Geistliches Wort zum Reformationsjubiläum

Wenn wir in diesem Jahr das 500. Reformationsjubiläum feiern, laufen wir Evangelischen immer Gefahr zu betonen, woGEGEN die Reformatoren ihre Stimme erhoben haben.

Auch wenn es durchaus einiges gab, wogegen sie zu Recht (in manchen Fällen womöglich auch zu Unrecht) aufbegehrt haben, kann es für uns fünf Jahrhunderte später nicht genügen, einer Konfession anzugehören, die sich nur durch den Protest gegen etwas anderes definiert. Denn erstens ist die Rolle einer Opposition aus Prinzip unerfreulich, unsympathisch und humorlos. Und zweitens ist es gefährlich, nur gegen etwas zu sein. Denn auf diese Weise verliert man die Existenzberechtigung, wenn einmal alle Missstände abgestellt sind, die man angeprangert hat. (Oder noch schlimmer: Man möchte insgeheim, dass die Missstände bestehen bleiben, damit es einen weiterhin geben kann.)

Natürlich gibt es unzählige Dinge, woFÜR die Reformatoren vor 500 Jahren und wir Evangelischen von heute sind. Ganze Bibliotheken voller Bücher der evangelischen Theologie und des evangelischen Glaubenslebens wurden geschrieben, die ja zum allergrößten Teil von dem handeln, wofür wir sind. Aber wenn wir schnell gefragt werden, worum es bei der Reformation ging, reden wir meist nicht von den komplizierten Gedankengängen des evangelischen Glaubens, sondern sagen wir doch immer wieder: Es ging damals gegen Papst und Kaiser.

Ich habe mir angewöhnt, eine andere Zusammenfassung der Reformation und des evangelischen Glaubens zu nennen. Sie lautet: Wir sind für Gott und für die Menschen. Das hört sich etwas banal an und ist ehrlich gesagt nicht ursprünglich evangelisch, sondern stammt aus dem Mund von Jesus selbst (Mt 22,37-40). Evangelisch ist für mich aber der Umgang damit. Es geht darum, kritisch andere zu befragen: Geht es bei dem, was ihr tut und wie ihr es tut, um Gott und um die Menschen und ihr Wohl? Das haben die Reformatoren getan – und wir tun es bis heute, wenn wir uns in die Diskussionen der Ökumene und der Öffentlichkeit einbringen. Evangelisch ist aber noch viel mehr, dass wir uns selbst kritisch hinterfragen. Denn wie jede Organisation sind auch die evangelischen Kirchen nicht davor gefeit, sich doch wieder um sich selbst, um das eigene Ansehen, um finanzielle Interessen, um die Macht als Organisation oder um die Macht einzelner Personen zu kümmern. Evangelisch ist, dass wir uns selbst an unseren Ansprüchen messen und messen lassen – und uns immer wieder fragen: Ist das, was wir tun und sagen, gut für Gott und die Menschen? Deshalb entscheiden wir manches neu und in anderen Fällen verändern wir auch einmal getroffene Entscheidungen, wenn erkennen, wie es eigentlich ginge, wenn wir Gott und die Menschen in den Mittelpunkt stellen.

SI Mag. Lars Müller-Marienburg

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Evangelisches Siebenbürgen

Siebenbürgen, rumänisch: Transilvania, liegt im Bogen der Ost- Südkarpaten im Zentrum Rumäniens, ist reich an vielen Kulturen und mit insgesamt achtzehn staatlich anerkannten Religionen wohl das bunteste religiöseste Land der ehemaligen Ostblockstaaten.

Die evangelische Kirche A.B. zählt zu den historischen Kirchen auf dem heutigen Gebiet Rumäniens. Wie in vielen anderen Ländern Europas fiel auch in Siebenbürgen die Lehre Luthers auf fruchtbaren Boden. Die Reformation begann im Jahr 1519 in Hermannstadt (Sibiu), wo Kaufleute Schriften von der Leipziger Messe mitbrachten.

Die Reformation bzw. die Anerkennung der evangelische Kirche A.B. fand im siebenbürgischen Gesetzbuch der Aprobaten 1568 den Abschluss:

Die vier landtäglich gesetzlich anerkannten Religionen sollen für alle Zeiten als solche anerkannt werden, …..

Die freie Ausübung dieser vier rezipierten Religionen, nämlich

  • der evangelische-refomierte oder calvinischen,
  • der lutherischen oder der des Augsburgischen Bekenntnisses,
  • der römisch-katholischen,
  • der unitarischen oder antitrinitarischen,

wird in allen nach den Landtagsbeschlüssen gewöhnlichen Orten für alle Zeiten gewährleistet.

Diese Religionsfreiheit überdauerte in Siebenbürgen alle Jahrhunderte. Die Religionsfreit ist auch im heutigen Rumänien ein Faktum. Keine der anerkannten Kirchen in Rumänien hat eine Sonderstellung im Sinne einer Staatskirche.

Die evangelische Kirche A.B. in Rumänien ist die Kirche der Siebenbürgen Sachsen. Durch die Auswanderung der Sachsen nach Deutschland nach der Revolution 1989 reduzierte sich die Mitgliederzahl der evangelische Kirche A.B. schlagartig von ca. 100.000 auf 11.600 Personen. 1930 zählte die Kirche noch über 230.000 Mitglieder. Durch diesen Exodus sind viele Gemeinden von jeweils über 1.000 auf 100 oder noch weniger Mitglieder geschrumpft.

Die Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Großschenk mit Frau Friederike Pall als Kuratorin ist eine dieser Gemeinden – eine Gemeinde mit ca. 70 Mitgliedern, die an vielen Fronten kämpft, die ich schätzen lernte und für die Kraft und Ausdauer bewundere.

Helmut Montsch

Seit 2015 unterstützen wir Großschenk mit einer Kollekte im Jahr, die für diakonische Zwecke verwendet wird.

Hier das Dankschreiben der Gemeinde:

Sehr geehrte Gemeindeglieder der Pfarrgemeinde A. und H.B. Stockerau!

Auf diesem Weg bedanke ich mich bei Ihnen im Namen unserer evangelischen Kirchengemeinde aus Großschenk für Ihre großzügige Spende von 2017, die uns Herr Helmut Montsch überreicht hat.

Da die Gesundheitskasse keine Kosten für Inkontinenzartikel übernimmt und wir mehrere Härtefälle haben, freuen wir uns sehr, dass Sie uns in diesem Sinne unterstützen und vor allem Verständnis für unsere Probleme und Sorgen haben. Ebenso verwenden wir einen Teil des Geldes zur Unterstützung schwächerer Familien beim Einkauf von Medikamenten, da auch diese größtenteils aus eigener Tasche bezahlt werden müssen.

Ihre Spenden von 2015 und 2016 konnten wir sehr gut gebrauchen, da noch ein Härtefall eingetreten ist, der ebenfalls auf Inkontinenzartikel angewiesen ist.

Im Namen unserer Kirchengemeinde lade ich Sie ein uns zu besuchen, um sich ein Bild vor Ort zu machen.

Unsere Kirchengemeinde besteht größtenteils aus älteren Generationen, die kleine Renten beziehen; dementsprechend kommt jede kleine Hilfe gut an. Zum Beispiel erhalten wir vor Weihnachten und vor Ostern Spenden im Wert von 6 (sechs) Euro pro Person vom Diakonischen Werk Mönchengladbach. Für dieses Geld kaufen wir Lebensmittel ein und unterstützen damit alle Gemeindeglieder. Wenn wir diese dann aufteilen, sehen wir leuchtende, feuchte Augen, so groß ist die Freude! Damit will ich nur zeigen, dass kleine Aufmerksamkeiten große Wirkung haben.

Nochmals vielen Dank für alles,

Ihre

Frederike Pall, Kuratorin

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Das große Fest

Eines muss ich vorweg gleich klarstellen: Ich mag Veranstaltungen, wo sich Massen tummeln, eigentlich gar nicht. Da ist nicht meins!

Aber: Der 30. September war da eine würdige Ausnahme. Schon ein halbes Jahr vorher wusste ich, dass ich dabei sein wollte. Dass es dann auch die Möglichkeit gab, bei einem Sing-along mit zu machen, war einfach toll.

Reformation bewegt

Vielleicht sollte ich zuerst erwähnen, worum es überhaupt ging. DAS FEST „Reformation bewegt“ sollte der Höhepunkt medialer Art des Jubiläumsjahres „500 Jahre Reformation“ sein. An einem möglichst prominenten Ort – nämlich dem Wiener Rathausplatz – sollten möglichst viele Menschen zusammenkommen und sich ein Bild von den evangelischen Kirchen Österreichs machen können.

Und was für ein Bild das war! Erstens: Perfektes evangelisches Wetter! Und es waren wirklich sehr viele Menschen, was für uns Evangelische schon Seltenheitswert hat: sie waren unzählbar (laut Polizeischätzung mehr als 18.000). Bei der Eröffnung um 12 Uhr Mittag kamen Michael Bünker, Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche, Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der Evangelisch-reformierten Kirche und Stefan Schröckenfuchs, der Evangelisch-methodistische Landessuperintendent zu Wort. Zusammengefasst war ihre Botschaft: Auch heute, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers, braucht es Mut und Zuversicht, damit sich Demokratisierung und Anwendung der Menschenrechte weiterentwickeln. Es gilt auch heute Verantwortung zu übernehmen – vor allem in den Bereichen Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Nobelpreisträgerin Leymah Gbowee

Dazu helfen sollten Mutmacher und Mutmacherinnen, wie zum Beispiel die Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee. Sie plädierte in ihrem sehr persönlichen und inspirierenden Statement auf der großen Bühne für eine Reformation der Menschlichkeit.

Sie sagte: „Jeder kann zum Frieden beitragen, dazu braucht es nicht eine Milliarde Dollar. Es genügt, wenn jeder eine gute Tat macht, die sich ein anderer nicht zu machen traut. Man muss hoffen, beten und tun, was getan werden muss.“ Sie selbst wurde immer durch den Ausspruch Nelson Mandelas begleitet: „Mutige Menschen haben auch Angst, aber trotz der Angst stehen sie auf und werden aktiv.“

Große Bühne(n)

Apropos große Bühne: Die war direkt vor dem Rathaus aufgebaut – und ein buntes Programm wurde geboten. Den Beginn machte ein 120-köpfiger Bläserchor aus Teilen Österreichs, Deutschlands und Ungarns. Es folgte das schon erwähnte Sing-along, wo ein Chor und ein Orchester auf der Bühne und viele – mehr als 200 SängerInnen – vor der Bühne gemeinsam Hits wie das Händel-Halleluja sangen.

Zu diesem Zeitpunkt, so gegen 13 Uhr, hat es schon ordentlich gewimmelt. Auf der Hauptbühne folgten Kinder und Jugendliche aus verschiedenen evangelischen Schulen, die Mutmacher Sven Giegold (EU-Parlamentarier und Initiator der European Christian Convention)m Sumaya Farhat-Naser (palästinensische Friedensaktivistin) und viele mehr.

Ein großer Rahmen

Der breite Weg zum gegenüberliegenden Burgtheater war gesäumt von 38 Pagoden, wo verschiedene evangelische Einrichtungen Informationen anboten. Dort, bei der Pagode von der Niederösterreichischen Evangelischen Kirche, habe ich auch unseren Pfarrer Christian Brost getroffen. Auch er war beeindruckt von der Stimmung und dem tollen Programm.

Zum Glück gab es genügend Sitzgelegenheiten zwischen den Pagoden. So konnte man sich ausrasten, etwas essen und mit Bekannten oder Fremden ins Gespräch kommen.

Wer sich in den angrenzenden Rathauspark begab, konnte sich bei 18 Mitmachstationen von Malen, Reden bis Bubblesoccer austoben. Das waren naturgemäß eher jüngere Menschen, aber auch wirklich viele. Und man konnte noch eine zweite Bühne finden. Mit Helmut Montsch, unserem Schatzmeister, und seiner Frau Emanuela habe ich dort einem Auftritt von Kohelet 3 gelauscht, nachdem der Krumpendorfer Chor noch 2 Kärntnerlieder gesungen hatte.

Eine dritte Bühne soll sich im Rathauskeller befunden haben. Wegen des großen Andrangs war es mir nicht möglich sie zu sehen. Ich habe aber im Rathauskeller einen Ausschnitt vom Kabarettprogramm Luther 2.017 mit Oliver Hochkofler und Imo Trojan zumindest gehört.

Das Abschlussprogramm

Der Abend kam näher und damit das von mir schon heiß erwartete Abschlussprogramm auf der Hauptbühne. Moderator Karl Markovics geleitete durch den Abend mit Musik vom „Blechhauf’n“ – einfach geniale Blasmusik, „Masaar Hub“- eine jazzige Gruppierung mit Paul Gulda – bis „4Real“, einem American Gospel Feat, und anderen. Zum Glück konnte ich mich zur Musik ausreichend bewegen – so wurde mir nicht kalt.

Einen Beitrag von Karl Markovics will ich herausgreifen: Es war die Rede von Martin Luther King, die 1963 in Washington zu hören war. Wahrscheinlich jede/r von uns hat Teile davon schon gehört. Zumindest den Ausspruch: I have a dream.

Nun, diese Rede im heutigen Europa, auf unserem Rathausplatz in Wien so zu hören, hat mich tief beeindruckt. Zum einen, weil ich den Schauspieler Markovics verehre und der Vortrag sehr emotional angekommen ist; zum zweiten, weil der Inhalt dieser Rede – mit Ausnahme der geografischen Bezeichnungen – auch für uns – heute – hier Bedeutung hat.

Ein Motivationsschub

Das Green Event (zeichnet sich durch nachhaltige Planung, Organisation und Umsetzung aus) ging zu Ende. Während ich – ziemlich müde – mit der Schnellbahn nach Hause fuhr, ging mir die Veranstaltung noch durch den Kopf. Es war ein tolles Erlebnis – fast wie ein großer Bazar, wo man gustieren, etwas kennenlernen konnte. Und es gab eine klare Botschaft: Es macht Sinn, sich für Umwelt, Menschenrechte, Versöhnung und Gerechtigkeit einzusetzen. Jede/r einzelne kann dazu beitragen, und die evangelischen Kirchen – in meinem Fall die lutherische – lädt mich und alle, die das wollen, auch dazu ein sich einzubringen.

Auf diese Art und Weise gab mir dieses Fest einen kräftigen Motivationsschub, mich weiterhin zu engagieren.

Irmi Lenius

Sämtliche Fotos dieser Seite: (c) Evangelischer Pressedienst Österreich

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Reformation – was für ein Glück!

Manchmal kann ein einzelner Mensch die Welt verändern!

Oder zumindest großen Veränderungen den Weg bereiten, Entwicklungen in Gang setzen, in deren Verlauf dann viele mit ihrer Tatkraft und mit ihrem Einsatz die Welt verändern.

Solch ein Mensch war Martin Luther. Er hat nicht geahnt, welch eine Lawine er mit seinen 95 Thesen ausgelöst hat, die er vor 500 Jahren veröffentlicht hat. Es ging ihm um das Vertrauen Gott gegenüber, um ein Leben ohne Angst vor Hölle, Tod und Teufel, um engagiertes Christsein aus Dankbarkeit Gott gegenüber. Er hat dagegen protestiert, dass seine Kirche aus der Angst der Menschen vor dem Fegefeuer Kapital schlug.

Seine neue Theologie hatte Luther einem zu verdanken, der die rechte Erkenntnis Gottes durch sein Leben, Reden und Handeln erst möglich gemacht hatte: Jesus aus Nazareth. Er hat Gottes Gegenwart in dieser Welt sichtbar und spürbar gemacht. Er hat den Menschen seiner Zeit die Augen geöffnet für Gott und seine Welt und ihnen Mut gemacht, Gott in ihrem Leben Raum zu geben. Immer und immer wieder hat er diese Botschaft verkündigt. Er hat große Reden gehalten, z.B. als er seine Jünger aussandte oder als er mit seinen Zuhörern über das Ende der Zeit nachdachte. Auch seine Gleichnisse zeigten mit einfachen Worten und Bildern die Nähe Gottes an.

Glaube und Glück gehören zusammen

Seine bedeutsamste Rede hat Jesus auf einem Berg gehalten. Die Bergpredigt wirft alle Gesetze der Redekunst über den Haufen. Sie nimmt keinen langen Anlauf, um den wichtigsten Teil ihrer Botschaft vorzubereiten. Sie setzt mit dem wichtigsten Teil ein. Gleich zu Beginn stehen die Seligpreisungen – jene acht Sätze, die bis heute nichts von ihrer Wucht und ihrer Aktualität eingebüßt haben:

Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn Gottes Herrschaft und Herrlichkeit gehört ihnen.
Glücklich sind die Traurigen, denn Gott wird sie trösten.
Glücklich sind, die auf Gewalt verzichten, denn sie werden die ganze Erde besitzen.
Glücklich sind, die sich nach Gottes Gerechtigkeit sehnen, denn Gott wird ihre Sehnsucht stillen.
Glücklich sind die Barmherzigen, denn Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein.
Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.
Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen.
„Glücklich sind…“ – Glaube und Glück gehören zusammen.

Gott vertrauen zu können ist ein großes Glück.

Auch für Martin Luther ging es um nichts anders als das Lebensglück, gelingendes Leben, das in Gottes Nähe führt und nicht endet.

Dabei stand Luthers Leben zunächst unter einem unglücklichen Stern. Sein ursprünglicher Berufswunsch, Jurist zu werden, zerschellt im Gewitter von Stotternheim. „Heilige Anna, hilf, ich will ein Mönch werden“, so schwört er. Und er hält seinen Schwur. Statt im Gerichtssaal endet Martin Luther im Kloster. Zumindest zunächst.

Doch je mehr er aufsaugt an theologischer Gelehrsamkeit, desto größer wird sein Unglück. Martin Luther erkennt seine Grenzen. Mag es zu einem tugendhaften Leben vor den Menschen reichen, vor Gott, das weiß er, reicht nicht aus, was er an guten Werken vorzuweisen hat. Sein Lebensweg wird zu einer Reise ins Unglück.

Wäre ihm da nicht mit einem Mal klargeworden: Der Weg ins Glück folgt nicht der Spur meiner guten Werke. Er folgt Gott, der mir entgegenkommt und mir alles beilegt, was ich zum Leben brauche: Vergebung, Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und Hoffnung. „Und mit einem Male“, so schreibt Luther ein Jahr vor seinem Tod, „mit einem Mal standen mir die Pforten des Paradieses offen.“ Luther findet sein Glück. Findet zurück ins Paradies. Weil er erkennt: Nicht die vollen, sondern die leeren Hände machen mich reich vor Gott.

Um diese leeren Hände geht es in den Seligpreisungen: um Armut und Trauer, um Verzicht auf Hochmut und um vorenthaltene Gerechtigkeit, um ein offenes Herz für Gott und um eine Welt, die nach Frieden schreit. Nicht die sind glücklich, die ihr Leben gründen auf ihrer Leistung, ihrer Macht, ihrer Schönheit: Glücklich sind die, die Gott schön macht, weil er ihre Tränen trocknet und in ein Lachen verwandelt. Weil er ihre Herzen füllt. Und weil er ihnen den Frieden in den Schoß fallen lässt. Was für ein Glück!

Wie kriege ich einen gnädigen Gott?

Das war die große Frage Martin Luthers.

Und seine Antwort: Wir haben Gott nie anders als gnädig. Seit der Zusage Gottes an Abraham: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Seit den Tagen des Mose auf dem Sinai. Ich bin der Herr, dein Gott. Du wirst keine anderen Götter haben außer mir. Seit den Tagen Jesu von Nazareth, der den Menschen zurief: Kehrt um, denn Gottes Reich ist nahe herbeigekommen.

Du bist mir recht! So lernt Luther Gott neu verstehen. Du bist mir recht. Und deshalb darfst du glücklich sein. Kein Wunder, dass Luther mit dem Glück der leeren Hände leben kann. „Wir sind Bettler, das ist wahr!“ So lauten nicht ohne Grund die letzten Worte Martin Luthers.

Rechtfertigung aus Glauben

Du bist mir recht! Luther findet sein Glück in dieser Zusage. Rechtfertigung aus Glauben nennt er das.

„Glücklich seid ihr … Selig seid ihr …“ Das ist die Übersetzung der großen Erkenntnis Luthers in die Sprache der Bergpredigt.

„Glücklich seid ihr…“ Möge diese Zusage Sie und Euch begleiten auf dem Weg durch den Herbst. Mehr als diese Zusage braucht’s nicht. Heute nicht. Und auch sonst nicht.

Pfr. Christian Brost

 

Sie sind herzlich eingeladen, das Reformationsfest in diesem besonderen Jahr mitzufeiern:

  • Samstag, den 28.10.2017 um 17 Uhr in der Kapelle des Landespflegeheims in Retz
  • Sonntag, den 29.10.2017 um 10 Uhr in der Christuskirche in Hollabrunn
  • Dienstag, den 31.10.2017 um 19 Uhr in der Lutherkirche in Stockerau
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Gemeindeausflug nach Nasswald

Am Morgen des 10. Juni waren in Stockerau am Busbahnhof nur ganz wenige Hundebesitzer unterwegs, um ihren Liebling Gassi zu führen. Und die werden sich wohl gefragt haben, wo denn an einem Sonntag um halb acht Uhr in der Früh alle diese Leute hinwollen, wo noch dazu ziemlich regnerisches Wetter war. Des Rätsels Lösung: Gemeindeausflug nach Nasswald!

Eine Gruppe von ca. 70 Menschen – Katholiken, Evangelische, Orthodoxe, Moslems und Menschen ohne Bekenntnis – machten sich in zwei Reisebussen auf den Weg, um einen Tag gemeinsam zu verbringen. Der erste Programmpunkt führte uns nach Nasswald im Süden Niederösterreichs, eine kleine Gemeinde mit großer Geschichte. 1872 waren die evangelischen Gebrüder Hubmer dorthin gezogen, um den Urwald zu schlägern und Holz für die Eisenproduktion zu liefern. Da Josef II. das Toleranzpatent erlassen hatte, konnten sie hier ihren Glauben offen leben. Sie erbauten ein Bethaus in Nasswald, das bis heute steht. In diesem Bethaus feierte unsere Ausflugsgemeinde einen von den Pfarrern Brost und Beranek gemeinsam geleiteten Gottesdienst.

Anschließend bekamen wir eine Führung durch Kirche und Museum, bei der wir z.B. erfahren konnte, dass Nasswald derzeit die kleinste eigenständige evangelische Gemeinde Österreichs ist. Es wurde auch viel über Georg Hubmer, den Gründer der Gemeinde, erzählt. Er hielt sich nicht an die damaligen diskriminierenden Bauvorschriften für evangelische Gotteshäuser und baute verbotenerweise runde Fenster und einen Turm auf „seine“ Kirche.  Als er deswegen bei Kaiser Franz Josef angezeigt wurde, soll der ihm verbundene Kaiser angeblich gesagt haben: „Man lasse mir meinen Raxkönig in Ruhe!“. Bis heute kennt man diesen Spitznamen des unbeugsamen und charakterstarken Mannes. Auch des neben der Kirche gelegene Gasthaus trägt den Namen „Zum Raxkönig“ und dort speisten wir sehr gut zu Mittag.

Die unerlässlichen 1000 Schritte nach dem Essen taten wir bei inzwischen herrlichem Wetter im nahegelegenen Naturpark Schwarzau. Dort fanden wir in der wildromantischen Landschaft – umgeben von Rax, Schneealpe und Schneeberg – ein Wildgehege, einen Streichelzoo, wunderschöne Spazierwege. Ein Besuch bei einem Mostheurigen beschloss diesen schönen Tag, der nicht nur voller interessanter kultureller und landschaftlicher Eindrücken war, sondern vor allem von Gesprächen und Begegnungen zwischen Menschen geprägt war, die sich zu verschiedenen Religionen bekennen. Es bleibt sehr zu wünschen, dass es nicht bei diesem einen ökumenischen Ausflug bleibt!

Christine Andel

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Sachbeschädigung in Stockerau

Ein oder mehrere SprayerInnen verunstalteten diesen Juli unsere Stockerauer Kirche. Und das schon zum zweiten Mal.

Die gesprayten Texte ergeben für uns keinen Sinn und haben keinen erkennbaren Zusammenhang zu unserer Pfarrgemeinde. Dennoch ist es natürlich ärgerlich und unansehnlich, wenn unsere Kirchenfassade als Schreibblock missbraucht wird. Zusätzlich zur  Fassade wurden auch die Türschnalle und der Türrahmen mit silberner Farbe angesprüht.

Der finanzielle Schaden ist nicht versichert und geht in den vierstelligen Bereich. Wir sind bemüht, den Schaden kostengünstig zu beseitigen und hoffen, dass der oder die TäterInnen von der Polizei bald gefunden werden, damit so etwas nicht mehr vorkommt. Für Hinweise auf die Täter oder auf kostengünstige Beseitigungsmöglichkeiten der zweifelhaften „Kunstwerke“ sind wir dankbar!

Gert Lauermann

 

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Hunger in Ostafrika – Dürre, Krieg und Flucht

«Rund 20 Millionen Menschen in den vier Krisenstaaten Nigeria, Südsudan, Jemen und Somalia droht der Hungertod.» Diese eindringliche Warnung brachte UNO-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien im Frühjahr vor die internationale Gemeinschaft. Obwohl es die größte humanitäre Katastrophe seit Gründung der Vereinten Nationen ist, nimmt die Öffentlichkeit davon nur am Rande Notiz. Wie so oft, trifft es die Ärmsten der Armen besonders hart: die Kranken, die Alten und die Kinder. Zudem erschweren militärische Konflikte die Hilfe und verschärfen zusätzlich die Situation der notleidenden Menschen.

Äthiopien

Rund 5,6 Millionen Menschen sind hier von der Dürre betroffen und bedürfen akuter Hilfe. Weitere 7,6 Millionen werden permanent vom Staat unterstützt. Zudem beherbergt Äthiopien über 800.000 Flüchtlinge aus den Nachbarländern, vor allem aus Somalia und dem Südsudan.

Kenia

Die Regierung hat im Februar dieses Jahres den Notstand erklärt. Tausende von Tieren sind bereits verendet, 2,7 Millionen Menschen leiden an Hunger, mehr als 357.000 Kinder sind stark unterernährt und drohen zu verhungern.

Somalia

6,2 Millionen Somalis sind aktuell auf Überlebenshilfe angewiesen. Über 360.000 Kinder sind mangelernährt und vom Hungertod bedroht. Über eine Million Somalis wurden bislang von der Dürre und dem Krieg im Land vertrieben.

Südsudan

5,5 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, davon leiden etwa eine Million extremen Hunger. Der Bürgerkrieg im Land hat rund 1,7 Millionen im Innern zu Flüchtlingen gemacht, 1,9 Millionen Südsudanesen sind in die Nachbarländer geflohen.

So können Sie helfen

Wir, die Diakonie Katastrophenhilfe, sichern das Überleben vieler Menschen in der Krisenregion gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen. Wir können extrem viel tun. Mit einfachen Mitteln kann Überleben gesichert werden. Wir leisten Soforthilfe mit lebensnotwendigen Dingen wie Lebensmitteln, Trinkwasser, Haushalts- und Hygieneartikel. Wir führen aber auch Projekte zur Katastrophenvorsorge durch: Wir unterstützen in der Landwirtschaft, damit diese trotz der schwierigen klimatischen Bedingungen möglich ist, oder geben Vertriebenen Starthilfen wie  Berufsausbildungen oder Saatgut.

Es ist aber noch viel mehr Hilfe für die unzähligen Betroffenen notwendig. Dafür brauchen wir IHRE Unterstützung. Wir bitten Sie herzlich um ihre Unterstützung für die Menschen in Ostafrika.

Ihre Spende hilft!

 

Spendenkennwort: „Afrika Hungerhilfe“
IBAN: AT85 2011 1287 1196 6333 // BIC: GIBAATWWXXX

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar.

Für weitere Informationen: www.diakonie-katastrophenhilfe.at

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Der Heilige Geist wirkt, wo er will!

Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes – ist in unserer Gemeinde traditionell Tag der Konfirmation. Umso spannender ist die relativ junge Tradition der Ökumenischen Pfingstvigil am Freitag vor Pfingstsonntag.

Heuer war es am 2. Juni, als wir in unserer Lutherkirche in Stockerau sehr ökumenisch Pfingsten (vor)feierten. Ich glaube, Gott war präsent, als wir ähnlich wie bei der Osternacht quer durch die Bibel Texte lasen, manche aus der neu übersetzten Einheitsübersetzung, manche aus der revidierten Lutherbibel. Manfred Plattner und seine Combo spielten die passenden Lieder, darunter viele aus Taizé. Der Altarraum war in wechselnden Farben beleuchtet, Kerzen brannten. Wir ließen uns mit Chrisamöl ein Kreuz auf die Hand malen und uns segnen. Und ich bin sicher, der Heilige Geist wirkte. Ganz einfach so. Ganz friedlich. Ganz ökumenisch.

2018 wird die Pfingstvigil in der katholischen Kirche in Oberrohrbach sein. Ich freue mich schon darauf!

Gert Lauermann

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„Möge Frieden auf Erden sein!“

Sie ist sicher schon vielen aufgefallen – unsere Friedenssäule vor der Lutherkirche in Stockerau. Anfangs hat mancher gerätselt: eine neue Litfaßsäule? Doch als im November die Schriftzüge aufgeklebt wurden, war klar: Es geht um den Frieden.

„Möge Frieden auf Erden sein!“

1955 hat der japanische Dichter und Lehrer Masahisa Goi die „World Peace Prayer Society“ gegründet, die an keine Religion gebunden ist, sondern sich dafür einsetzt, dass die verschiedenen Lebensformen, Kulturen und Religionen auf der Welt einander respektieren. Der gemeinsame Wunsch „Möge Frieden auf Erden sein“ soll Menschen aller Nationen, Traditionen und Religionen nachdenklich machen und einander näherbringen.

In unserer globalen Gesellschaft können wir es uns eigentlich nicht leisten, nur das Eigene im Blick zu haben und alles andere als fremd zu verdammen. Weltweit stehen daher tausende ähnlicher Friedensdenk- und Mahnmale an unterschiedlichsten Plätzen, in unterschiedlichsten Materialien, Farben, Formen und in ganz vielen Sprachen.

Friedensakupunktur für die Welt

So nennt unser Künstler Leo Pfisterer die Friedenspfähle, die in die Erde gepflanzt wurden…

Nun sind wir als evangelische Christen nicht der Ansicht, die Welt würde durch das Aufstellen einer Friedenssäule automatisch friedvoller. So einfach geht es leider nicht. Und wer die Tagesnachrichten verfolgt oder einfach nur mit offenen Augen durch die Welt geht, bekommt sehr schnell mit, wie Menschen im Kleinen wie im Großen aus Rechthaberei, Gier, Neid, Hass und Machtgelüsten aufeinander losgehen und wie viele in dem Teufelskreis von Gewalt und Terror gefangen sind. Wie schön wäre es, wenn wir Menschen verändern könnten…

Frieden bauen

Naja, zumindest einen Menschen kann jeder und jede verändern – sich selbst. Dazu müssen wir uns auf unsere eigene innere Friedensreise machen, denn der Friede will in uns beginnen, um von da ausstrahlen zu können.

Fangen wir ganz zart mit dem Frieden an: Gehen wir achtsam mit uns selber um, reden wir gut über andere, machen wir nicht mit, wenn über einen dritten hergezogen wird. Vergeben wir, setzen wir uns für andere ein, begegnen wir ihnen freundlich, grenzen wir niemanden aus. Verleihen wir dem Frieden Hand und Fuß, damit er wachsen kann.

Wer unsere Friedenssäule etwas genauer angesehen hat, dem ist sicher aufgefallen, dass zwischen den Spruchbändern noch viel nackter Beton zu sehen ist. Nein, wir wollten nicht Material sparen. Die Säule ist ein lebendiges Projekt. Wir wünschen uns, dass viele Menschen am Frieden mitarbeiten, Hand anlegen, am Frieden bauen.

Friede ist nicht automatisch – er muss von uns allen „erbaut“ werden. Bei verschiedenen Veranstaltungen wollen wir unsere Mosaiksteine des Friedens verbauen – mit allen Menschen guten Willens, egal welcher Konfession, Religion oder Weltanschauung. Der Friede sucht seine Erbauer!

Einen friedvollen Sommer wünscht sich und Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

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Ein Wochenende voll Gesang

Ja, wir Stockerauer können es schon als Tradition bezeichnen. Heuer bereits zum 5. Mal fuhren 6 Sängerinnen aus unserer Pfarrgemeinde Ende Juni zum diözesanen Chorwochenende.

Diesmal trafen sich die ca. 50 Frauen und Männer im Stift Göttweig – uns ja bestens bekannt, weil unser Lutherwein aus dieser Gegend stammt. Die künstlerische Leitung lag in den bewährten Händen von Diözesankantorin Sybille von Both. Für die Organisation – die bei dieser Teilnehmerzahl und an diesem Ort schon ganz schön viel Arbeit bereitete – zeichnete wieder Peter Schirnhofer verantwortlich.

Wer singt denn da mit? Ein wahrlich bunter Haufen Evangelische aus ganz Niederösterreich. Auch Wiener sind vertreten. Und Katholiken sind auch dabei.

Singen verbindet!

Dass ein evangelischer Chor so eine Mitgliederstärke haben kann, ist für alle etwas Besonderes. Singen in so einem Chor macht besonders viel Freude: weil die einzelnen Stimmen schneller einstudiert sind; weil der Sound gleich mehr hergibt als bei einer Handvoll SängerInnen; weil es mit Sybille – bei aller Ernsthaftigkeit für die Sache – immer auch lustig ist. Und Lachen wie Singen hält jung. Am Sonntag Vormittag konnten wir einen katholischen Gottesdienst im Stift mit unserem Gesang krönen.

Abschlusskonzert

So wie jedes Jahr schafften wir auch heuer ein Programm einzustudieren, das zum Schluss aufgeführt wurde. Die Werke spiegelten ein breites Spektrum von Chormusik wieder: Thomas Morley „Sing we and Chant it“ war ebenso auf dem Programm wie Heinrich Schütz „Aller Augen“ ,“Bleib bei mir Herr“ nach William Henry Monk oder „Gott hat mir längst einen Engel gesandt“ aus dem Musical „Daniel“ von Thomas Gabriel, „Jesus is my salvation“ und „Sometimes I feel Like a Motherless Child u.a.m.

Ort des Abschlusskonzertes war diesmal die Evangelische Kirche in Krems, wo wir herzlichst begrüßt wurden. Sogar unser Superintendent Lars Müller-Marienburg kam per Fahrrad und lauschte – phasenweise sang er mit! Der Chorgesang wurde ergänzt durch launige Texte zum Thema „Wein“ – vorgetragen von SI-Kuratorin Gisela Malekpour und durch Beiträge einzelner Musikanten am Klavier, mit Gitarre und Gesang und mit Geige.

Bei köstlichem Blätterteiggebäck und Wein klang das Wochenende aus. Der diözesane Chor ist im Wachsen und wir sind froh, dass wir als Stockerauer SängerInnen daran Anteil haben.

Irmi Lenius

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