz oder Evangelium“. Vorträge zur Torah und ihrem Verhältnis zum christlichen Evangelium sowie Workshops versprechen eine hochinteressante Tagung. Sie startet am Sonntag 30. April um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, in dem Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B., die Predigt halten wird, und endet am Montag 1. Mai um ca. 16 Uhr. Interessierte können sich gerne – bei begrenzter Teilnehmerzahl! – bei Pfr. Brost anmelden.

Zum Gottesdienst am 30. April um 10 Uhr sind natürlich alle herzlich eingeladen, unnabhängig von einer Teilnahme am Studientag – ebenso wie zur Eröffnung der Ausstellung „Luther und die Juden“ um 19 Uhr. Diese Ausstellung, die wir bis zum 31. Oktober 2017 zeigen, verschafft einen kritischen Überblick über den Antijudaismus Luthers und seiner Zeit, stellt aber auch die Entwicklung des Verhältnisses der evangelischen Kirche zum Judentum bis in unsere Zeit dar. Sie sind herzlich eingeladen, zum Beispiel nach einem Gottesdienst diese zu besuchen.

Andreas Andel

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Wir suchen Paten/-innen!

HAUS IBRAHIM

Wenn Sie sich gerne ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren möchten, dann suchen wir SIE!

Wir sind ein Wohnheim für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Stockerau. In unserem Haus wohnen 15 Burschen aus Afghanistan, Syrien und Somalia im Alter von 13-17 Jahren.

Zu unserem Konzept gehört es, dass jeder Bursche eine/-n Paten/Patin bzw. Patenfamilie aus Österreich hat. Dies soll den Burschen Kontakt zu österreichischen Familien ermöglichen, ihnen die Sprache und Kultur unseres Landes näher bringen und einen wichtigen Schritt innerhalb der Integrationsarbeit erfüllen.

Optimal wäre es, wenn Sie aus der Umgebung Stockerau sind (Korneuburg, Langenzersdorf, Stammersdorf etc.), aber auch von Wien ist es über die Autobahn nicht weit zu uns. Ohne Stau erreicht man uns von Floridsdorf in ca. 15 Minuten. Öffentlich erreichen Sie uns gut mit den ÖBB.

Wenn Sie einmal pro Woche Zeit haben, würde sich ein Patenkind sehr freuen. Zwei Treffen pro Monat sind aber auch ok 🙂

Sie können diese Treffen gestalten, wie sie möchten. Gemeinsam Deutsch lernen, Schwimmen oder Eislaufen gehen, ein Museum besuchen, Klettern gehen, durch Wien spazieren, Kaffee trinken oder gemeinsam kochen….. Unser Bursch freut sich über Abwechslung zu seinem Alltag und über Kontakt zu Österreicherinnen und Österreichern!

Wenn Sie Interesse haben, dann können Sie uns so erreichen:
Telefon: 0676 / 532 59 72
Adresse: Manhartstraße 39, 2000 Stockerau
e-mail: office@vor-allem-mensch-punkt.at
Homepage: www.vor-allem-mensch-punkt.at

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Unsere Friedenssäule – Akupunktur für die Welt

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Seit dem 1. Adventsonntag des Vorjahres steht am Platz vor der Kirche unsere Friedenssäule. Sie ist fertig und auch nicht.
„Brauchen wir so was wirklich? Die Welt wird doch nicht friedvoller, nur weil wir in Stockerau eine Betonsäule aufstellen“, war mein spontaner Gedanke, als ich erstmals mit der Idee eines solchen Projekts konfrontiert wurde.
Zwei wichtige Schritte hat es für mich gebraucht, dass ich vom Skeptiker zum Befürworter (fast Fanatiker) des Projekts geworden bin.

World Peace Prayer Society

Ich habe begonnen, mich schlau zu machen, habe nachgelesen: Wir sind nicht die ersten, die eine solche Säule errichtet haben. Unser Projekt reiht sich in mittlerweile weltweit tausende ähnlicher Denk- und Mahnmale ein.

1955 hat der japanische Lehrer und Dichter Masahisa Goi (1916-1980) die „World Peace Prayer Society“ gegründet. Er war davon überzeugt, dass die Worte „Möge Friede auf Erden sein“ den größten Wunsch der Menschheit ausdrückt. Die „World Peace Prayer Society“ setzt sich ein für eine Welt, in der alle Kulturen, Bräuche, Religionen, ethnischen Gruppen und alle Lebensformen respektiert werden, und ist an keine Religion gebunden. Ziel ist, mit den Worten „Möge Friede auf Erden sein“, die als Wunsch, Botschaft oder Gebet verstanden werden können, Menschen aller Nationen, Traditionen und Religionen einander näher zu bringen.

Als ein sichtbares Zeichen dafür begann man weltweit Friedenspfähle mit der mehrsprachigen Inschrift „Möge Friede auf Erden sein“ zu errichten. Die ersten waren Holzpfähle, die in die Erde gerammt wurden – als „Friedensakupunktur“ für die Welt. Inzwischen gibt es sie in unterschiedlichsten Formen und Materialien auf allen Kontinenten.

Friedensplatz 1

Zweiter Schritt war im Vorjahr eine Mitarbeiterfreizeit unserer Gemeinde im Haus der Stille in der Steiermark. Mein letzter Besuch in diesem Haus lag schon Jahre zurück und ich war erstaunt über die Veränderungen, die dort inzwischen stattgefunden hatten. Das Haus liegt jetzt inmitten eines Waldes von Friedensmälern und hat auch eine neue offizielle Adresse: Friedensplatz 1. Durch die unterschiedlichen Kunstwerke, Zeichen und Installationen waren wir ständig mit dem Thema Friede konfrontiert – und damit auch mit unseren noch vagen Vorstellungen einer Friedenssäule. In diesen Tagen kristallisierte sich heraus: Ja, so ein Projekt macht Sinn, wir machen uns ans Werk.

Die Sprachen unserer Friedenssäule

Sehr unkompliziert erhielten wir die Genehmigung der Stadt für das Projekt – diese war notwendig, weil die Säule auf einem öffentlichen Grundstück steht.

Die Sprachen der Worte „Möge Friede auf Erden sein“ wurden ausgewählt:

  • Deutsch, unsere Muttersprache
  • Hebräisch, als Offenbarungssprache der Bibel und vor dem Hintergrund der Geschichte unseres Kirchengebäudes
  • Arabisch, als Offenbarungssprache des Korans und der örtlichen Nähe zur islamischen Gemeinde
  • Englisch, als quasi internationale, völkerverbindende Sprache

Ein lebendiges Projekt

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In den Tagen vor dem ersten Adventsonntag konnten die Mosaikbänder mit den Schriftzügen auf die Säule montiert werden. Sie schwingen sich bogenförmig um die Säule. Dazwischen ist noch der nackte Beton zu sehen.

Wir wollten nicht Material sparen. Die Säule ist ein lebendiges Projekt. Viele – möglichst alle – sollen am Frieden mitarbeiten, Hand anlegen. Friede IST nicht – er muss von uns allen gemacht werden.

Bei verschiedenen Veranstaltungen werden wir am Frieden „bauen“ und Mosaiksteinchen als Zeichen für den Ruf „Möge Friede auf Erden sein“ kleben.

Leo Pfisterer

 

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Gottesbegegnungen an ungewöhnlichen Orten

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Es war ein Tag besonderen Gäste, diese Tagung der niederösterreichischen Lektorinnen und Lektoren. Als Überraschungsgast kam unser neuer Superintendent Lars Müller-Marienburg, der nicht nur durch die persönliche Begrüßung jedes einzelnen Teilnehmers, sondern auch durch seine ganztägige Teilnahme ein Zeichen der Wertschätzung für diese ehrenamtliche Tätigkeit setzte. Freilich zahlte sich das auch für ihn aus, denn der zweite Gast – und auf den freuten sich alle, die ihn schon kannten – war Wilhelm Bruners.
Unser Pfarrer und NÖ Lektorenleiter Christian Brost stellte Bruners als seinen Lehrer, Mentor und Freund vor – einen katholischen Pfarrer, der viele Jahre in Israel verbrachte und auf ein reiches Leben theologischer Lehre, Arbeit und Begleitung zurückschauen kann. Beeindruckend, wie sehr er bei scheinbar jedem (theologischen) Thema aus dem Vollen schöpft, aber auch, wie er die große Schar seiner Zuhörer in seinen Bann zieht (meine Sitznachbarin meinte am Ende der Tagung: „Am liebsten würde ich ihm gleich noch fünf Stunden zuhören“).

Das Thema der Tagung war „Gottesbegegnungen an ungewöhnlichen Orten“. Der brennende Dornbusch, in dem Gott Moses begegnet – die wohl bedeutendste Gotteserfahrung des jüdischen/christlichen Glaubens – ist so ein ungewöhnlicher Ort. Ungewöhnlich war er ganz sicher schon für Moses selbst: Ihm, dem ägyptischen Königssohn, begegnet Gott in einem niedrigen, dornigen Strauch. Gott spricht aus diesem Strauch, er erniedrigt sich somit und macht einen „niedrigen“ Ort zu einem heiligen, an dem Moses aufgefordert wird, seine Schuhe auszuziehen. Der brennende Dornbusch ist ein für Gott unwürdiger Ort. Gott offenbart sich dadurch als ein Gott, der solidarisch ist mit den Menschen – mit dem Volk Israel, das sich wie der Dornbusch in der ägyptischen Gefangenschaft niedrig und unwürdig fühlen musste.

Gott im Dornbusch ist aber auch ein Gegenbild zu einem Gott im königlichen Palast. Die templischen Traditionen, wo die Vorhalle (Pro-Fanum) vom allerheiligsten Ort (Fanum) streng getrennt und letzerer nur einmal im Jahr vom obersten Priester betreten werden durfte, waren Moses vertraut. Jetzt erfährt er, dass wir in kirchlichen Inszenierungen einem Gott, der uns im Dornbusch erscheint, gerade nicht gerecht werden.

Dennoch: Das Spannungsverhältnis zwischen religiöser Inszenierung (Tempel) und dem Wort allein (Gott im Dornbusch) bleibt bestehen – und das ist auch notwendig, denn einen Verabsolutierung des Wortes führt direkt in den Fundamentalismus. Diesen Fundamentalismus vertreibt Jesus aus der Synagoge als unreinen Geist (die Geschichte der kanaanäischen Frau). Fundamentalismus – das ist ihm wesensimmanent – macht Angst. Die Pharisäer werfen Jesus vor, den Sabbat nicht zu heiligen; für Jesus aber bedeutet der Sabbat Befreiung, Durchatmen, Erleichterung, also das Gegenteil von Angst.

Und das war wohl so etwas wie die „hidden agenda“ im Vortrag Bruners, nämlich die Entwicklung eines Gottesbildes von der inszenierten Trennung (Pro-Fanum) hin zu einem befreienden, befreiten Gottesbild, das jede Trennung von einem exklusiv-elitären Gott aufhebt und einen Gott zeichnet, der zu den Menschen kommt und jede (fundamentalistische) Angst vertreibt. Im Augenblick von Jesu Tod zerreißt der Vorhang im Tempel, der Blick auf das Allerheiligste wird frei, die Trennung zwischen Pro-Fanum und Fanum wird aufgehoben. Jesus wird somit zum Schlussstein, der den ganzen Bau zusammenhält.

Andreas Andel

P.S. Noch ein paar Zitate, die hängengeblieben sind – Zitate von W. Bruners und auch welche, die er selbst zitierte:
„Man muss Gott ernst nehmen, aber nicht todernst.“
„Gott ist einen Schweißausbruch wert.“
„Wir hören viel zu früh zu fragen auf.“
„Wer zu weit geht (= Grenzen überschreitet), muss damit rechnen, dass er es mit Gott zu tun bekommt.“
„Die Bibel ist ein Stück orientalische Literatur, die eine Erzählgemeinschaft begründet. Sie stellt unterschiedliche Gotteserfahrungen nebeneinander.“
„Der drei-einige Gott erinnert daran, dass in Gott ganz viel los ist.“

Und hier können Sie den Vortrag von W. Bruners nachlesen.

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Aus dem Presbyterium

Derzeit steht für das Presbyterium auch einiges Persönliches im Mittelpunkt. Verletzungen, Operationen, Kur, Todesfälle in der Familie treten ungewöhnlich gehäuft auf. Derartige Untiefen konnten uns aber nicht in unserer Tatkraft bremsen. Schließlich gibt es immer viel zu besprechen und zu beraten.

Reformationsjubiläum

2017 ist das Jahr des Reformationsjubiläums. 500 Jahre ist es her, dass Martin Luther seine 95 Thesen an die Türe der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat. Wir wollen an unsere Kirchentüre ein Erinnerungsplakat unter dem Motto „Freiheit und Verantwortung – Evangelisch Sein 2017“ hängen.

Am 30. April wird die Ausstellung „Luther und die Juden“ eröffnet. Nicht zufällig wurde unsere Kirche – als ehemalige Synagoge – 1938 wohl „Lutherkirche“ genannt. Auch solche Zusammenhänge, ihre Ursachen und Wirkungen wollen wir 2017 in Kooperation mit dem Koordinierungsausschuss für christliche-jüdische Zusammenarbeit genauer ansehen. Der gemeindliche Bezug wird in der Ausstellung sehr deutlich werden.

Und: Die Reformation ist kein historisch vor 500 Jahren abgeschlossener Vorgang! Reformation endet nicht. Die Frohe Botschaft des Ersten und des Zweiten Testaments bleibt und fordert uns. Auch das wollen wir 2017 unter dem Motto „Freiheit und Verantwortung“ deutlich machen.

Kirchenmusik

Im Dezember haben wir neue kirchenmusikalische Möglichkeiten mit Melitta Ebenbauer entdeckt.

Budget und Personelles

Alljährlich wiederkehrende Themen waren Budget und Personalfragen. Letztes Wort dazu hat die Gemeindevertretung, die heuer am 5. März ab 11 Uhr in Stockerau tagt. Die Sitzung ist öffentlich.

Flüchtlingsarbeit

Immer wieder finden im Gemeindezentrum Deutschkurse für Flüchtlinge statt. Auch das Projekt „Sprachrohr“, wo rund 15 minderjährigen Flüchtlingen mit einer speziell geschulten Dolmetscherin ein psychotherapeutisches Angebot gemacht wird, findet bei uns Unterschlupf.

Begegnungscafé

Zuletzt möchte ich Sie noch auf das neue „Begegnungscafé“ hinweisen. Erstmals am 19. März, 15-17 Uhr wird es in unserem Stockerauer Gemeindezentrum die Möglichkeit geben, mit Flüchtlingen aus dem ehemaligen Bezirksgericht (SLC-Quartier) ins Gespräch zu kommen, Ängste und Vorurteile abzubauen und zur Integration der Menschen beizutragen. Die Flüchtlinge bekommen so die Chance, auch einmal außerhalb ihres Quartiers einen geselligen Nachmittag zu verbringen.

Also bitte: 19. März und 2. April, jeweils 15-17 Uhr vormerken, wenn möglich Kuchen, jedenfalls aber Interesse am Anderen mitbringen! Bei entsprechendem Erfolg ist geplant, derartige Cafés regelmäßig abwechselnd bei uns und im neuen katholischen Pfarrzentrum P2 zu ermöglichen.

Gert Lauermann

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Geistliches Wort zum Advent

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Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1,14

Die Ikone ist wie eine Brille, die man aufsetzt, um den Himmel zu sehen.
Diarmaid MacCulloch

Nun hat sie wieder begonnen, die Adventzeit, die Zeit der Vorbereitung auf das Christfest.
Kitsch, Kommerz, Hast und Eile – alles Begleiterscheinungen dieses Festes, wohl wahr! Doch sie vermögen unsere Freude und unser Berührt-sein nicht zu schmälern, wenn wir anfangen darüber zu staunen: Gott ist Mensch geworden. Gott ist uns nahe. Er will unsere Herzen gewinnen und heil machen. Allen gilt die frohe Botschaft von der Geburt des Heilands im Stall von Bethlehem und in unseren Herzen. Ich lade Sie herzlich ein, dieses Wunder in der Advents- und Weihnachtszeit mit uns zu bestaunen und zu feiern!

Der Ausschnitt aus der Weihnachtsikone, den Sie hier sehen, deutet es an, dass wir uns dieses Jahr auf besondere Weise der Weihnacht nähern: mit Ikonen, Bildern des Glaubens. Sie erzählen Geschichten von Gott und vom Glauben und Leben der Menschen. Die frühchristliche Tradition der Ikonenmalerei ist besonders in den Kirchen des Ostens sehr verbreitet. Eine Ikone ist nicht einfach nur ein dekoratives Bild, sondern eine Möglichkeit, Gott im stillen Schauen und Meditieren zu begegnen.

Mit unserem Kirchenkünstler Leo Pfisterer haben wir im Advent einen Fachmann zu Gast, der nicht nur selbst Ikonen malt, sondern uns in die Welt der Ikonen einführt und uns die Möglichkeit beschert, in unserer Kirche Ikonen in stimmungsvoller Atmosphäre zu erleben.

Ikonen im Kerzenschein“ heißt die Veranstaltung am Samstag, den 3. Dezember um 19 Uhr in der Lutherkirche, zu der Sie herzlich eingeladen sind. Die Ikonen begleiten uns dann durch den Advent. Auch die Weihnachtsikone, aus der ein kleiner Ausschnitt abgebildet ist und die wir uns bei den „Stillen Halben Stunden im Advent“ am 7., 14. und 21. Dezember jeweils von 19 Uhr bis 19.30 Uhr bei meditativer Musik und mit nachdenklich stimmenden Texten näher ansehen werden.

Sie sehen, es gibt wunderbare Gelegenheiten, dem adventlichen Trubel zu entfliehen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Ich würde mich freuen, wenn wir uns bei einer der Veranstaltungen oder bei einem der Gottesdienste wiedersehen!

Einen besinnlichen Advent, ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein friedvolles neues Jahr 2017 wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

Veröffentlicht unter Geistliches Wort

Basiskurs Flüchtlingsbegleitung

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Anmeldung bei Gert Lauermann, gert.lauermann@gmail.com

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